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„Ich habe eine alte Kamera, taugt die noch was?“

Die Alternativfrage lautet: „Meine Kamera ist 14 Jahre alt, die taugt doch nichts mehr, oder?“ Wenn man als Fotograf unterwegs ist, hört man solche Fragen oft. Sie kommen sogar - oder soll man sagen erst recht? -  von ambitionierten Hobbyfotografen. Was antwortet man darauf? Nehmen wir ein praktisches Beispiel. Es geht um das hier abgebildete Foto, seine Entstehungsgeschichte und die Kamera.

 

Es dämmert. Ein Dreimaster vollbesetzt mit Touristen, fährt am 16. Februar 2026 an der Uferpromenade von Thessaloniki vorbei. Thessaloniki, die Griechen nennen die Stadt gern „Braut des Nordens“ ist eine Millionenstadt und ein Tourismusmagnet. Mein Hund, der beste Hund von allen, ist auf meiner linken Hand, denn die Kamera in meiner rechten Hand lässt sich mit der Linken leider kaum bedienen. (Wann erfindet endlich jemand eine Kamera für Linkshänder?)

 

Passanten eilen vorbei. Jogger kreuzen den Weg und immer wieder droht man, aus Versehen auf den Radweg zu treten. Tatsächlich bleibt kaum Zeit für ein Foto. Und es gibt erst recht keinen Spielraum für Fehler. Eine Kamera mit hoher Serienbildgeschwindigkeit wäre da ideal, nicht wahr? Nun ja, meine Kamera ist nicht schnell, der Autofokus ist nicht schnell und der Serienbildmodus ist auch nicht gerade brauchbar. Die Kamera ist eine Fujifilm X-Pro 1, die im Januar 2012 auf den Markt kam. Sie ist ausgerüstet mit einem nicht mehr traufrischen XF 16mm F2.8 R WR Objektiv. Das Objektiv ist wetterfest, hat aber keine Bildstabilisierung. 

Eine Verschlusszeit von 1/125 Sekunde und eine Blende von f/3.2 bei ISO 200 sind völlig ausreichend. Und nein, mit 16,3 Megapixeln ist die Kamera kein Pixelmonster, aber auch nicht uralt. Aufnahmen im RAW-Format ermöglichen später mehr Feineinstellungen. Das ist für eine spätere Nachbehandlung effektiver als die Aufnahme vieler „fertiger“ JPEGs mit moderneren Kameras.

 

Leute, nein, für den täglichen Gebrauch ist es sinnlos, jedes Jahr die neueste Kamera zu kaufen. Selbst für Profis lohnen sich ein Kameragehäuse und teure Spezialobjektive nur, wenn man sie bei der alltäglichen Arbeit ausreizen kann. Welcher Taxifahrer würde sich einen Lamborghini anschaffen, um seine Fahrgäste durch die winterliche Nordeifel zu kutschieren? Genauso verhält es sich mit einer Kamera. Am Ende des Tages sind auch sie nur Werkzeuge.

Es sei denn natürlich, man glaubt, die Kamera mache von selbst großartige Bilder. Oder aber man schießt Serienbilder wie ein Maschinengewehr ab und sucht sich dann aus Hunderten von Aufnahmen das perfekte Bild aus. Dafür habe ich normalerweise weder die Zeit noch den Speicherplatz auf dem Computer. Meine alte Kamera ist im Vergleich zu so einem Vorgehen definitiv schneller. Somit ist sie abseits der professionellen Aufträge als „immer dabei“ Begleitung völlig ausreichend. Sie macht, was sie soll, und liefert brauchbare Fotos. Warum sollte ich sie also ins Regal stellen und verstauben lassen? Das wäre weder finanziell noch hinsichtlich des Klimas nachhaltig.

Schließlich hat so eine alte, leichte, spiegellose Kamera noch mehr „Nebenwirkungen“. Dort, wo bei der Straßenfotografie eine große Spiegelreflexkamera oder Vollformat-Spiegellose auf Passanten abschreckend wie ein Maschinengewehr wirken, sorgt älteres Gerät für Gesprächsstoff und wohlwollende Blicke. Außerdem sind, was vor allem mit zunehmendem Lebensalter spürbar wird, kleinere Kameras mit einer leichten Linse für jeden Rücken eine Erholung. Was nutzt uns die beste und teuerste Fotoausrüstung, wenn sie komplett mit allem Zubehör knapp 18 bis 20 kg schwer in einem Rucksack an uns hängt?

Gut Licht – mit der besten Kamera, die ihr habt. Der, die wenn ihr sie braucht in euren Händen ist.

Topic Fotografie