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Glaubenssätze? Trifft mich nicht, aber “schei..” geht es mir

Welche Symptome zeigen sich bei dir?

  • Migräne / Kopfschmerzen

  • Magenprobleme

  • Dauergrübeln

  • Schlafstörungen

  • übermäßiges Verlangen nach Alkohol, Rauchen, Schmerz- oder Beruhigungsmitteln, Süßem, Kaufen, etc.

  • spürbare Ängste / Panikattacken

  • ständige Hektik / Stress

  • Bluthochdruck

  • ständige Erschöpfung

Christian sagt: “Ist doch völlig normal! So ist das halt, wenn man Leistungsträger ist. Ich habe nunmal wichtige Aufgaben und Projekte zu verantworten. Da gehört Stress einfach dazu. Vor allem, weil meine Kollegen und Kolleginnen einfach nicht mitziehen. Da muss ich eben mehr leisten, damit es zum Erfolg wird.”

oder eher:

Anna sagt: “Es geht eben nicht anders. Wenn ich es nicht mache, wer macht es dann? Da muss ich jetzt die Zähne zusammenbeißen und durch. Irgendwann werden auch wieder leichtere Zeiten kommen. Die Menschen brauchen mich.”

oder:

Petra: [Stille - im Inneren immer wieder der Gedanke: einfach machen, was die anderen von mir erwarten]

Und, wo findest du dich wieder? Hast du vielleicht auch alle drei, aber würdest es nie aussprechen?

Wenn du glaubst, dass sind überzeichnete Aussagen, dann irrst du. Sei mal ehrlich und beobachte dein eigenes Verhalten. Was denkst du über dich, deine Arbeitsweise, dein Handeln, deine Motivation dahinter?

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Ich verspreche dir, du wirst für alles rationale Gründe finden. Und ich verspreche dir, du wirst sie alle außerhalb von dir sehen:

  • Jeder muss seine Leistung bringen.

  • Dafür werde ich nunmal bezahlt.

  • Das gehört zum Job dazu.

  • Mein Chef ist dafür verantwortlich.

  • Das ist nunmal mein Schicksal.

  • Was kann ich dafür, dass meine Kollegen und Kolleginnen nicht mitmachen.

  • So ist die Arbeitswelt.

  • Das ist halt der Preis für meinen Traumjob.

  • Die Welt ist nunmal lauter. Wir müssen ständig erreichbar sein. Alles ist komplexer.

  • etc.

Kennst du den Spruch: “Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.” von Pippi Langstrumpf, der berühmten Figur aus den Kinderbüchern von Astrid Lindgren?

Das ist die “moderne” Version davon. Wir können uns viel einreden, wenn der Tag lang ist. Würden wir es uns nicht jeden Tag wieder als unseren eigenen Willen bestätigen, dass wir das alles freiwillig machen, dann hätten wir ein wirklich schwerwiegendes Problem.

Wir müssten uns nämlich eingestehen, dass unsere Symptome, psychicher, körperlicher oder psychosomatischer Natur nicht normal sind. Vor allem dann nicht, wenn sie durch einen JOB und Arbeitsbedingungen hervorgerufen werden.

Vorher ich das weiß? Ich hatte selbst unzählige Symptome und habe mir diese in Bezug auf meinen Job als normal eingeredet, bzw. als normal ignoriert. Eine Anpassungsstörung mit Burnout Symptomen und depressiven Episoden, zwei Rückfälle und zahlreiche Panikattacken später begann ich das zu hinterfragen.

Hinweis

Wir haben gerade Christian, Anna und Petra getroffen. Sehen wir sie als Vertreternamen für ganz viele Menschen in den unterschiedlichsten Altersklassen. Wir vereinfachen das Ganze jetzt erheblich und gehen davon aus, dass sie nur diese eine Aussage ausmacht (ansonsten würde das Beispiel zu komplex werden). Ich habe die Rollen tatsächlich bewusst nach den klassischen Rollenklischees verteilt, da ich vermute, dass sie recht häufig in dieser Konstellation vorkommen. Aber ich möchte dringend davor warnen, dass im Alltag zu tun, denn so pauschal lassen sich Glaubenssätze weder zuordnen noch auf den Kopf zusagen.

Wenn dich das jetzt auf die Idee bringt, bei anderen deren Verhalten zu analysieren und ihnen Glaubenssätze zuzuschreiben, dann ist das nicht nur übergriffig, sondern kann auch fatale Folgen haben. In meinen Beispielen geht es vor allem darum, dass du die Dynamiken, in denen du eine fleißige, meist unbewusste Rolle hast, verstehst und erkennst und dann bei DIR schauen kannst, warum du auf eine bestimmte Art und Weise “mitspielst”, bzw. was in dir tagtäglich wirkt.

Was haben die Aussagen mit Glaubenssätzen zu tun?

Wir haben ja oben schon die Aussagen von Christian, Anna und Petra gehört. Alle drei arbeiten im selben Unternehmen an einem großen Projekt mit noch weiteren Kollegen und Kolleginnen.

Die oben gemachten Aussagen werden im Normalfall so nicht ausgesprochen. Wenn du aber in dich hinhörst und auf deine Gedanken achtest, dein Verhalten in Bezug auf andere beobachtest, wird dir auffallen, das du bestimmte Gedanken und Verhaltensweisen immer wieder an den Tag legst.

Auch ich bin mir rückwirkend erschreckend bewusst geworden, was ich da teilweise mit meinem Denken und meinen Verhaltensweisen in mein Leben gerufen habe. Mir wurde klar, warum andere so auf mich reagiert haben, warum Konflikte aufkamen und wie ich manche Verhaltensweisen anderer mit gegenüber regelrecht “provoziert” habe, was nicht heißt, dass diese Menschen sich mir gegenüber hätten so verhalten dürfen oder ich deren Verhalten gut heißen würde. Das ist aber völlig normal, wo unbewusste Menschen, mit ihren Rollen, ihren Masken, ihren unbewussten Schatten und Glaubenssätzen miteinander in Beziehung treten.

Schauen wir uns jetzt die drei genauer an. Keiner von ihnen würde mir glauben, dass sie destruktive Glaubenssätze haben.

Christian

Christian erlebt sich in diesem Projekt als den Leistungsträger. Er hat schon im Studium hohe Leistungen gebracht und ist stolz auf das, was er an Status und Erfolg vorweisen kann. Er versteht überhaupt nicht, dass andere dieses Denken nicht auch umsetzen und sich regelrecht aus seiner Sicht hängen lassen. Er sagt jedem, der es hören will: “Ich habe einfach kein Verständnis für Lowperformer” und ist sowohl verärgert als auch frustriert darüber, dass die anderen nicht richtig mitziehen.

Was ihm nicht bewusst ist. Er hat seit seiner Kindheit den Glaubenssatz verinnerlicht:

Mein Wert hängt aussschließlich von meiner Leistung ab.

Sein Vater hat ihn nur dann wahrgenommen, wenn er Leistung gebracht hat. Dieser war selbst sehr erfolgreich und hatte keinerlei Verständnis dafür, wenn Christian lieber seiner musischen Begabung nachgehen wollte. Er machte sich darüber lustig und sprach verachtend darüber. Christian lernte schnell, dass er nur für sehr gute Noten, die einen hohen Lerneinsatz für ihn bedeuteten, geliebt wurde.

Dieser Glaubenssatz treibt Christian bis heute an. Seine musische Begabung hat er völlig vergessen. Er hält seine Leistungsgetriebenheit für völlig normal, auch wenn er dafür mehr tun muss als andere, weil es ihm einfach nicht zufliegt.

Jetzt könntest du auf die Idee kommen und sagen, dass ist doch toll. Solche Menschen sind wichtig, sonst würde sich niemand mehr richtig reinhängen und die High Performer sind doch die Stützen unserer Gesellschaft. Es gibt ganz viele Menschen, die diesen Glaubenssatz unbewusst jeden Tag ausleben und stolz darauf sind, Leistungsträger zu sein.

Folgen, die Christian nicht bewusst wahrhaben möchte und aufgrund seines Glaubenssatz ignorieren muss:

Überlastung & chronische Erschöpfung

  • Er übernimmt immer mehr Verantwortung, weil er glaubt: „Wenn ich es nicht mache, tut es niemand.“

  • Pausen, Regeneration oder Delegieren werden als Schwäche wahrgenommen.

  • Er muss mehr Zeit aufwenden, um das gleiche Ergebnis zu erzielen wie andere, weil es im einfach nicht liegt (das ignoriert er völlig).

  • Ergebnis: Dauerstress, Schlafprobleme, Gereiztheit, Bluthochdruck, chronische (mentale) Erschöpfung

Verschlechterung der Zusammenarbeit

  • Seine Frustration über andere, die „nicht richtig mitziehen“, wächst.

  • Kollegen fühlen sich kontrolliert oder bevormundet.

  • Teamdynamik leidet, Motivation der anderen sinkt – paradoxerweise verstärkt er so den Druck auf sich selbst.

Verlust von Selbstwert außerhalb der Leistung

  • Christian misst sich (und auch andere) ausschließlich an Ergebnissen, Projekterfolgen und Umsatzzahlen. Fällt sein Job weg, fällt er in eine tiefe Existenzkrise.

  • Emotionale und soziale Aspekte seines Lebens geraten ins Hintertreffen: Freundschaften, Partnerschaft, Selbstfürsorge.

  • Sein Nervensystem hat gelernt: „Ich bin nur wertvoll, wenn ich leiste.“ Die Angst zu versagen, die Leistung nicht halten zu können, als langsamer Performer entlarvt zu werden, schwingt die ganze Zeit mit. Er wird unruhig, wenn er nicht leistet (oder wegen Krankheit nicht leisten kann).

Verdrängte Ängste und innere Unruhe

  • Jeder kleine Fehler wird zum inneren Alarmsignal.

  • Permanente Anspannung, Schuldgefühle, Selbstkritik.

  • Die Freude am Erfolg wird sofort von der Sorge über das nächste Ziel oder die nächste Aufgabe überlagert.

Langfristige gesundheitliche Folgen

  • Herz-Kreislauf, Immunsystem, Hormonhaushalt – alles leidet unter dauerhaftem Stress.

  • Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen werden wahrscheinlicher. Ein Burnout (auch wenn es nicht als Krankheit diagnostiziert wird) ist wahrscheinlich. Ein Burnon der Dauerbrenner.

Anna

Anna ist die gute Seele des Projektes. Sie ist der festen Überzeugung, dass es ohne sie nicht geht. Sie ist unersetzbar. Ohne sie, läuft es einfach nicht.

Anna hat schon früh lernen müssen, Verantwortung in ihrer Familie zu übernehmen. Wenn sie diese Verantwortung nicht übernahm, bekam sie Vorwürfe zu hören und wurde mit Missachtung bestraft. Ihre Eltern waren nicht in der Lage, einen geregelten Haushalt aufrecht zu halten und sie musste sich schon früh um ihre Geschwister kümmern. Sie hat seitdem verinnerlicht:

Ohne mich läuft es nicht. Ich muss mich als unersetzbar beweisen, sonst verliere ich meine Daseinsberechtigung.

Im Team übernimmt Anna alle Aufgaben, die kein anderer machen will. Da die anderen das prima finden, überlassen sie Anna immer mehr. Anna fühlt sich bestätigt. Sie macht Überstunden, damit am nächsten Tag alles fertig ist und direkt weitergemacht werden kann. Sie nimmt sich keinen Urlaub und fehlt nie, da es ihr zuwider ist, wenn andere ihre Aufgaben übernehmen müssten.

Folgen, die Anna nicht bewusst sind:

Überlastung & chronische Erschöpfung

  • Anna übernimmt permanent Aufgaben, die niemand sonst machen will.

  • Sie fühlt sich verpflichtet, immer verfügbar zu sein und alles perfekt zu erledigen.

  • Ergebnis: Dauerstress, Schlafmangel, ständiges Grübeln, was sie übersehen habe könnte, Missachtung von Krankheitssymptomen, körperliche und mentale Erschöpfung

Verschlechterung der Zusammenarbeit

  • Kollegen gewöhnen sich daran, dass Anna alles übernimmt.

  • Eigeninitiative der anderen sinkt, Verantwortlichkeiten verschwimmen.

  • Anna erlebt gleichzeitig Frustration, weil sie „die Einzige ist, die es richtig macht“, und fühlt sich innerlich ausgenutzt.

Verlust von Selbstwert außerhalb der Übernahme von Verantwortung

  • Anna definiert ihren Wert über ihre Unersetzbarkeit und ihren Einsatz.

  • Persönliche Interessen, Freizeit, eigene Projekte oder soziale Kontakte bleiben auf der Strecke, weil sie dafür auch keine Zeit mehr hat.

  • Ihr Nervensystem hat gelernt: „Ich bin nur wertvoll, wenn ich alles trage und niemand anderes einspringt.“

Verdrängte Ängste und innere Unruhe

  • Jede Abweichung oder kleine Unzulänglichkeit erzeugt Schuldgefühle und Angst.

  • Permanente Anspannung, innere Kritik und Selbstvorwürfe begleiten sie: “Ich habe nicht genug Verantwortung übernommen.”

  • Sie scannt ständig, wo sie noch einspringen muss, weil andere es einfach nicht tun und sie die Verantwortung dafür fühlt.

Langfristige gesundheitliche Folgen

  • Körperliche Symptome wie Rückenprobleme, Verspannungen, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden nehmen zu.

  • Psychische Belastungen wie Angst, depressive Stimmung oder chronische Erschöpfung sind wahrscheinlicher.

  • Das ständige Tragen von Verantwortung ohne Entlastung erhöht das Risiko für ernsthafte Erkrankungen.

Viele Menschen in Hilfeberufen haben diese äußerlichen sichtbaren Symptome. Es ist keine pure “Arbeitsüberlastung” oder die Bedingungen im Job, die krank machen, sondern die Glaubenssätze, die dahinter ihr Werk verrichten.

Petra

Kategorie Burnout & Gesundheit

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