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ADHS und Kopfschmerzen

Sensorischer Weltuntergang: Wenn ADHS, Orientierungserschütterungen und Kopfschmerzen zusammenkommen

Willkommen im Spektrum.

Manche nennen es „Stress“.
Mein Gehirn nennt es: sensorischer Weltuntergang.

Damit meine ich diesen Zustand, in dem nicht nur ein bisschen zu viel los ist, sondern das gesamte innere Lagezentrum Alarm schlägt: zu viele Reize, zu viele offene Schleifen, zu wenig Schlaf, zu wenig Regeneration, zu viele Erwartungen, zu viele Entscheidungen, zu wenig Orientierung.

Und dann passiert etwas, das viele Betroffene kennen: Der Kopf macht nicht mit.

Oder er versucht gegen die Vernunft im Funktionsmodus mitzumachen, bis es zum Overload von unvereinbaren Alarmen zwischen “Weiter so” und “So auf keinen Fall” kommt. Gleichzeitig und auf mehreren Ebenen.

Nicht selten entsteht eine Mischung aus Migräne-Anteil, Spannungskopfschmerz, Nacken- und Kieferanspannung, Übelkeit, Kreislaufreaktionen, innerer Unruhe, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Und ein Zustand, wo der Körper gleichzeitig zu schwach und zu angespannt ist. Manchmal beginnt es nachts. Am Morgen ist dann klar: Heute zieht mich mein Nervensystem aus dem Verkehr. Geht aber ja nicht, weil ich muss ja “Funktionieren”.

Dann ist der Kopfschmerz der Versuch eine Art “Reset” im zentralen Orientierungs-Lagezentrum im Gehirn zu erzwingen.

Dieser Beitrag ist ein Versuch, das neurobiologisch einzuordnen. Nicht als fertige Diagnose. Sondern als Modell: Orientierungserschütterungen als Trigger für ein überlastetes, neurodivergentes Nervensystem.

Erstmal wichtig: Kopfschmerzen sind nicht „nur Stress“

Migräne ist eine neurologische Erkrankung. Nach der International Classification of Headache Disorders dauern Migräneattacken typischerweise 4 bis 72 Stunden, sind häufig pulsierend, mittel bis stark, oft einseitig und gehen mit Übelkeit und/oder Licht- und Geräuschempfindlichkeit einher.

Spannungskopfschmerz fühlt sich eher drückend, ziehend, beidseitig oder wie ein enger Ring um den Kopf an. Chronischer Spannungskopfschmerz kann mit milder Übelkeit, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit einhergehen, bleibt aber typischerweise weniger migränetypisch als eine volle Migräneattacke.

In der Praxis ist es aber häufig nicht sauber getrennt. NICE weist ausdrücklich darauf hin, dass chronische Migräne und chronischer Spannungskopfschmerz überlappen können; wenn Migränemerkmale dabei sind, soll chronische Migräne diagnostisch mitgedacht werden.

Genau hier wird der Begriff „sensorischer Weltuntergang“ hilfreich: Er beschreibt nicht nur die Schmerzqualität, sondern den gesamten Zustand des Systems.

ADHS und Kopfschmerzen: Zufall? Eher nicht.

Die Verbindung zwischen ADHS und Migräne ist inzwischen wiederholt beschrieben worden. Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse fand eine positive Assoziation zwischen ADHS und Migräne, allerdings nicht in gleicher Weise mit Spannungskopfschmerz.

Bei Kindern mit ADHS zeigte eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse sogar ein etwa verdoppeltes Risiko für Kopfschmerzen im Vergleich zu Kindern ohne ADHS; die gepoolte Kopfschmerzprävalenz lag bei 26,6 %.

Eine andere Studie bei Erwachsenen fand ebenfalls eine Komorbidität von Migräne und ADHS, besonders ausgeprägt bei Migräne mit visuellen Störungen.

Das bedeutet nicht: ADHS verursacht automatisch Migräne. Aber es spricht dafür, dass bestimmte neurobiologische Muster überlappen können: Reizverarbeitung, Schlaf-Wach-Rhythmus, Dopamin/Noradrenalin-Systeme, autonome Regulation, emotionale Dysregulation und Schmerzverarbeitung.

Was ich mit „Orientierungserschütterung“ meine

Orientierungserschütterung ist kein offizieller diagnostischer Begriff. Es ist ein Modellbegriff.

Gemeint ist der Moment, in dem das Gehirn seine innere Vorhersagbarkeit verliert.

Was passiert neurobiologisch bei den Orientierungserschütterungenim ADHS-Gehirn?
Was passiert neurobiologisch bei den Orientierungserschütterungenim ADHS-Gehirn?

Der Plan kippt.
Eine Erwartung zerbricht.
Eine Nachricht kommt unerwartet.
Ein Termin verschiebt sich.
Ein Konflikt bleibt offen.
Eine Entscheidung ist zu viel.
Der Tag hat keine klare Form mehr.
Das Gehirn weiß nicht mehr: Was ist jetzt wichtig? Was kommt als Nächstes? Wo ist Sicherheit? Wo ist Pause?

Bei ADHS ist diese Orientierungsarbeit oft ohnehin anstrengender. Nicht, weil Betroffene „unorganisiert sein wollen“, sondern weil Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Impulssteuerung, Emotionsregulation und Reizfilterung neurobiologisch anders geregelt sind.

Das National Institute of Mental Health beschreibt ADHS als Entwicklungsstörung mit Mustern von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, die Organisation, Aufgabenumsetzung und Handlungssteuerung betreffen können.

In meinem Modell ist die Orientierungserschütterung der Moment, in dem das ADHS-Gehirn nicht nur eine Aufgabe verliert, sondern seine innere Karte.

Das Gehirn als Vorhersagemaschine

Eine hilfreiche Brücke ist das Modell des predictive coding: Das Gehirn verarbeitet die Welt nicht einfach passiv. Es sagt ständig voraus, was gleich passieren wird, und gleicht diese Vorhersagen mit den tatsächlichen Sinnesdaten ab.

Bei ADHS und Autismus wurden in Studien Auffälligkeiten in top-down-Erwartungsprozessen beschrieben. Eine ERP-Studie zu predictive coding fand bei Kindern mit ADHS und Autismus veränderte neuronale Marker für top-down-Erwartung und bottom-up-Salienz.

Übersetzt heißt das: Wenn die Welt nicht so läuft, wie das Gehirn sie vorhergesagt hat, entsteht ein Vorhersagefehler. Ein bisschen Vorhersagefehler ist normal. Daraus lernen wir. Aber zu viel Vorhersagefehler bedeutet: Alarm.

Bei neurodivergenten Menschen kann dieser Alarm schneller, intensiver oder länger anhaltend sein. Dann wird eine Planänderung nicht nur „ärgerlich“, sondern körperlich spürbar.

Nicht gelöschte lebenslange Erschreckungen summieren sich zu ganz vielen Daueralarmschleifen. Die kann man in Ruhe als “noise” = inneren Lärm in den Hintergrund drängen. Auch Stimulanzien helfen dabei (ob das gut oder schlecht ist, sei dahin gestellt). Aber irgendwann in das Maß voll, bzw. die Erschöpfung schlägt unerbittlich zu.

Salienznetzwerk: Was ist jetzt wichtig?

Das Salienznetzwerk, unter anderem mit anteriorer Insula und anteriorem cingulären Cortex, hilft dem Gehirn zu entscheiden: Was ist bedeutsam? Was braucht Aufmerksamkeit? Was ist Gefahr? Was ist innen? Was ist außen?

Bei ADHS gibt es Hinweise auf veränderte Interaktionen zwischen Default Mode Network und aufgabenpositiven Netzwerken. Eine große Untersuchung zur Default-Mode-Hypothese fand ADHS-bezogene Unterschiede in der Interaktion zwischen Default Mode Network und task-positive networks.

Das ist klinisch spannend: Wenn das Gehirn schlechter zwischen innerem Gedankenstrom, äußerer Aufgabe und akuter Relevanz umschalten kann, entsteht schneller Überforderung.

Dann wird aus:

„Ich muss noch eine Mail beantworten.“

innerlich:

„Alles ist offen. Alles ist wichtig. Alles ist zu spät. Alles ist Gefahr.“

Das ist der Beginn des inneren Lagezentrum-Alarms.

Emotionale Dysregulation: Der Verstärker

ADHS ist nicht nur Aufmerksamkeit. ADHS ist auch Emotionsregulation.

Eine vielzitierte Übersichtsarbeit zur emotionalen Dysregulation bei ADHS beschreibt Beteiligung von Amygdala, ventralem Striatum und orbitofrontalem Cortex, also von Netzwerken, die emotionale Reaktivität, Belohnung, Bewertung und Kontrolle verbinden.

Bei Erwachsenen wird emotionale Dysregulation zunehmend als klinisch relevanter Kernbereich von ADHS diskutiert. Eine systematische Review beschreibt emotionale Dysregulation bei Erwachsenen mit ADHS und die damit verbundene Hirnaktivität.

Das erklärt, warum eine Orientierungserschütterung nicht neutral bleibt.

Sie wird emotional aufgeladen:

„Ich schaffe das nicht.“
„Ich habe wieder versagt.“
„Ich komme nie hinterher.“
„Ich müsste längst funktionieren.“
„Gleich fliegt alles auf.“

Diese emotionale Ladung erhöht die autonome Aktivierung. Und damit kommen wir zum vegetativen Nervensystem.

Vegetativer Alarm: Wenn der Körper mitreguliert

Viele Betroffene beschreiben bei Kopfschmerz-Mischzuständen nicht nur Schmerz, sondern vegetative Symptome: Übelkeit, Frieren, Schwitzen, Schwindel, Kreislaufgefühl, Magen-Darm-Reaktion, innere Unruhe, Herzklopfen, bleierne Erschöpfung.

Das passt dazu, dass Migräne nicht nur ein Kopfschmerzproblem ist. Migräne betrifft Netzwerke, die Schmerz, Sensorik, autonome Funktionen, Hypothalamus, Hirnstamm und trigeminovaskuläre Systeme verbinden. Reviews zur Migränepathophysiologie beschreiben die Rolle des trigeminovaskulären Systems, der Hirnstamm- und Hypothalamusmodulation sowie kortikaler Prozesse.

Der Hypothalamus ist dabei besonders spannend, weil er Schlaf, Hunger, Durst, Hormonrhythmen, autonome Regulation und innere Körperzustände koordiniert. Migräne-Vorphasen können Müdigkeit, Nackensteifigkeit, Stimmungsveränderungen, Gähnen oder Heißhunger umfassen, und die hypothalamische Beteiligung in der prämonitorischen Phase wird in der Forschung diskutiert.

Das erklärt, warum manche Attacken nachts beginnen. Das System kippt nicht erst morgens. Es kippt möglicherweise schon in der Nacht: Schlafarchitektur, vegetative Regulation, Muskelspannung, hormonelle Rhythmen und offene emotionale Schleifen arbeiten weiter.

Am Morgen ist dann nicht „ein bisschen Kopfweh“. Am Morgen ist das Lagezentrum bereits im Ausnahmezustand.

Reizüberflutung: Der sensorische Teil

ADHS ist häufig mit sensorischen Besonderheiten verbunden. Sensorische Überempfindlichkeit oder sensorische Modulationsprobleme sind bei ADHS gut beschrieben; Studien zeigen Zusammenhänge zwischen sensorischer Responsivität, Stressphysiologie, HPA-Achse und elektrodermaler Reaktion auf sensorische Belastung.

Migraine wiederum ist klassisch mit sensorischer Überempfindlichkeit verbunden: Photophobie, Phonophobie und Osmophobie, also Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit, sind häufige Begleitsymptome.

Wenn ADHS-Reizfilterung und Migräne-Sensitivität zusammentreffen, entsteht ein doppeltes Problem:

Das ADHS-Gehirn bekommt ohnehin viel rein.
Das Migräne-Gehirn kann in der Attacke Reize schlechter tolerieren.
Das überlastete Nervensystem will Rückzug.
Die Umwelt verlangt Funktion.

Genau daraus entsteht der subjektive Eindruck: sensorischer Weltuntergang.

Zentralnervöse Sensibilisierung: Wenn das System empfindlicher wird

Bei Migräne spielt zentrale Sensibilisierung eine wichtige Rolle. Darunter versteht man, vereinfacht gesagt, dass Nervenzellen in Schmerz- und Reizverarbeitungsnetzwerken leichter erregbar werden. Reize, die sonst noch erträglich wären, werden dann unangenehm, schmerzhaft oder überwältigend.

Auch beim Spannungskopfschmerz wird diskutiert, wie periphere Faktoren wie perikraniale Muskelspannung und zentrale Schmerzverarbeitung zusammenwirken. Eine Review zur Frage, ob Spannungskopfschmerz eher zentral oder peripher entsteht, beschreibt genau diese komplexe Wechselwirkung.

Das ist wichtig, weil es die falsche Spaltung aufhebt:

Es ist nicht entweder psychisch oder körperlich.
Es ist nicht entweder Muskelspannung oder Gehirn.
Es ist nicht entweder Migräne oder Stress.
Es ist ein Netzwerkzustand.

Bei Orientierungserschütterungen kann der Körper in Daueranspannung gehen: Kiefer, Stirn, Nacken, Schultern, Atemmuster, Haltung. Gleichzeitig wird das Gehirn sensorisch empfindlicher. Dann wird der Kopf zum Austragungsort einer Systemüberlastung.

Schlaf: Der unterschätzte Verstärker

ADHS und Schlafprobleme gehören häufig zusammen. Reviews beschreiben bei ADHS häufige Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und circadiane Rhythmusauffälligkeiten.

Eine neuere Übersichtsarbeit diskutiert ADHS sogar im Kontext circadianer Rhythmusstörungen und berichtet robuste Hinweise auf einen Abendchronotyp bei ADHS.

Für Kopfschmerz ist Schlaf zentral. Zu wenig Schlaf, unregelmäßiger Schlaf, schlechter Schlaf, spätes Einschlafen, Bildschirmzeit, Nachtgrübeln und morgendliche Verpflichtungen können zusammen eine ideale Kopfschmerzlandschaft erzeugen.

Aus Sicht des Orientierungsmodells heißt das:

Schlaf ist nicht nur Erholung.
Schlaf ist nächtliche Reorganisation.
Schlaf ist Lagezentrum-Wartung.

Wenn das nicht gelingt, bleibt das Gehirn am Morgen im Alarmmodus.

Warum es morgens so heftig sein kann

Viele Betroffene berichten: „Es beginnt nachts, aber morgens bin ich raus.“

Das ergibt neurobiologisch Sinn.

In der Nacht sinkt die äußere Ablenkung. Das Gehirn verarbeitet weiter. Offene Loops, emotionale Konflikte, sensorische Überladung und Muskelspannung laufen im Hintergrund. Gleichzeitig wechseln Schlafphasen, vegetative Regulation, Hormonrhythmen und Schmerzschwellen.

Wenn dann morgens Licht, Geräusche, Aufstehen, soziale Erwartungen, Termine, E-Mails und Entscheidungsdruck dazukommen, trifft ein ohnehin überlastetes System auf sofortige Funktionserwartung.

Das Gehirn sagt dann nicht: „Ich brauche Motivation.“

Es sagt: „Ich brauche Reizreduktion, Sicherheit und Orientierung.“

Der „Migräne-Anteil“ und der „Spannungsanteil“

Praktisch hilft es, nicht nur nach einer einzigen Kopfschmerzschublade zu suchen, sondern Anteile zu unterscheiden.

Der Migräne-Anteil zeigt sich eher durch:

Pochen, Pulsieren, Einseitigkeit, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Geruchsempfindlichkeit, Rückzugsdrang, Verschlechterung bei Bewegung.

Der Spannungskopfschmerz-Anteil zeigt sich eher durch:

dumpfen Druck, engen Ring um den Kopf, Nackensteifigkeit, Kieferanspannung, Schultern wie Beton, Daueranspannung, Durchhalten-Müssen.

Beides kann zusammenkommen. Und genau dann entsteht oft dieses Gefühl:

„Mein Kopf ist nicht nur schmerzhaft. Mein ganzes System ist gegen Welt.“

Warum „Stress“ als Erklärung zu klein ist

„Stress“ klingt oft nach: ein bisschen zu viel Arbeit.

Orientierungserschütterung meint mehr:

Das Gehirn verliert Vorhersagbarkeit.
Das Salienzsystem markiert zu viele Dinge als wichtig.
Emotionale Netzwerke erhöhen die Alarmstufe.
Das autonome Nervensystem aktiviert.
Sensorische Reize werden stärker gewichtet.
Muskeln gehen in Schutzspannung.
Schlaf und Regeneration reichen nicht mehr.
Schmerznetzwerke werden empfindlicher.

Das ist nicht Einbildung.
Das ist nicht Schwäche.
Das ist ein plausibler neurobiologischer Eskalationsweg.

Praktische Konsequenz: Nicht kämpfen. Erst dealarmieren.

Wenn das System schon im sensorischen Weltuntergang ist, hilft oft nicht mehr:

„Reiß dich zusammen.“
„Mach schnell noch die Mail.“
„Geh einfach durch.“
„Stell dich nicht so an.“
„Denk positiv.“

Das überlastete Gehirn braucht zuerst Reizreduktion und Orientierung.

Das kann bedeuten:

dunkel, leise, warm, vorhersehbar
Wasser, etwas essen, Medikamente nach ärztlichem Plan
Nacken, Kiefer und Schultern lösen
Bildschirm runter
keine Diskussionen
eine klare nächste Mini-Handlung
keine offenen Fragen
keine moralische Selbstbeschimpfung

NICE empfiehlt bei Kopfschmerzen ein Kopfschmerztagebuch, in dem Häufigkeit, Dauer, Schwere, Begleitsymptome, Medikamente, mögliche Auslöser und bei menstruierenden Personen der Zyklusbezug dokumentiert werden.

Für neurodivergente Menschen würde ich ergänzen:

Notiere nicht nur „Stress“, sondern genauer:

Welche Orientierungserschütterung gab es?
Welche Reize waren zu viel?
Welche offenen Loops waren aktiv?
Gab es Scham, Druck, Konflikt oder Zeitnot?
Wie war der Schlaf?
Wie war der Nacken/Kiefer am Abend?
Was hat nachts weitergearbeitet?
Was hätte das Lagezentrum früher gebraucht?

Medizinischer Hinweis: Red Flags ernst nehmen

Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Abklärung. Neue, ungewöhnliche, sehr starke oder plötzlich einschießende Kopfschmerzen gehören abgeklärt. NICE empfiehlt weitere Abklärung oder Überweisung unter anderem bei Kopfschmerz mit Fieberverschlechterung, plötzlich einsetzendem Kopfschmerz mit maximaler Intensität innerhalb von 5 Minuten, neuen neurologischen Ausfällen, kognitiver Veränderung, Persönlichkeitsveränderung, Bewusstseinsstörung, kürzlichem Kopftrauma, lageabhängigem Kopfschmerz oder deutlicher Veränderung des Kopfschmerzmusters.

Das ist wichtig, weil „Ich kenne das von mir“ nicht bedeuten darf, gefährliche neue Symptome zu übersehen.

Mein Fazit

Orientierungserschütterungen sind für viele ADHS-Gehirne keine Kleinigkeit.

Sie können das innere Lagezentrum erschüttern.
Sie können emotionale Alarmnetzwerke aktivieren.
Sie können Reizfilterung überfordern.
Sie können Schlaf und Regeneration stören.
Sie können Muskelspannung erhöhen.
Sie können Migräne- und Kopfschmerznetzwerke triggern.

Dann ist der Kopf nicht „das Problem“.
Der Kopf ist die Meldestelle.

Vielleicht ist Kopfschmerz in diesem Kontext manchmal die Sprache eines Nervensystems, das sagt:

„Ich kann gerade keine Welt mehr verarbeiten.“

Und genau deshalb ist die erste Intervention nicht Härte.

Sondern Orientierung.

Nicht kämpfen.
Erst dealarmieren.
Dann langsam wieder Karte, Richtung und Sicherheit herstellen.

Kennst du diesen sensorischen Weltuntergang auch?

Was ist bei dir der häufigste Trigger: Licht, Geräusche, Schlafmangel, offene Aufgaben, emotionale Anspannung, Zeitdruck oder Planänderungen?

In meiner Skool- Community für die Wegöffner möchte ich den inneren Kampf zwischen (unvernünftigem) “Verstand” im Sinne von Top down-Regulation und “Körper” bzw. Sicherheit (bottom up) noch weiter vertiefen bzw. praktische Auswege als “Wegöffnern” zeigen, damit wir nicht in ständigen inneren Tetralemma-Situationen gefangen bleiben.

LG Martin
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