Das große Verschwinden der kleinen Aufgaben

Liebe Leserin, lieber Leser,
als Beratungsagenturen in der Erwachsenenbildung begleiten wir Unternehmen, die spüren, dass Grundsätzliches in Bewegung geraten ist. Viele fragen sich, welchen Platz ihre Angebote in diesen Umbruchszeiten noch haben. Aus unserer Persepktive eine unnötige Sorge, denn für Expertinnen und Experten des Lernens gibt es mehr denn je zu tun.
In der gesellschaftlichen Debatte über KI richten wir den Blick meist auf das, was hinzukommt. Lassen Sie uns auf das blicken, was gerade verschwindet.
In vielen Betrieben hat dieses Verschwinden längst begonnen. Eine erfahrene Fachkraft braucht eine Vorlage, eine Auswertung, eine erste Recherche. Vor wenigen Jahren wäre eine solche Aufgabe an die Assistenz übergeben worden, an die Berufseinsteigerin im zweiten Jahr, an jemanden, der noch lernt. Heute öffnet die Fachkraft selbst ein KI-Tool und erledigt es im Vorbeigehen. Warum auch nicht?
Der Haken liegt darin, dass in diesen unscheinbaren Aufgaben mehr steckt, als man ihnen ansieht. Wer Vorlagen baut, lernt, worauf es ankommt. Wer erste Entwürfe schreibt, beginnt Muster zu erkennen. Wer sich durch einfache Fälle arbeitet, entwickelt ein Gespür für Sprache, für Kunden, für die feinen entscheidenden Warnhinweise, dass Dinge beginnen, aus dem Ruder zu laufen.
Dies ist der Rohstoff, aus dem berufliches Urteilsvermögen entsteht.
Ein Handwerk lernt man nicht, indem man darüber spricht, sondern indem man mitläuft, danebenliegt, korrigiert wird und es beim nächsten Mal besser macht. Vieles davon geschieht erst im Anschluss an die Ausbildung oder an das Studium, nämlich im betrieblichen Alltag, zwischen Rückfrage, Entwurf und Kaffeetasse. Genau dort, im scheinbar Nebensächlichen, wächst berufliche Souveränität.
Übernimmt die KI diese kleinen Schritte oder wandern diese zur ohnehin erfahrenen Fachkraft zurück, dann fällt nicht nur eine ganze Lernstrecke weg, sondern auch die dazugehörige Kommunikation.
Nicht schlagartig, noch nicht überall, und leise genug, dass kaum jemand den Verlust bemerkt. Aber das große Verschwinden hat begonnen.
Wenn Erfahrungsräume, in denen Menschen Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und deren Folgen erleben, nicht mehr selbstverständlich entstehen, müssen wir genauer hinsehen, wo sie fehlen und wo sie neu geschaffen werden können.
Das betrifft nicht nur Schule, Ausbildung oder Beruf, sondern auch Erwachsenenbildung, Vereine, Ehrenamt und andere zivilgesellschaftliche Räume.
Lernen in einer KI-geprägten Zeit endet nicht dort, wo jemand einen Prompt schreibt oder ein Tool bedient. KI öffnet größere Veränderungsräume. Sie verschiebt Aufgaben, Rollen, Abläufe und Erwartungen weit über das Digitale hinaus.
Erwachsenenbildung wird daher mehr denn je gebraucht. Nicht weil sie nun auch KI erklären muss, sondern weil sie darüberhinaus weiterhin Expertin für das bleibt, was durch KI nicht weniger wird: das Lernen, der Aufbau von Erfahrung und Handlungssicherheit.
Erwachsenenbildung muss nicht um ihren Platz bangen.
Sie muss ihn nur klar benennen.
Sprechen Sie uns an. Wir begleiten Sie mit Workshops, Keynotes, Moderation und Beratung.
Christiane Carstensen, David Röthler und Sonya Dase
von Milenu (Opens in a new window)und Dase & Carstensen (Opens in a new window)
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Außerdem im Infobrief:
Leistungsstarkes Tool für Echtzeit-Übersetzungen
Blicken wir auf das Werkzeug oder das Ergebnis?
20 Minuten bis zur Website
Kennen Sie Elias Thorne?
Deutschland: Fördermöglichkeiten für Unternehmen in der Transformation
Termine rund um KI und Erwachsenenbildung im DACH-Raum
Leistungsstarkes Tool für Echtzeit-Übersetzungen
Google hat mit Gemini 3.5 Live Translate (Opens in a new window) ein neues Audio-Modell für nahezu Echtzeit-Übersetzungen vorgestellt. Es übersetzt gesprochene Sprache direkt in gesprochene Sprache und unterstützt laut Google mehr als 70 Sprachen. Das Modell erkennt die Ausgangssprache automatisch und soll die Übersetzung so ausgeben, dass Intonation, Sprechtempo und Tonhöhe der ursprünglichen Stimme erhalten bleiben. Anders als klassische Systeme wartet Gemini 3.5 Live Translate nicht auf das Ende eines Satzes, sondern verarbeitet Sprache fortlaufend und bleibt dabei nur wenige Sekunden hinter dem Sprecher zurück.
Natürlich haben wir das für Sie auch schon konkret ausprobiert. Einen Erfahrungsbericht, wie Live-Verdolmetschung in der Erwachsenenbildung funktioniert, finden Sie hier (Opens in a new window).

Die neue Aushandlung von Kompetenz
Gerade lässt sich an mehreren Stellen beobachten, wie unsere Gesellschaft neu aushandelt, was „selbst geschrieben“, „richtig geschrieben“ oder „echt“ eigentlich bedeutet. So geriet der deutsche Bundesdigitalminister Karsten Wildberger in den Fokus, nachdem Medien berichteten (Opens in a new window), mehrere seiner Reden und Gastbeiträge seien mithilfe von KI entstanden. Sein Ministerium beschreibt KI dagegen als Arbeitsmittel, vergleichbar mit Recherche-Tools oder redaktioneller Unterstützung.
Gerade an der (Recht)schreibfrage kann man gut beobachten, wie sich gesellschaftliche Maßstäbe verschieben. Was früher als klare Bildungsnorm galt, wird unter den Bedingungen von KI neu verhandelt. Dass diese Sortierung nicht am Rand, sondern als Irritation in einem Leitmedium wie der ZEIT (Opens in a new window) stattfindet, ist selbst ein Hinweis darauf, wie grundlegend die Aushandlung geworden ist.
Ein Monet-Experiment (Opens in a new window) auf X zeigte, wie stark Erwartungen unsere Urteile prägen. Ein echtes Monet-Gemälde wurde als angeblich KI-generiert ausgegeben, woraufhin viele Nutzerinnen und Nutzer darin typische KI-Schwächen zu erkennen glaubten.
Diese Beispiele sind mehr als einzelne Aufreger. Sie sind Marker für eine Verschiebung.
Wir verhandeln als Gesellschaft neu, woran wir Kompetenz, Authentizität, Bildung und Verantwortung festmachen. Für Bildungsinstitutionen sind solche Aushandlungen wichtig, weil Bildung nicht außerhalb gesellschaftlicher Entwicklungen steht. Gerade Erwachsenenbildung arbeitet im Dialog mit der Gegenwart. Sie beobachtet Veränderungen, ordnet sie ein und eröffnet Räume, in denen Menschen eine begründete Haltung zu neuen technischen, kulturellen und sozialen Entwicklungen entwickeln können.

20 Minuten bis zur Website
David Röthler hat bei Milenu (Opens in a new window) ausprobiert, was mit einem KI-Agenten beim Bau einer Website inzwischen möglich ist. Eine bestehende Seite wurde vorgegeben, dazu ein kurzer Hinweis, wie das Ergebnis wirken soll: modern, ruhig, vertrauenswürdig. Nach weniger als 20 Minuten lag eine neue responsive Website vor. Inhalte, Kurzbiografien, Kontaktdaten und Projekte waren übernommen, die Seite lag als fertiger Ordner auf dem Rechner und konnte per FTP online gestellt werden. Hier geht es zum Blogbeitrag. (Opens in a new window)
Originalseite: https://www.milenu.at (Opens in a new window)
Claude Cowork: https://milenu.at/ai_learn/ (Opens in a new window)
ChatGPT Codex (Opens in a new window): https://milenu.at/codex (Opens in a new window) (nicht so gut)
Hermes (Opens in a new window) https://milenu.at/hermes/ (Opens in a new window) (nicht so gut, dafür komplett lokal erstellt mit Qwen 3.6 im Hintergrund)

Auch Dase & Carstensen haben gespielt. Nur ein kurzer Prompt und das Ergebnis lag vor. Einiges war brauchbar. Einiges war überraschend gut. Und manches hätten uns unsere bisherigen Website-Editoren so gar nicht angeboten.
Originalseite: https://www.bildungs.consulting (Opens in a new window)
Generiert mit Claude Cowork, veröffentlicht über Manus: https://www.experiment.manus.space (Opens in a new window)
Manus: https://www.experiment2.manus.space (Opens in a new window)
Bei einigen Texten sind wir aber auch zusammengezuckt. Dann kann man nacharbeiten.
Schwieriger wird es bei allem, von dem man wenig versteht. Ist die Seite technisch sauber? Ist sie sicher? Ist sie für Suchmaschinen sinnvoll gebaut? Fehlt etwas Rechtliches?
Wir sehen vielleicht gar nicht, was wir nicht sehen.
Kommt Ihnen das aus der Erwachsenenbildung bekannt vor?
Mit KI können Menschen plötzlich Dinge anstoßen, für die sie früher eine ganz bestimmte Expertise gebraucht hätten. Das eröffnet Möglichkeiten. Es erzeugt aber auch eine neue Form von Blindflug.
Deshalb lohnt es sich, solche Experimente selbst auszuprobieren. Um zu spüren, was sich verändert.
Kennen Sie Elias Thorne?
Chatbots erzählen offenbar lieber vom Leuchtturm als vom echten Leben. Ein gewisser Leuchtturmwärter Elias Thorne taucht modellübergreifend erstaunlich oft auf. Der Grund liegt wohl in wiederverwendeten Trainingsdaten und einem besonders risikoarmen Erzählmuster, wie Sil Hamilton and David Mimno in ihrer Studie Elias in the Lighthouse, Again? Diagnosing Low Diversity in LLM Stories (Opens in a new window) berichten.
Ein schönes Beispiel dafür, wie KI nicht nur halluziniert, sondern manchmal auch ihre eigenen Lagerfeuer-Geschichten weitervererbt. t3n digital pioneers (Opens in a new window)
PS: Wir hätten die Geschichte gerne verifiziert, aber bei uns wurde aus Elias Thorne ein Privatdetektiv. ;-)

Deutschland: Fördermöglichkeiten für Unternehmen in der Transformation
Veränderungsprozesse stellen Unternehmen vor große Herausforderungen, gleichzeitig gibt es in Deutschland verschiedene Förderprogramme, die Sie dabei unterstützen können. Programme wie BAFA (Opens in a new window) oder INQA-Coaching (Opens in a new window) bieten Möglichkeiten, Beratungs- und Transformationsprozesse finanziell fördern zu lassen.
Informieren Sie sich direkt auf den Seiten der jeweiligen Beratungsprogramme oder wenden Sie sich für eine erste Orientierung gerne an Dase & Carstensen (Opens in a new window). Wir freuen uns darauf, Sie auf Ihrem Weg zu begleiten!
Terminübersicht KI und Erwachsenenbildung im DACH-Raum
Eine Terminübersicht zu Fortbildungen, Events und Tagungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund um KI, Erwachsenenbildung und Bildungsmanagement finden Sie hier (Opens in a new window).
Neue eingetragene Termine:
22.06.26
Neues aus der Welt der KI (Opens in a new window)
16.00-17.30 Uhr, online
Tobias Albers-Heinemann und David Röthler
Zentrum Bildung und Gesellschaft der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau
25.06.26
Atelier participatif : L’IA pour réinventer vos formations lives (Opens in a new window)
Demonstration von KI-Werkzeugen, die in einem virtuellen Klassenzimmer verwendet werden können
10.00-12.00 Uhr, online
Untertitel in der Sprache Ihrer Wahl verfügbar.
26.06.26
Fachtagung "Chancen nutzen: KI als Treiber für die Arbeitswelt" (Opens in a new window)
10-16 Uhr
Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW
Messe Essen
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