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„Manchmal kann es helfen, etwas taktlos zu sein“ 

Der Taktvoll-Fragebogen mit Helga Reihl, die Menschen über das gemeinsame Trommeln zu sich selbst und zueinander bringt.

Eine Frau mit braunen, kurzen Haaren und einem grünen Blazer lacht in die Kamera.
(Foto: Margret Witzke)
🎼

Die Lübecker Musikpädagogin Helga Reihl fördert Gemeinschaft. Als Coach (Öffnet in neuem Fenster)begleitet die 53-Jährige Menschen, deren Leben gerade auf dem „Kopf steht“, weil Veränderungen anstehen. Begeistert ist Helga Reihl von Musik und Rhythmus. Rhythmus sei für sie wie eine Brille, durch die sie auf Menschen oder auf Gruppen schaue.

Ein wichtiger und sehr erfolgreicher Teil ihrer Arbeit ist der „Drum Circle“ (Öffnet in neuem Fenster). Bei diesem Trommel-Event kann jeder mitmachen, auch wenn er noch nie ein Schlaginstrument in den Händen gehalten hat oder sich für vollkommen unmusikalisch hält.

Diese „Musik aus dem Moment heraus“, wie Helga Reihl es nennt, ist geprägt von Kommunikation, Gemeinschaft, Freude und Lebendigkeit. Das gemeinsame Trommeln fördert das Wohlbefinden, wie viele begeisterte Rückmeldungen von Teilnehmenden zeigen.

Vor einer Weile (Öffnet in neuem Fenster) habe ich Helga Reihl zu ihrer Drum-Circle-Arbeit befragt. Jetzt beantwortet sie den Taktvoll-Fragebogen.

1.     Lerche oder Eule?

Wenn ich nicht gerade am Abend vorher Eule war, dann Lerche.

2.     Was gehört für Sie unbedingt zu einem guten Start in den Tag?

Etwas Bewegung und ein Frühstück.

3.     Pflegen Sie eine spirituelle Praxis?

Nicht im religiösen Sinn, aber Verbundenheit mit der Natur und anderen Menschen, Selbstreflexion, Dankbarkeit, Meditation, versuchen, nach meinen Werten zu handeln – wenn das dazugehört, dann ja.

4.     Wie bereiten Sie sich auf ein besonderes Ereignis vor (einen Wettkampf, ein Konzert, ein schwieriges Gespräch ...)?

In der längerfristigen Perspektive versuche ich es mit gründlicher Vorbereitung – so gut es eben geht – irgendwann ist dann Schluss, dann lasse ich es so stehen. Kurz vorher dann eigentlich nur noch mit innerer Ausrichtung.

5.     Was bringt Sie aus dem Takt?

Wenn ich mich zu sehr anstrenge, im Takt zu bleiben, oder zu viel nachdenke, wenn ich versuche, etwas zu verstehen, bei dem es nicht ums Verstehen geht. Und hin und wieder gelingt es auch der Deutschen Bahn, mich aus dem Takt zu bringen.

6.     Welche Jahreszeit mögen Sie besonders? Warum?

Den Frühling, weil es mich immer wieder fasziniert, wie jedes Jahr aufs Neue mit aller Kraft so viel Leben entsteht und sich nicht aufhalten lässt.

7.     Schreiben Sie Tagebuch?

Nein.

8.     Welche Rituale ihrer Kindheit praktizieren Sie heute noch, evtl. jetzt mit den eigenen Kindern?

Ich habe seit einigen Jahren das Sensen wieder für mich entdeckt, das ich von meinem Opa gelernt habe. Dazu gehören auch die Vorbereitungen, wie Dengeln und Wetzen, und ich versuche mich daran, auch das Sensen an sich so rhythmisch zu gestalten, dass ich es mit wenig Kraftaufwand bewältigen kann.

9.     Tanzen Sie?

Ja, sehr gerne, wenn ich dazu in der Stimmung bin.

10.  Sie kommen nach einem anstrengenden Tag nach Hause, welche Musik hören Sie?

Nach einem anstrengenden Tag genieße ich meistens die Ruhe und komme nicht auf die Idee, Musik zu hören.

11.  Ein freier Tag liegt vor Ihnen, was machen Sie am liebsten?

Einen Ausflug in die Natur oder das ‚Nichts-vorhaben‘ genießen und den Hummeln dabei zusehen, wie sie im Blütenstaub einer Mohnblume baden. Genauso genieße ich es aber auch, etwas zu schaffen, zu bauen, zu pflanzen oder mich mit anderen zu treffen.

12.  Welche Rhythmen in der Natur begeistern Sie?

Begeistert bin ich von den Jahreszeiten, vor Ebbe und Flut habe ich Respekt. Dass mein Herz regelmäßig und unregelmäßig genug schlägt und ich atme, nehme ich oft genug für selbstverständlich hin, aber wo Sie so danach fragen, bin ich auch dafür sehr dankbar.

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13.  Wie sehen kleine Atempausen in Ihrem Alltag aus?

Eine Tasse Kaffee und ein Buch oder eine Zeitung, ein Mittagsschlaf, Dehnen und Strecken.

14.  Zeitung lesen: Papier oder digital?

Beides.

15.  Urlaub: immer das gleiche Ziel oder jedes Mal Neues entdecken?

Lieber etwas Neues entdecken.

16.  Wie wichtig sind Ihnen gemeinsame Mahlzeiten mit dem Partner/der Partnerin, der Familie?

Gemeinsame Mahlzeiten sind ein schöner Anker im Leben, aber ich kann auch mal darauf verzichten, wenn es nicht passt.

17.  Partnerschaft, Ihre Erfahrung: „Gegensätze ziehen sich an“ oder „Gleich und gleich gesellt sich gern?“

Ein Mindestmaß an Gemeinsamkeiten und ausreichend Toleranz auf beiden Seiten, um die Unterschiede akzeptieren und schätzen zu können.

18.  Lesen Sie vor dem Einschlafen? Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

Manchmal. Zurzeit „Revolte“ von Michael Ebmeyer und „Der Traum von einem Baum“ von Maja Lunde.

19.  Gibt es eine Zahl, die eine besondere Bedeutung in Ihrem Leben hat?

Nein.

20.  Welche Rituale oder Rhythmen sind Ihnen unangenehm?

Essen nach Uhrzeit und nicht nach Hunger oder Lust. Vor allem aber, wenn etwas zu starr oder fest und zum Selbstzweck geworden ist.

21.  Was fällt Ihnen zum Begriff „taktvoll“ ein?

Ihr Projekt, liebe Frau Gebhardt! Außerdem, dass es manchmal hilfreicher sein kann, etwas taktlos zu sein und nicht so viel Anstrengung darauf zu verwenden, taktvoll zu sein.

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Der Taktvoll-Fragebogen – die Antworten der anderen:

https://steadyhq.com/de/taktvoll/posts/751754dd-7dc1-4cd9-93bb-7eb1fe035671 (Öffnet in neuem Fenster)https://steadyhq.com/de/taktvoll/posts/ee7bb41f-c906-4cdd-980b-1efe926588d4 (Öffnet in neuem Fenster)https://steadyhq.com/de/taktvoll/posts/7808f482-1ff1-413b-9003-0a89737b88e9 (Öffnet in neuem Fenster)https://steadyhq.com/de/taktvoll/posts/8154d2e2-29d5-477b-8df8-c294b857a779 (Öffnet in neuem Fenster)https://steadyhq.com/de/taktvoll/posts/1e63590e-e4a5-49a1-a9e5-02a7c433c2b1 (Öffnet in neuem Fenster)
Kategorie Kultur + Rhythmus

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