
Liebe Leser*innen,
nun sind die tollen Tage schon seit drei eher mauen Tagen vorbei: Heute begehen wir traditionell den auf Aschermittwoch folgenden Staubfreitag. Und während Sie noch ausnüchtern und überlegen, woher Sie diese neuen mysteriösen Geschlechtskrankheiten haben, können Sie noch mal in den jecksten Narreteien der letzten Wochen schwelgen:

In neun Monaten, drei Wochen und einem Tag geht es schon wieder weiter. Doch bis dahin müssen ein dröger Frühling und ein fader Sommer überstanden werden. Und eine entbehrungsreiche Fastenzeit, in der die Tapfersten unter Ihnen auf ihr Smartphone verzichten. Das könnte für deutsche Politiker*innen bald auch an den anderen 325 Tagen im Jahr Alltag sein:

(Öffnet in neuem Fenster)Doch nicht nur die Sex-Bots auf Instagram versuchen, Sie abzulenken und dazu zu bringen, Ihre PIN rauszurücken. Auch Supermärkte greifen zu immer perfideren Psycho-Tricks, um an Ihr Geld zu kommen. Das Einzige, was Sie da machen können, ist, dem Ganzen noch perfidere Psycho-Tricks entgegenzusetzen:

Tragen Sie Sonnenbrille, Noise-Cancelling-Kopfhörer und Nasenklammer, um sich vor optischer, akustischer und olfaktorischer Manipulation durch den Supermarkt zu schützen
Kriechen Sie auf allen Vieren durch den Laden. So nehmen Sie vornehmlich günstige Produktalternativen im sogenannten »Bückbereich« wahr
Kiffen Sie vor dem Einkauf. So konzentrieren Sie sich auf billige Snacks und vergessen die teureren Produkte (Kaffee, Steak, Alkohol), die Sie eigentlich kaufen wollten
Spritzen Sie sich vor dem Einkauf Heroin. Dieses wirkt stark appetithemmend
Mit vollem Magen kauft man weniger ein. Machen Sie deshalb vor dem eigentlichen Einkauf einen weiteren Einkauf
Fliegen Sie zum Einkaufen weg, z. B. nach Paris. Die Gepäckgrenzen (insbesondere bei Billiganbietern) sorgen dafür, dass Sie nicht zu viel einkaufen
Starren Sie den Kassierer so lange an, bis er Ihnen spontan einen Preisnachlass gewährt
Entwickeln Sie durch tägliche Instagram-Nutzung eine stattliche Magersucht
Sie haben sich entschieden, in der Fastenzeit auf Alkohol zu verzichten? Dadurch sparen Sie natürlich beim Einkauf, aber passen Sie bei den Langzeitfolgen auf:

(Öffnet in neuem Fenster)Falls Sie zur Sicherheit doch weiter Alkohol trinken wollen, können Sie zum Beispiel diese Flasche Champagner (Öffnet in neuem Fenster) von der deutschen Justiz ersteigern. Mehr dazu weiß Gerichtsreporter Torsten Gaitzsch:

Heute: Not kennt ein Gebot
Wie beim letzten Mal angedeutet, ist ein weiterer Besuch der Online-Versteigerungsplattform »Zoll-Auktion« sowie des thematisch benachbarten Hauses »Justiz-Auktion« geraten. Wer in diese faszinöse Welt einsteigt, muss sich darüber im Klaren sein, dass dort nicht nur ausrangierte Fuhrparks und nicht mehr benötigtes Inventar von Landesämtern, Gemeinden etc. feilgeboten wird, sondern auch mutmaßliches Diebesgut, konfiszierte Tatfahrzeuge und Gegenstände, die im Zuge der Verbrechensbekämpfung sichergestellt worden sind. »32 gebrauchte Gewächshaustische (Hersteller unbekannt)« – da ist doch wohl alles klar. Oder hier: Eine echte Herren-Rolex, die das Amtsgericht Ried im Innkreis für 4.250,00 € eingestellt hat. Würden Sie sich ein Schmuckstück umbinden, dessen ursprünglicher Besitzer nicht mehr ermittelbar ist oder gar ERMORDET wurde? Oder einen Laptop in Betrieb nehmen, auf dem wer weiß was gespeichert war? Nicht weniger unbehaglich müsste man sich, zumindest als jemand mit einem Funken Empathie, fühlen, staubte man Besitztümer ab, die einer verschuldeten Person unter dem armen Hintern weggepfändet wurden. Die Heißprägemaschine WT-90D, die ein Gerichtsvollzieher im Bezirk Innsbruck anbietet: Wem war sie einst ein liebes Hobbyutensil, wer ging damit einer unschuldigen Leidenschaft nach? Auch bei vom Zoll einbehaltenen Waren würde man nur allzu gern die Hintergrundgeschichte kennen.
Für Jurastudierende eventuell interessant: Behörden nutzen solche Auktionshäuser gern, um veraltete Rechtsgrundlagenkonvolute loszuwerden; für einen Bruchteil des (hohen!) Neuanschaffungspreises kann man immer mal wieder frühere Auflagen von Gesetzesbüchern sowie Kommentare und Blattsammlungen ergattern.
Und jetzt kommt die ernüchternde »Pointe« dieses zweiteiligen Internetreiseberichts: Ich selbst habe noch nie etwas auf den genannten Plattformen ersteigert.
Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:
Ihre TITANIC-Redaktion
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