Emily* schreibt mir: Vor fast fünf Monaten ist mein Sohn großer Bruder bekommen. Seitdem reagiert er aggressiv auf andere Kinder und hat häufig Wutausbrüche. Wie kann ich reagieren?"
Hier auf Steady beantworte ich einige eurer Fragen mit meinem Hintergrund eines Studiums der Neurowissenschaften und kognitiven Psychologie, einer Ausbildung zur Trageberaterin und Babykursleiterin, meinem gesammelten Wissen aus etwa 250 Büchern zum Thema Erziehung und meinen Erfahrungen, die ich in den letzten sieben Jahren als Mutter gesammelt habe. Ich bin keine Psychologin und kein Coach. Wenn euch eine Situation so sehr belastet, dass sie eure Gedanken den ganzen Tag über beeinflusst, möchte ich euch bitten, euch professionelle Hilfe zu suchen. Ich kann euch die innere Arbeit mit eurem Päckchen an Erfahrungen, Verletzungen und Traumata nicht abnehmen. Was ich aber versuchen kann, ist euch ein paar Gedanken und Impulse mitzugeben, die euch vielleicht helfen können, eure eigene Lösung zu finden. Und wenn ihr euch mit dem, was ich schreibe, überhaupt nicht identifizieren können solltet, dann ist auch das ein wichtiges Zeichen. Ich bin keine „Expertin“ und habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Was ich anbieten kann, ist eine (hoffentlich) empathische Antwort aus wissenschaftlichem und persönlichem Hintergrund.
Wer mir auch schreiben möchte, wendet sich bitte an anna.brachetti@posteo.de. Ich bearbeite dienstags und donnerstags eure Briefe. Schreibt bitte auch dazu, ob ich eure Nachricht und meine Antwort darauf anonymisiert (*Namen werden verändert) veröffentlichen kann.
Vielen Dank für das Vertrauen!
Bild: Chiara Doveri
Hallo Anna,
Im April diesen Jahres kam unsere Tochter zur Welt. Unser Sohn (nun 3 Jahre) hat sie sehr liebevoll in die Familie aufgenommen. Auch nach 4,5 Monaten würde er ihr kein Haar krümmen. Allerdings ist er seither sehr unausgeglichen und wütend uns aber auch anderen Kindern gegenüber. Wir können uns nur noch mit ausgewählten Freunden treffen, da es sonst nur Ärger gibt. Er schreit und schlägt wenn ihm irgendwas nicht passt. Das kann auch nur ein Blick sein, den er gerade nicht möchte.
Seit 1-2 Wochen löst selbst ein Windstoß einen Wutausbruch in ihm aus. Ich versuche diese Wutausbrüche zu begleiten. Aber mittlerweile bin ich selbst schon innerlich sehr angespannt. Das beginnt schon wenn ich weiß ich hole ihn bald vom Kindergarten ab. Ich weiß nie wie seine Stimmung ist und selbst wenn er gut gelaunt ist, kann es sich von einer Sekunde auf die andere ändern. Wir haben sehr viel Unterstützung, so dass ich auch täglich mind. eine Stunde nur mit ihm habe. Aber klar, im Vergleich zu vorher ist das nicht viel. Ich würde ihm so gerne helfen aber ich weiß nicht wie.
Hast du mir Tipps wie ich für ihn da sein kann? Ihm die neue Familiensituation einfacher machen kann und seine Wut im Bauch wieder weniger wird? Tipps wie ich meine innere Anspannung wieder los werde?
Vielen Dank für deine Zeit und liebe Grüße,
Emily*