Mit diesem Zitat von Gisèle Pelicot fange ich den März-Newslätter an. Mit dem selben Zitat wurde am 26. März eine Demo auf dem Rathausplatz in Hamburg veranstaltet. Der Anlass: sexualisierte, digitale Gewalt an Collien Fernandes, die sie öffentlich gemacht hat.
Collien Fernandes selbst ist – trotz Morddrohungen – für ein Paar Worte auf der Demo erschienen. Sie sprach von Sprachlosigkeit und wie wichtig es ist, laut und sichtbar zu werden. Sie bezahlt das mit der Angst um ihr Leben, mit Hass und Verleumdung. Viel zu vielen Frauen ist dieser Zustand nur zu sehr bekannt …
Mich bedrückt, dass die Gewalt an diesen beiden mutigen Frauen von ihren Ehemännern ausging. Menschen, denen sie vertraut haben. Und ich weiss, das sind keine Einzelfälle. Ich persönlich habe diese Art von Gewalt erlebt und jede einzelne Frau, die ich kenne, ist von irgendeiner Form von geschlechterspezifischen Gewalt betroffen – sexualisierte, psychische, physische oder finanzielle …
Wenn ich darüber erzähle, was mir widerfahren ist, gibt es Beileid und Ungläubigkeit als Reaktion. Wenn die Personen aus meiner Umgebung aber vor die Täter treten, oder es um die Konsequenzen geht, passiert gar nichts. Das schmerzt. Das lässt mich sehr einsam zurück.
Das alles hat einen gewaltigen Einfluss auf mein Leben, mein Sicherheitsgefühl, meine Zukunft, meine Kunst … auch auf mein Kind. Und ich wünsche mir, dass die kollektive Verantwortung endlich stärker und sichtbarer wird. Dass meine Umgebung – Freund:innen, Berater:innen, Anwält:innen, Richter:innen – endlich versteht, dass das nicht nur mein Problem ist, nicht nur das von Gisèle Pelicot oder Collien Fernandes. Unser Familiensysthem scheint auf einem Auge blind zu sein. Auf dem Auge, wo es um Machtverhältnisse und Gewalt geht.
Garteninsel im ewigen Frühling
Zu meinem Geburtstag Anfang März habe ich einen Urlaub geschenkt bekommen. Das war ein großes und großartiges Geschenk. Es ging nach Madeira – eine Garteninsel, ein Paradies für Zeichner:innen, Wanderbegeisterte und Botaniker:innen.
Die Insel selbst ist eine vor Jahrmillionen erloschene Wulkanspitze, nicht größer als Berlin. Der Rest des Wulkans liegt noch Tausende Meter tief unter Wasser. Für die relativ kleine Fläche ist die Insel aber ziemlich hoch: fast 2.000 Meter. Deswegen war das ein recht sportlicher Urlaub.
Da wir sehr viel auf der Insel unternommen haben, hatte ich wenig Zeit zum Zeichnen. Aber ich habe massenweise Fotos und einige Vorskizzen gemacht, die mir für meine Kunstwerke als Vorlage dienen werden.
Als Erinnerung habe ich ein kleines, selbstgebautes Leporello mitgenommen. Die Bilder oben sind aus diesem Erinnerungsbüchlein, das wir alle zusammen mit Fundstücken und Zeichnungen gestaltet haben.
Wenn die Vergangenheit schmerzt und die Zukunft Angst macht …

Das Buch wurde im Dumont Verlag herausgegeben. Buchcover kommt von der Agentur Lübbeke Naumann Thoben aus Köln (hoffentlich nicht KI-generiert, das hätte mich sehr enttäuscht).
Passend zur Insel habe ich ein Buch in den Urlaub mitgenommen und es in zwei Tagen verschlungen. Zuerst hat mich die Coverillustration neugierig gemacht. Der Name hat mich an meine Motive erinnert, in denen auch immer ein Bisschen Chaos und Wahnsinn drin stecken.
Dieses Bild habe ich im Februar beendet, ungefähr zur gleichen Zeit, als ich das Buch entdeckt habe. Das Bild hat mich praktisch zu dem Buch geführt. Titel: “Der geheime Garten”, 40×50 cm, Kohle und schwarzer Buntstift.
In dem Roman von Leon Engler geht es um eine Familiengeschichte, die aus der Perspektive eines Sohnes, Enkels, Urenkels usw. erzählt wird. Die Geschichte seiner Vorfahren wird eher von ihm untersucht als einfach nur geschildert. Er versucht, anhand von Botanik, die psychischen Krankheiten seiner Familie einzuordnen, um damit sich selbst besser zu verstehen. Eine Identitätssuche und eine Familiengeschichte, die mit Sicherheit vielen von uns sehr bekannt vorkommen würde.
Workshops auf St.Pauli
Schon letztes Jahr habe ich Interessierte in mein gemütliches Atelier auf St.Pauli eingeladen, ein Paar Stunden Auszeit zu nehmen und ein Kunst-Leporello selbst zu bauen und zu gestalten.
Ein Leporello ist ein Buch, das aus einer im Zick-Zack gefalteten, langen Seite besteht. Man kann es in Einem oder seitenweise betrachten.
Die freien Termine für April findest Du HIER (Öffnet in neuem Fenster). Wenn Du andere Terminvorschläge hast, melde Dich gern!
Tschüss
Julia Zeichenkind