Als mein Mann an Vorabend meines 45. Geburtstags sagt: „Du musst noch Koffer packen!“, hatte ich so eine leise Vorahnung.
Ich: „Wieso?“
Er: „Weil du morgen mit mir wegfährst! Nach Kopenhagen!“
Ich wollte schon immer mal nach Kopenhagen, aber irgendwie hatte es nie gepasst. Tendenziell orientiert sich mein ganzes bisheriges Leben immer eher nach Süden oder gleich über den Atlantik, wegen meiner Familie. Skandinavien war da einfach nicht auf dem Weg. Alles, was ich über Kopenhagen gehört hatte, war: Fahrradfahren ist da cool, Mode mutig und alles unkompliziert.

Ich war mehr als gespannt und konnte es kaum erwarten, auf die Fähre in Puttgarden zu kommen.
Und tatsächlich radelten wir eine Nacht und ein paar Stunden später durch Kopenhagen mit einer Entspanntheit wie ich sie nur aus meiner Kindheit erinnere. Gut, es mag auch etwas daran gelegen haben, dass wir die Kinder bei Oma und Opa geparkt hatten und einfach machen konnten, was wir wollen. Wann wir wollen. Wie wir wollen. Unglaublich. Wir radelten durch die Innenstadt, an den bunten Häuser von Nyhavn vorbei, hielten kurz beim Street Food Market, radelten weiter und erkundeten kleine Interiorläden. Mein Mann verliebte sich kurz in Louis Poulsen, shoppten im Illums Bolighus, das süßeste und gemütlichste Kaufhaus für Mode, Möbel und Wohnaccessoires, das ich je gesehen hatte. Spazierten durch die Sternenfestung, fuhren auf Fahrradwege wie auf Schienen um die ganze Stadt. Die Zeit dehnte sich wie ein Gummiband und mir fiel auf, dass niemand rauchte, nirgendwo Müll herumlagt und keiner drängelte. Selbst fixe Radler ließen uns einfach lässig links liegen, Rennrad-Rowdies exitierten nicht.
Wo haben die Kopenhagener die ganze Zeit her, die ich daheim nicht habe, fragte ich mich? Die Sonne meinte es gut mit uns, es war richtig warm. Mir fiel auf, dass Mode sich hier anpassen muss. Wir waren den ganzen Tag draußen, mit den Leihrädern unterwegs und ich sah Röcke, Kleider, sogar Schlauchkleider auf Drahteseln wehen, dazu Söckchen in Sneakern. Würde ich zu Hause nie machen. Wieso eigentlich nicht?
Birkenstock ist offenbar auch fahrradtauglich, nur Fahrrhelme nicht, stellte ich fest. Was ich insgeheim sehr sympathisch finde. Was sagt es auch über dich aus, wenn du den Tod auf dem Bike mehr fürchtest als den Sitz deiner Frisur, würde mein alter Freund Sascha sagen. Jetzt muss man natürlich auch erwähnen, dass ich kaum Autos sah, die Fahrradwege waren hoch frequentiert und die gute Laune schien im Asphalt implantiert. Ich wollte sie mitnehmen, diese Haltung, dieses leichte Lebensgefühl. Nur wie? Wir radelten bis wir hungrig wurden und machten dann wieder halt auf einem Street Food Market, der kurz vor Modenschau rangierte, soviel gab es für mich zu sehen.
Muss ich erwähnen, dass ich mich im Illums Bolighus mit neuen Röcken eindeckte und mir bei Arket Söckchen für meine Sneaker kaufte, um mich sehr dänisch zu fühlen?
Bevor es zurückging, kauften wir noch ein paar Mitbringsel, Flødeboller, was Schaumküsse sind, wie ich lernte und gehäkelte Wischlappen aus Baumwolle, die ich fast zu schade zum Wischen fand. Übrigens im Juni 2025 hat das Magazin the Economist Kopenhagen zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt. Ich ahne warum.
Meine Tipps
Hotel
Hotel Admiral:
Toldbodgabe 24-28, 1253 Kopenhagen (unbedingt hier wohnen, die Lage ist perfekt und das Frühstück ein Gedicht!)
Shopping
Illums Bolighus:
Amagertov 10, 1160 Kopenhagen (Wenn ich nur einen Laden betrertezn dürfte, wäre es dieser! Mode, Möbel, Lampen, Schmuck, Kunstblumen, Küchenartikel und Mitbringsel)
Hay House:
Østergade 61, 2,1100 Kopenhagen (Klassiker für alle Design-Freaks)
Arket:
Strøget, Købmagergade 33, 1150 Kopenhagen (netter Abstecher, es gibt auch Mdoe für Kinder und es gibt sogar ein kleines Restaurant!)
Food
Broens Street Food Market:
Strandgade 95, 1401 Kopenhagen
Sightseeing
Park Schloss Rosenborg:
Øster Volgade 4A, 1350 Kopenhagen
Zitadelle Fredeikshavn:
Gl. Hovedvagt, Kastellet 1
Tivoli:
Vesterbrogade 3, 1630 Kopenhagen
Schloss Amalienborg:
Amalienborg Slotsplads, 1257 Kopenhagen
Kopenhagen