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DICHTER DREIER #1

Willkommen in unserer neuen the little queer review-Kategorie-Gattung DICHTER DREIER. Es wird nicht vorrangig um Sexuelles, doch bestimmt immer mal hoch hergehen. Was hier geschieht?!? So simpel wie es scheint: Drei kurze Kritiken zu drei Dingen, immer wild gemixt. Film oder Serie (Öffnet in neuem Fenster), Hörbuch oder Druck (Öffnet in neuem Fenster) (wenn da was verfügbar ist 🤭), Musik (Öffnet in neuem Fenster) oder Ausstellung – das ergibt sich.

Los geht's!

LEERES MEISTERHIRN

Ein Coup, so einfach und clever, dass eigentlich nichts daneben gehen können sollte. So denkt es jedenfalls der arbeitslose JB Mooney (Josh O’Connor, ab Februar im heiß erwarteten The History of Sound mit Paul Mescal zu sehen, der anderswo bisher auf sehr gemischte Kritiken stößt; das Buch von Ben Shattuck ist in der Übersetzung von Dirk van Gunsteren im Hanser Verlag erschienen), als er sich entschließt, im örtlichen Museum einen Kunstraub durchzuführen. Oder eher von ein, zwei seiner Mini-Gangster-Buddies durchführen zu lassen. Geplant ist der Raub von vier Gemälden Arthur Doves. Natürlich ist das im politisch und sozial bewegten Massachusetts der 1970er-Jahre doch nicht so einfach und nun... irgendwie fällt dem dezent bräsigen Muttersöhnchen JB so einiges auf Füße.

Easy peasy robberisy?! Nope! // ©2025 Mastermind Movie Inc.

Für ihren neunten Spielfilm THE MASTERMIND hat sich die preisgekrönte Regisseurin Kelly Reichardt vom Worcester Art Museum-Raub 1972 inspirieren lassen. Was zum Schauen und gegebenenfalls Genuss des Star-gespickten (neben O'Connor u. a. Hope Davis, Alana Haim, John Magaro, Gaby Hoffmann, Bill Camp, et al.) Films eigentlich keine Rolle spielt, aber nett zu wissen ist. Reichardt, die auch das Drehbuch verfasste, behandelt in tollen Bildern (Christopher Blauvelt, Hot Milk) Themen wie den Vietnamkrieg, die Rechte von Frauen, Nihilismus und Narzissmus.

Terri Mooney (Alana Haim) steht im Garten ihrer Eltern // © 2025 Mastermind Movie Inc.
Terri Mooney (Alana Haim) // © 2025 Mastermind Movie Inc.

Das ist eine ganze Menge nicht nur in Anbetracht der Laufzeit von so gesehen nicht einmal zwei Stunden, sondern vor allem mit Blick auf die recht gemächliche, jedoch sehr stimmige und stimmungsvolle Inszenierung, die nicht zuletzt von der Musik Rob Mazureks getragen wird. Dennoch saßen wir am Ende von THE MASTERMIND, der als wenig sympathischer Nicht-Held in so manch unangenehme (Reise-)Situation kommt, im muckeligen kleinen, in blaues Licht gehüllten Saal des Delphi Lux und fragten uns, was wir da gerade gesehen haben.

https://www.youtube.com/watch?v=AWokrf6yeEU (Öffnet in neuem Fenster)

Irgendwie fühlten wir uns ein wenig erschöpft, leer... oder eher ausgelaugt und seltsam resigniert. Was mitnichten bedeuten soll, dass der Film, der definitiv das Label „Arthouse“ verdient hat, nicht gut oder zumindest interessant wäre. Dass er es mehr oder minder still, elegant und ruhig schafft, eine*n in eine solche Stimmung zu versetzen, ja mensch gar jede Stimmung und letztlich Meinung zu entziehen, das ist an sich schon Kunst.

AS/HMS

THE MASTERMIND ist seit dem 16. Oktober 2025 im Kino zu sehen; Laufzeit ca. 110 Minuten; FSK: 12

VOLLES VERGESSEN?!?

Die vormalige Gerichtsreporterin Christine Brand ist nicht nur True-Crime-Fans ein Begriff. Ihre Milla-Nova-Krimis sind so beliebt wie ihre journalistische Arbeit und ihre Wahre Verbrechen-Bücher. Im vergangenen Jahr veröffentlichte der Blanvalet Verlag mit VERMISST – Der Fall Anna den ersten Band einer neuen Cold-Case-Reihe um die Schweizer Kommissarin Malou Löwenberg (das neue Tatort-Team aus der Deutsche Buchpreis-Stadt Frankfurt (Öffnet in neuem Fenster) geht ähnliche Wege). Im ersten Buch stößt sie eher zufällig auf den Fall: Ihr Date Dario berichtet davon, dass seine Mutter an dessen fünftem Geburtstag spurlos verschwand, er jedoch davon ausgehe, dass sie noch lebe. Allein schon, da ihn jedes Jahr mysteriöse Geburtstagskarten erreichen...

https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/b437a985-7d9d-4029-a0c5-b4018faddf73 (Öffnet in neuem Fenster)

Dieser Cold Case wird natürlich größer als gedacht, was bei einem Umfang von über fünfhundert Seiten wenig überrascht. Ebensowenig überrascht es, dass der Fall manch Vorgesetztem und Kollegen nicht in den Kram passt, noch ein wenig Persönliches vom charismatischen Findelkind Malou dazu kommt und es den einen oder anderen Nebenhandlungsstrang gibt, der mal mehr, mal weniger passt. Alles in allem aber ist Der Fall Anna nicht nur ein gelungener und pfiffiger Auftakt, der streckenweise emotional sehr berührt (Stichworte: Trauma und Verarbeitung) und dazu noch schlagfertig, sondern vor allem kurzweilig und eine perfekte Unterwegs-Lektüre (etwa in Bus und Bahn). Das Ende wäre noch überraschender, würde es sich nicht so lange aufbauen und ankündigen, dennoch ein okay-isher Twist.

Der zweite VERMISST-Band Der Fall Emily der in Zürich und Sansibar (Öffnet in neuem Fenster) lebenden Autorin wird nun mit großem Interesse und einiger Neugier gelesen, hat sich doch nicht zuletzt Malou Löwenbergs berufliche Perspektive verändert...

Eine Leseprobe findet ihr hier (Öffnet in neuem Fenster).

Christine Brand: VERMISST – Der Fall Anna (Öffnet in neuem Fenster); April 2024; 544 Seiten; Paperback, Klappenbroschur; ISBN: 978-3-7645-0828-9; Blanvalet; 18,00 €

AS

ABSOLUTER ANSCHLUSS

Seit The xx-Musiker Oliver Sim vor drei Jahren sein erstes und ernstes Soloalbum Hideous Bastard veröffentlicht hatte, war es eher still um den Artist geworden, der 2022 auch sehr offen darüber sprach, wie sein Leben als schwuler, HIV-positiver Mann seinen künstlerischen Prozess und die Arbeit beeinflusst. Im Sommer 2025 veröffentlichte er die kreative und kontrastreiche Single „Obsession", der jetzt der fesche (🫦) Retro-Pop-Spaß „Telephone Games“ mit passendem Musikvideo, inszeniert von Fotografin und Regisseurin Sharna Osborne, folgt.

Wunderbar passende Cover Art zu TELEPHONE GAMES
Wunderbar passende Cover Art zu TELEPHONE GAMES

Wie schon zuvor „Obsession“ steht auch „Telephone Games“ für eine neues Kapitel in Sims künstlerischer Entwicklung. Viel Experimentierfreude mit ironischer Schlagseite sowie kreative Offenheit und eleganter Charme prägen die neuen, wunderbar eingängigen Werke. Nicht zuletzt ruft das stilvolle und verspielte Musikvideo, das über geheimnisvolle Visitenkarten in Telefonzellen in ganz London angeteasert wurde, die Erinnerung an die britische Original-Version des queeren/schwulen Klassikers Queer As Folk hervor. What more could we want (except maybe some d**k).

https://www.youtube.com/watch?v=8dCn6xjLERQ (Öffnet in neuem Fenster)

Ihr findet den Song natürlich ebenso in unserer QUEER SOUNDS-Spotify-Playlist (Öffnet in neuem Fenster)! (Die wir nun wieder besser pflegen - versprochen!) Und folgt ihr uns eigentlich schon bei Instagram (Öffnet in neuem Fenster)? Da teilen wir gern…

Achso: Die Bande innerhalb von The xx sind übrigens so stark wie eh und je: Jamie xx produzierte „Obsession“ und das Trio arbeitet derzeit an seinem mit Spannung erwarteten vierten Album und verbringt aktuell viel Zeit gemeinsam im Studio!

IN EIGENER SACHE: Da unser reguläres Online-Magazin noch immer nicht wieder am Start ist, veröffentlichen wir vorerst hier. Mehr dazu lest ihr in unserem Instagram-Post (Öffnet in neuem Fenster) oder auf Facebook (Öffnet in neuem Fenster). Außerdem freuen wir uns immer, wenn ihr uns einen Kaffee spendieren wollt (Öffnet in neuem Fenster) oder uns direkt via PayPal (Mail: info_at_thelittlequeerreview.de) unterstützen mögt.

https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/696b95fc-a052-4cac-be24-867bb1359ed5 (Öffnet in neuem Fenster)

Kategorie MUSIK

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