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Das große Verbogen sein im Job

Bist du Verbogen im Job? Nein? Gut, dann wäre das Gegenteil “authentisch.” Was wäre deine Antwort, wenn ich dich fragen würde, ob du “authentisch” bist? Wahrscheinlich würdest du mich irritiert ansehen und dich fragen, was ich von dir will. Dein zweiter Impuls wäre zu antworten: “Natürlich bin ich authentisch.”

Und ich würde mit dir jede Wette eingehen, dass du verbogen bist. Warum? Lass uns das einmal genauer ansehen:

Was bedeutet eigentlich “authentisch sein” bei Menschen?

Wikipedia definiert authentisch wie folgt (die Markierungen habe ich gesetzt, damit du diese bewusst wahrnimmst, da ich darauf zurückkommen werde):

“Authentizität bezeichnet eine Persönlichkeitseigenschaft und einen persönlichen (ethischen) Wert (Wertvorstellung). Angewendet auf Personen bedeutet Authentizität, sich gemäß seinem wahren Selbst, d. h. seinen Werten, Gedanken, Emotionen, Überzeugungen und Bedürfnissen auszudrücken und dementsprechend zu handeln, und sich nicht durch äußere Einflüsse bestimmen zu lassen (Harter, 2002). Gruppenzwang und Manipulation beispielsweise unterwandern persönliche Authentizität.

Die Sozialpsychologen Michael Kernis und Brian Goldman unterscheiden vier Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit man sich selbst als authentisch erlebt:

  • Bewusstsein – Ein authentischer Mensch kennt seine Stärken und Schwächen ebenso wie seine Gefühle und Motive für bestimmte Verhaltensweisen. Dies setzt Selbsterkenntnis durch Selbst- und Fremdwahrnehmung und Selbstreflexion voraus, um sich seiner selbst und seines Handelns bewusst zu werden.

  • Ehrlichkeit – Hierzu gehört, der ungeschminkten Realität, das eigene Selbst betreffend, ins Auge zu blicken und auch unangenehme Rückmeldungen zu akzeptieren.

  • Konsequenz – Ein authentischer Mensch handelt nach seinen Werten und Überzeugungen. Das gilt für die gesetzten Prioritäten und auch für den Fall, dass er sich dadurch Nachteile einhandelt. Kaum etwas wirkt verlogener und unechter als ein Opportunist.

  • Aufrichtigkeit – Authentizität beinhaltet die Bereitschaft, sein wahres Selbst, mit seinen positiven wie negativen Seiten, in sozialen Beziehungen offen zu zeigen und nicht zu verleugnen.

Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders „echt“, strahlt aus, dass sie zu sich selbst mit ihren Stärken und Schwächen steht und im Einklang mit sich selbst handelt. Sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als ehrlich, stimmig, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrgenommen wird, anders als Personen mit einem falschen Selbst. Dabei muss es sich nicht um die realen Eigenschaften des Betrachteten handeln. Auch Zuschreibungen von Betrachtern können diese Eindrücke verursachen und als Teil einer gelungenen Inszenierung fungieren.”

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Das “wahre Selbst” vs. das “falsche Selbst”

Spiritueller Blödsinn? Nein, bei weitem nicht. Lass uns das etwas genauer ansehen.

Wir erinnern uns, ich habe weiter oben gewettet, dass auch du “verbogen im Job” bist (damit natürlich auch in anderen Lebensbereichen). Dieses “verbogen” ist das falsche Selbst. Aber was macht das falsche Selbst aus?

Das falsche Selbst

Das falsche Selbst begleitet uns seit wir auf die Welt gekommen sind. Es wurde uns nicht angeboren, sondern antrainiert. Jedes Kind wurde von seinen Eltern oder Erziehungsberechtigten und später in Schule und Ausbildung geprägt.

  • Wir haben schon sehr früh erfahren, was wir tunlichst unterlassen sollten, damit es keinen Ärger gibt.

  • Wir haben gelernt, was von uns erwünscht wird, damit wir Anerkennung, Zuwendung und Liebe bekommen.

  • Wir haben schnell verstanden, welche unserer Verhaltensweisen als lästig, anstrengend, ärgerniserregend und unerwünscht mit Abwendung, Ignoranz, Strafe unterdrückt werden sollten.

  • Wir haben gelernt, uns an das Erwünschte anzupassen.

  • Wir durften lernen, was unser Widerstand für Folgen hat.

Mit jeder Zurückweisung, jedem Tadel, jeder Strafe, jeder Misshandlung (ob psychisch oder physisch), jedem Liebesentzug, jeder emotionalen Kälte oder Nichtanwesenheit haben wir unsere damit einhergehenden Gefühle ganz tief in uns vergraben. Die Anteile, die nicht erwünscht waren, haben wir weggeschlossen, damit sie nie zu einer Gefahr des Ausschlussen werden würden.

Damit auch ja keiner - auch wir selbst nicht mehr - darankommt, haben wir Wächter davorgestellt. Außerdem haben wir durch diese Erfahrungen limitierende, blockierende und lebensbedrohliche Glaubenssätze und notwendige Überlebensstrategien entwickelt.

Wir haben ein “falsches Selbst” nach den Vorlieben, Wünschen, Erwartungen unseres Umfeldes aufgebaut, was wir irgendwann mit dem älter werden als unser “authentisches Sein” beschreiben werden. Unser Ego hilft uns tagtäglich dabei, alles zu vermeiden, damit wir die Gefühle von früher, nie wieder erleben müssen. Unsere wahren Anteile, die wir damals nicht ausleben mussten, haben wir vergessen.

Kategorie Innere Muster & Selbst

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