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LöwenPost 47: Die Sino Kolumne

Pinduoduo ~ Marktwirtschaft ~ Autoproduktion
KI-Bild erstellt mit Grok

In China kam es bei einer der größten E-Commerce-Plattform Pinduoduo zu absurden Szenen, als Aufsichtsbehörden zur Lebensmittelsicherheit Kontrollen durchführen wollten. Der Sicherheitsdienst drängte die Kontrolleure weg und eine Führungskraft täuschte einen Ohnmachtsanfall vor. Interviewte Mitarbeiter wurde mit einem Zettelhinweis zum Schweigen aufgefordert und nach Entdeckung des Zettels, knüllte die hinweisgebende Person den Zettel zusammen und aß das Beweisstück auf. Dazu kommen Täuschungen bei Unternehmensdokumenten. Die Vorgänge können zwar Verwunderung auslösen, beweisen aber eines sehr deutlich. Während früher ein Chef einer so bedeutenden Firma mit allerlei Einladungen und Geschenken an die Mitarbeiter der Aufsichtsbehörden solchen Kontrollen entgehen konnten, nehmen heute die Behörden ihre Aufgabe zum Schutz des Verbrauchers viel ernster. Selbst milliardenschwere Unternehmen können sich nicht so leicht aus der Verantwortung kaufen. Bei Pinduoduo führte dieses Verhalten nun zu einer Geldstrafe von circa 190 Millionen Euro. Außerdem wurde der Rechtsvertreter der Firma wegen seines Verhaltens mit einer persönlichen Geldstrafe von circa 860.000 Euro bestraft. Ich hoffe, dass dieses konsequente Vorgehen der Behörden andere Firmenchefs aufhorchen lassen.

In einem Substack-Beitrag von Kevin Walmsley (Öffnet in neuem Fenster) wird gezeigt, wie die kapitalistische Marktwirtschaft an ihre Grenzen geführt wird. In den USA und Kanada haben Private-Equity-Unternehmen systematisch Hersteller von Rettungswagen aufgekauft, diese fusioniert oder liquidiert, so dass der Markt für diese speziellen Fahrzeugtypen quasi monopolisiert wurde. Wenn jetzt Kommunen und Organisationen Rettungsfahrzeuge, wie Krankenwagen und Feuerwehrautos, bestellen, so gibt es nicht nur mehrjährige Lieferzeiten, sondern auch die Preise haben sich verfünffacht. Die Gewinne der Firmen sind explodiert und die Aktienkurse nach oben geschnellt. Alles im Sinne der Private-Equity-Unternehmen, die damit ihren Kunden einen hübschen Gewinn verschaffen. Das wird letztendlich vom Steuerzahler bezahlt, weil Kommunen die Fahrzeuge überteuert kaufen müssen. In China dagegen, welches gerade von den Nordamerikanern wegen des dortigen Sozialismus und der Macht der Kommunistischen Partei abschätzig betrachtet wird, herrscht munterer Wettbewerb in der Branche der Rettungswagenhersteller. Chinesische Firmen können sich nicht jahrelange Lieferzeiten erlauben und liefern das Fahrzeug in durchschnittlich 90 Tagen aus. Eine Überteuerung würde zur Abwanderung des Kunden zu einer Konkurrenzfirma führen. Es ist schon kurios, dass im freiheitlichen kapitalistischen Nordamerika in dieser Branche die Marktwirtschaft nicht funktioniert, während im sozialistischen Einparteienstaat China marktwirtschaftliche Instrumente funktionieren. Es ist ein Lehrbeispiel dafür, dass man genau hinschauen sollte, wenn es um die Beurteilung gesellschaftlicher Verhältnisse geht. Sicherlich findet man andere Beispiele, wo China monopolistisch agiert und Nordamerika eine Vielfalt an Angeboten nachweist. Aber mit einem einfachen Schubladendenken nach liebgewonnenen Etiketten kann man sich gewaltig getäuscht sehen.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, will prüfen lassen, ob in deutschen VW-Werken künftig chinesische Autos montiert werden können. Damit möchte der SPD-Politiker Arbeitsplätze in der Automobilindustrie in Deutschland erhalten, da einheimische Konzerne immer mehr an weltweiter Bedeutung verlieren und bei vielen automobilen Technologien hinter China zurückgefallen sind. Zeitgleich wird von "vertrauten Quellen" berichtet, dass BYD mit VW über eine Teilübernahme der Gläsernen Fabrik in Dresden verhandelt. Allerdings wies Volkswagen diesen Bericht als falsch zurück, weshalb man um den Wahrheitsgehalt dieser Meldung nur spekulieren kann. Oliver Blume, der VW-Chef, hat allerdings vor ein paar Tagen gegenüber Analysen verlauten lassen, dass die gemeinsame Nutzung ungenutzter europäischer Produktionskapazitäten mit chinesischen Partnern eine „clevere Lösung" sein könnte, um Kapazitäten besser zu nutzen und Kosten zu senken. Ich bin wesentlich skeptischer, ob eine Strategie hin zu deutschen Werken für chinesische Autohersteller wirklich lohnend ist, denn Deutsche werden wohl weiterhin VW, Mercedes, BMW, Audi und Skoda kaufen, auch wenn diese technologisch veraltet sind. Händler- und Servicenetze sind immer noch die wichtigste Verkaufsstrategie und davon hat ein chinesischer Hersteller keine traditionellen Strukturen in Deutschland. Allerdings können die chinesischen Hersteller bei Elektroautos ihre technologische Stärke in Gewissen Absatzzahlen verwandeln, die aber über ein Nischendasein nicht hinauskommen wird. Dazu reichen allerdings Werke in Ungarn und der Türkei (BYD) oder in Spanien (Leapmotor) aus, die kostengünstiger produzieren können und von den EU-China-Zöllen nicht betroffen sind. Für deutsche Werke der chinesischen Autoproduzenten sehe ich persönlich kein langfristiges Potential, allenfalls einen Marketing-Kurz-Auftritt.

Kategorie LöwenPost