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Das beste Kunstwerk der Welt

Logo »TITANIC-Wochenrückblick. Der endgültige Newsletter«

Liebe Leser*innen,

wo erreicht dieser Newsletter Sie heute? Auf dem Standstreifen der A1, weil Sie sich geweigert haben, zu tanken, solange die Benzinpreise so hoch sind? In Ihrer Garage, wo Sie gerade versuchen, aus Ihrem SUV und einem Dutzend AAA-Batterien ein E-Auto zu basteln? Oder in der Notaufnahme, da Sie sich entschieden hatten, lieber das Rad zu nehmen?

So oder so: Die Bundesrepublik leidet unter den hohen Benzinpreisen mehr als jedes andere Land. Und wird jetzt auch noch mit Hohn übergossen:

Zu sehen ist die Digitalanzeige einer Tankstelle. Unter der Kategorie "Super" steht allerdings kein Benzinpreis, sondern "Esel". Darunter der Text: "Explodierende Benzinpreise: So verspotten die Ölmultis deutsche Autofahrer".
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Wäre Deutschland ein weniger erbärmliches Land, würden sich die Ölkonzerne natürlich niemals trauen, dessen Einwohner*innen zu beschimpfen. Aber die ganze Welt lacht über die BRD. Das kann Chile mit seinem neuen Präsidenten José Antonio Kast nicht passieren:

Name: Kast

Vornamen: José Antonio

Spitznamen: Schorschi, Chicago Boychen, Vater unser (nur von seinen neun Kindern)

Hauptwerke: »Die hundert schönsten Notstandsregierungen«, »Wehrmacht die besten Würste? Geschichten meiner fleißigen Einwanderer-Eltern«, »Migranten sind nur die Anderen«

Wurde beeinflusst von: »Die Abenteuer des Pinochetio«, Sven von Storch, jahrelanger Rosenkranz-Folter

Hat Einfluss auf: Chilenischen Kleiderbügel-Absatzmarkt, Trumps Vereinte-Nationen-LARP-Gruppe

Befreundete Denker: Deutsche Idealisten (Goebbels, Himmler, Speer), Volljuristen, Jesus

Verfeindete Denker: Venezuelaner, Jesus (es ist kompliziert)

Bester Satz: »Meine Eltern sind ja damals wegen des guten Wetters eingewandert.«

Leser*innen, die José Antonio Kast mögen, mögen auch: Kettensägen, Orangenhähnchen, abgestandenes Weihwasser aus Lourdes, Ausländerhass

Immer mehr Chilen*innen drängen in die psychotherapeutischen Sprechstunden, weil sie den plötzlichen Drang verspüren, ihre Landsleute systematisch zu verfolgen und zu foltern (sog. Pinochet-Syndrom). Auch in Deutschland stehen Therapeut*innen wegen langer Wartelisten unter Druck. Damit sie wenigstens beim Rechnungschreiben weniger Arbeit haben, sollen die Honorare der gesetzlichen Krankenkassen für Psychotherapie ab April um 4,5 Prozent sinken. Weitere gute Gründe für die Kürzungen:

  • Die meisten Therapeut*innen sitzen die ganze Stunde nur da und sagen praktisch nichts

  • ADHS und Autismus kann sich jeder mittels Instagram selbst diagnostizieren

  • ChatGPT steht rund um die Uhr zur Verfügung und bietet kostenlose Unterstützung, falls Sie als Therapeut*in nicht mit der Honorarkürzung klarkommen

  • Warum sollte die Krankenkasse jemanden bezahlen, der den Patient*innen weismacht, mit der eigenen Mutter schlafen zu wollen? Das bekommt man auf jeder x-beliebigen Pornoseite umsonst

  • Die meisten Patient*innen brauchen keine Psychotherapie, sondern Ritalin und einen Nebenjob

  • Wenn Psychotherapie funktioniert – warum gibt es dann noch psychisch Kranke?

  • Bei der Ablehnung der Honorarkürzungen geht es den Psychotherapeut*innen doch gar nicht um Geld – in Wirklichkeit wollen sie mit ihrer Mutter schlafen!

Auch Kunst wird immer wieder in der therapeutischen Arbeit eingesetzt. Zum Beispiel die Werke des Street-Art-Künstlers Banksy in der Konfrontationstherapie, um Patient*innen von der Angst vor banaler Bildsprache und unterkomplexen Erklärungen zu befreien. Nach der Enthüllung seines bürgerlichen Namens können sich die Geheilten endlich persönlich bedanken:

Wolfram Weimer unterwegs zu einem Termin, dazu der Text: "Identität um Ausnahmekünstler gelüftet: Dieser Mann ist Banksy."

Banksys Flower Thrower gilt als das beste Blumenkunstwerk der bildenden Kunst. Der nachfolgende Cartoon von Kuhlenbeck ist aber fast genauso gut.

Gezeichneter Cartoon: Eine männlich gelesene Blume mit Gesicht reicht einer weiblich gelesenen Blume, die ebenfalls ein Gesicht hat, einen Strauß Blumen. Die weiblich gelesene Blume reagiert mit: "Du bist krank."
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Krank war auch Guido Westerwelle. Allerdings nur bis zu seinem Tod, der sich diese Woche zum zehnten Mal jährte. Mehr dazu von TITANIC-Politikpromiexperte Torsten Gaitzsch:

Torsten Gaitzsch trinkt eine Tasse Kaffee und schaut in die Kamera

Heute: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Noch nie, seit ich die deutsche Medienlandschaft beobachte – und das tu ich schon sehr lange –, wurde derart viel anlässlich des zehnten Todestages eines Politikers geschrieben wie in den letzten Wochen über jenen von Guido Westerwelle. Das kann freilich noch getoppt werden, wenn 2027 der Hinschied Helmut Kohls zum zehnten Mal sich jährt, im Moment aber: Westerwelle hier, Westerwelle da. Es sei ihm ja gegönnt, nur frage ich mich, welche Sehnsucht das Fehlen des ehemaligen Vizekanzlers bei der Journaille auslöst. Gut, ich könnte einfach einen der entsprechenden Artikel lesen, aber darauf habe ich keine Lust.

Guido Westerwelle war natürlich in manchen Dingen seiner Zeit voraus: Er war im besten Sinne eine Rampensau, ein »schriller Wahlkämpfer«, wie es in einem der aktuellen Gedenkbeiträge heißt, ich sage nur: Projekt 18, Guidomobil, »Big Brother«-Container, vermemebare Zitate (»spätrömische Dekadenz«, »Schneid nicht abkaufen«, »Es ist Deutschland hier!«). Ich glaube, wir erinnern uns so gerne an Guido Westerwelle, weil er uns in eine scheinbar bessere, zumindest einfachere Zeit zurückführt, und damit meine ich nicht die Zeit, in der die FDP noch Bedeutung hatte.

Guido Westerwelle gehörte dem letzten genuin lustigen Bundeskabinett an. Merkel II – was für eine Kulttruppe! Man liest sich durch die Liste der damaligen Minister/innen und kriegt sofort gute Laune: Hans-Peter Friedrich, Rainer Brüderle, Philipp Rösler, Kristina Schröder (zu Beginn der Legislaturperiode noch Köhler), Karl-Theodor zu Guttenberg, Ronald Pofalla, Dirk Niebel! Zu jeder einzelnen dieser Figuren fallen mir klassische TITANIC-Artikel ein, teilweise von mir (mit-)verfasst, denn auch die Satireproduktion – das würde ich meinen jungen Kolleginnen und Kollegen gegenüber am liebsten verschweigen – war in jenen Prä-Weltuntergangjahren unendlich leichter, beschwingter, erfüllender und spaßiger.

Aber bevor ich mich jetzt zu sehr in Vergangenheitsverklärung und tumber Nostalgie ergehe, entlasse ich mich und Sie und uns in einen möglichst dekadenten Wochenausklang.

Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:

Ihre TITANIC-Redaktion

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Rund 90 Jahre nach Maos legendärem Langen Marsch durch China macht sich ein Mann auf, es ihm nachzutun – auf zwei Rädern! Mit nichts im Gepäck außer Wechselkleidung, Fernostexpertise und seinem Kompagnon Volker Häring radelt der ehemalige TITANIC-Redakteur und Exilberliner Christian Y. Schmidt durch die Volksrepublik. 7000 Kilometer auf 368 Seiten, das gibt’s nur hier!

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