Skip to main content

Die Autonomiephase

Was geht im Gehirn des Kindes vor, das sich im Supermarkt auf den Boden wirft? Wie reagiere ich als Elternteil, um meinem Kind zu helfen und es zu schützen? Wie kann ich mich selbst vor meiner eigenen Wut schützen? Und was ist, wenn andere Kinder betroffen sind; das wütende Kind z.B. Geschwisterkinder verletzt?

Die Autonomiephase ist eine der herausfordernsten Phasen beim Leben mit einem Kind. Wie aus dem Nichts fangen sie an zu schreien, werfen sich auf den Boden und sind nicht zu beruhigen. Das ist als Elternteil manchmal ziemlich schwierig auszuhalten. Mir persönlich hat es sehr geholfen zu wissen, was in diesen Momenten im Gehirn meines Kindes vorgeht, wie ich es bei seiner Entwicklung unterstützen kann und was mögliche Techniken sein könnten, um mit so einem Wutanfall umzugehen.

Warum nicht "Trotzphase"?

Oftmals wird die Autonomiephase auch als Trotzphase bezeichnet, was eine sehr negative Konnotation hat. Das Kind trotzt, es sperrt sich, es kooperiert nicht mehr mit den Eltern. Was aber wirklich passiert, ist ein Abnabelungsprozess. Als Babys identifizieren sich unsere Kinder völlig mit uns. Sie glauben, dass wir ein und dieselbe Person sind und wir als Eltern genau das selbe spüren wie sie. In der Autonomiephase lernen Kinder zum ersten Mal, dass sie eigenständige Personen sind. Sie wollen ihre neu entdeckte Selbstwirksamkeit ausprobieren, was am besten in Konflikt mit anderen Menschen geht (genau das macht diese Phase ja auch so anstrengend).

Ein weiterer Grund für die Wutanfälle ist die fehlendes Vermögen der Bedürfnisaufschiebung unserer Kinder. Sie haben sich von bestimmten Situationen bereits ein Bild gemacht. Das ist wichtig, um unsere große, komplizierte Welt zu verstehen. Passiert jetzt aber etwas anderes als das, was sie vorhergesehen haben, erfährt ihr Gehirn sozusagen einen völligen Kontrollverlust. Sie fallen wie in ein Loch und das löst diese große Wut aus. Wir Erwachsenen können das schwer nachvollziehen - wenn wir am liebsten den Kaffee aus der großen Lieblingstasse getrunken hätten, diese aber im Geschirrspüler ist, nehmen wir eben eine andere. Kinder dagegen, die gerade erst gelernt haben, wie bestimmte Dinge ablaufen, sind so verwirrt darüber, wenn es dann eben doch anders ist, dass sie gar nicht anders können, als wütend zu werden. Sie wollen uns aber nicht absichtlich ärgern oder gar in der Öffentlichkeit beschämen. Deswegen finde ich den Begriff "Trotzphase" unangebracht und nutze selbst lieber den Begriff "Autonomiephase", der dieser Phase eines großen und wichtigen Lernprozesses im Gehirn besser gerecht wird.

Was geht da drinnen vor?

Um zu verstehen, was im Gehirn eines Kindes während eines Wutanfalls vorgeht, muss ich etwas weiter ausholen.

Topic Starke Gefühle

0 comments

Would you like to be the first to write a comment?
Become a member of annarrative and start the conversation.
Become a member