(Opens in a new window)Hallo zu einer neuen Ausgabe vom AI Journalist.
KI entwickelt sich gerade nicht nur technisch rasant, auch der Wettbewerb zwischen den Anbietern wird immer politischer. In dieser Ausgabe schaue ich deshalb auf die aktuelle Debatte rund um ChatGPT, Claude und das Pentagon und warum plötzlich viele Nutzer:innen über einen Wechsel ihres KI-Tools nachdenken.
Außerdem im Praxis-Tipp der Woche: eine einfache Methode, mit der du KI-Analysen deutlich ausgewogener machen kannst. Mit der 3-Perspektiven-Methode zwingst du die KI dazu, ein Thema aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten - ein hilfreiches Werkzeug für Recherche, Kommentare und Themenanalyse.
Dein Patrick

Warum gerade viele Nutzer:innen von ChatGPT zu Claude wechseln
In der KI-Welt passiert gerade etwas Interessantes: Immer mehr Nutzer:innen löschen ihre Konten bei ChatGPT und wechseln zu Claude, dem Chatbot des US-Unternehmens Anthropic.
Der Auslöser ist nicht nur Technik, sondern Politik.
Der Hintergrund: OpenAI, der Anbieter von ChatGPT, hat einen großen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium abgeschlossen. Gleichzeitig hat der Konkurrent Anthropic öffentlich erklärt, dass sein KI-System Claude nicht für autonome Waffen oder Massenüberwachung eingesetzt werden soll. Genau darüber kam es zum Konflikt mit dem Pentagon, und Anthropic verzichtete letztlich auf einen lukrativen Militärdeal.
Diese Entscheidung hat überraschende Folgen. Während OpenAI für den Pentagon-Deal kritisiert wird, erlebt Claude gerade einen massiven Popularitätsschub. Die App kletterte zeitweise auf Platz 1 der App-Store-Charts und überholte ChatGPT. Gleichzeitig haben viele Nutzer:innen in sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, ChatGPT zu löschen und stattdessen Claude zu nutzen.
Natürlich geht es dabei nicht nur um Moral. Viele Nutzer berichten auch, dass Claude in manchen Situationen anders arbeitet als ChatGPT:
Antworten sind oft kritischer und weniger zustimmend
die KI stellt häufiger Rückfragen
Dokumente und lange Texte lassen sich besser analysieren und strukturieren
Das macht Claude für einige Nutzer:innen, gerade in Recherche- oder Schreibprozessen, attraktiv.
Gleichzeitig zeigt der aktuelle Streit noch etwas anderes:
KI-Tools sind längst Teil geopolitischer und wirtschaftlicher Machtkämpfe geworden. Unternehmen müssen entscheiden, ob und wie ihre Modelle im Militär oder in staatlicher Überwachung eingesetzt werden dürfen. Und Nutzer reagieren darauf offenbar sensibler als viele Tech-Konzerne erwartet hätten.
Für uns als Anwender:innen bedeutet das: Der KI-Markt ist noch lange nicht entschieden. Neue Modelle, politische Entscheidungen oder technische Unterschiede können sehr schnell dazu führen, dass sich die Nutzung verschiebt.
Habt ihr Claude schon ausprobiert? Und wenn ja: Könntet ihr euch vorstellen, dauerhaft von ChatGPT zu wechseln?
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Die 3-Perspektiven-Methode - ein schneller Weg zu ausgewogeneren Analysen
Eine der größten Schwächen von KI-Antworten ist, dass sie oft zu glatt und zu eindeutig wirken. Viele Antworten lesen sich, als gäbe es nur eine plausible Sicht auf ein Thema. Für journalistische Arbeit ist das problematisch, denn gute Berichterstattung lebt davon, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen.
Eine einfache Methode, um das zu verbessern, ist die 3-Perspektiven-Methode.
Die Idee ist simpel: Statt die KI nur nach einer Einschätzung zu fragen, lässt du sie ein Thema aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln analysieren.
Wie die Methode funktioniert
Du bittest die KI, ein Thema aus drei klar definierten Perspektiven zu betrachten:
Befürworter - Argumente, die für die Entwicklung oder Entscheidung sprechen
Kritiker - Argumente, Risiken oder Gegenpositionen
Neutrale Analyse - Einordnung: Was lässt sich faktisch sagen? Wo ist die Lage noch unklar?
Diese Struktur zwingt die KI dazu, mehrdimensional zu denken, statt eine einzige narrative Linie zu entwickeln.
Beispiel aus dem Redaktionsalltag
Angenommen, du arbeitest an einem Text über den Einsatz von KI in Redaktionen.
Ein klassischer Prompt wäre:
Welche Auswirkungen hat KI auf den Journalismus?
Die Antwort wird wahrscheinlich eine Mischung aus Chancen und Risiken sein, aber oft eher oberflächlich.
Mit der 3-Perspektiven-Methode formulierst du stattdessen:
Analysiere den Einsatz von KI im Journalismus aus drei Perspektiven:
Befürworter (welche Vorteile sehen sie?)
Kritiker (welche Risiken oder Probleme sehen sie?)
Neutrale Einordnung (was lässt sich derzeit tatsächlich beobachten?)
Das Ergebnis ist meist deutlich strukturierter und näher an der Art, wie Journalisten Themen ohnehin betrachten.
Beispiel: KI-Tools im Newsroom
Wenn du diesen Prompt nutzt, könnten die Antworten etwa so aussehen:
Perspektive der Befürworter
KI kann Recherche beschleunigen, große Dokumentenmengen analysieren und Routineaufgaben automatisieren. Dadurch bleibt mehr Zeit für investigative Arbeit oder kreative Formate.
Perspektive der Kritiker
KI kann Halluzinationen erzeugen, Fehler verstärken und redaktionelle Standards unter Druck setzen. Außerdem besteht die Gefahr, dass wirtschaftlicher Druck dazu führt, menschliche Arbeit zu ersetzen.
Neutrale Einordnung
Viele Redaktionen experimentieren derzeit mit KI. Einige Anwendungen – etwa Transkription oder Datenanalyse – sind bereits etabliert, während andere Bereiche weiterhin stark überwacht werden müssen.
Wofür sich die Methode besonders eignet
Die 3-Perspektiven-Methode ist vor allem hilfreich für:
Kommentare und Analysen
Themenfindung (“Welche Argumente fehlen noch?”)
Vorbereitung von Interviews
Debattenartikel oder Pro-/Contra-Formate
Sie hilft auch dabei, blinde Flecken im eigenen Denken zu erkennen.
Bonus: Die Methode als Interview-Vorbereitung
Du kannst sie auch nutzen, um ein Thema für ein Interview vorzubereiten.
Prompt:
Erstelle auf Basis der 3-Perspektiven-Methode fünf mögliche Interviewfragen zu diesem Thema.
Die KI wird dann Fragen entwickeln, die unterschiedliche Sichtweisen abdecken, statt nur eine Position zu verstärken.
Warum die Methode gut gegen Halluzinationen wirkt
Die Struktur zwingt die KI dazu, Argumente zu prüfen und einzuordnen, statt eine schnelle Antwort zu produzieren. Dadurch entstehen weniger übertriebene oder vereinfachte Aussagen.
Eine einfache Vorlage zum Kopieren
Analysiere dieses Thema aus drei Perspektiven:
Befürworter: wichtigste Argumente und Chancen
Kritiker: Risiken, Probleme und Gegenargumente
Neutrale Einordnung: Was lässt sich faktisch beobachten, wo gibt es Unsicherheit?
Die Methode wirkt banal, aber genau deshalb funktioniert sie so gut. Sie zwingt die KI dazu, etwas zu tun, was guter Journalismus ohnehin verlangt: verschiedene Perspektiven sichtbar zu machen, bevor man eine Schlussfolgerung zieht.
Wie lässt sich KI für konstruktiven Journalismus nutzen? Genau darum geht es in meinem Workshop “KI im konstruktiven Journalismus” am 29.04. um 18 Uhr.
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Bis nächste Woche!