Hallo,
mein angekündigter Text über Schreiben mit und ohne KI (Opens in a new window), mit und ohne Stift und Zettel liegt dreiviertelfertig neben diesem hier, kommt aber wann anders.
Was aber, hurra, schon diese Woche kommt:
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Wie du nicht den Verstand verlierst (Opens in a new window) von Theresa Bäuerlein: Einsichten für Menschen, die klarer denken wollen.
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Und jetzt muss ich über das Reformpaket der Bundesregierung nachdenken - insbesondere über die Ankündigung, dass Angestellte künftig ab dem ersten Krankheitstag (Opens in a new window) eine Bescheinigung vom Arzt vorlegen müssen UND dass sie diese nicht mehr telefonisch einholen können.
Die Empörung ist riesig, doch bevor ich mitmache, möchte ich sagen: Die deutschen Regelungen zur Krankschreibung waren bisher im internationalen Vergleich extrem kulant. Hier ranzugehen, halte ich nicht grundsätzlich für menschenfeindlich.
Dass so viele Leute auf der Zinne sind, hat meiner Meinung nach drei Gründe:
Zu viel auf einmal: Die Bundesregierung hätte die telefonische Krankschreibung abschaffen können. ODER eine Arbeitsunfähigkeit ab Tag 1 verlangen. Dass sie beides gleichzeitig macht, wirkt unverhältnismäßig.
Katastrophal kommuniziert. Bundeskanzler Friedrich Merz (Opens in a new window)begründet den Schritt mit den hohen Krankenständen im Vergleich zu früher und mit anderen Ländern.
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Dazu muss man allerdings sagen: Ländervergleiche sind schwierig, weil sich Definitionen und Datenerfassung unterscheiden. Das erklärt auch, warum in Deutschland der Krankenstand scheinbar so hoch gegangen ist. Seit 2021 werden Krankmeldungen digital an die Krankenkassen gemeldet, davor mussten Menschen Zettel verschicken. Taten sie nicht zuverlässig. Genauer erklären es Felicitas Kock, Christina Berndt und Sead Mujic (Opens in a new window) in der Süddeutschen Zeitung.
Merz weiß das. Dass er trotzdem anders kommuniziert, ist Absicht.
Die Maßnahmen vermitteln nicht versehentlich die Botschaft: Reisst euch gefälligt mal zusammen, ihr faulen, simulierenden Schneeflöckchen!
Diese Botschaft trifft auf eine Bevölkerung, die schon das Gefühl hat, am Limit zu stehen. So macht man Beziehung kaputt - und ja, auch zwischen einer Regierung und den Bürgerinnen und Bürgern geht es um eine Beziehung, um Gefühle. Das tut es immer.
Chronisch Kranke nicht mitgedacht
Ich habe Migräne, sehr oft, sehr stark. Ich falle deswegen überdurchschnittlich oft krank aus. Zum Arzt gehe ich wegen einer akuten Attacke aber so gut wie nie. Warum auch?
Meine Hausärztin ist mit meiner Migräne überfordert, beim Neurologen bekomme ich so spontan keinen Termin, und etwas ausrichten können Mediziner auf die Schnelle ohnehin nichts.
Mit Glück hilft Ruhe, Dunkelheit, ein Medikament (Opens in a new window). Oft hilft nix.
Da eine Migräneattacke nur selten länger als drei Tage dauert, brauchte ich nie eine Krankschreibung deswegen. Doch müsste ich diese ab Tag 1 einreichen, müsste ich mit pochenden Schmerzen, Übelkeit, Licht-, Geräusch- und Geruchtsempfindlichkeit zu meiner Hausärztin gurken, im überfüllten Wartezimmer ein paar Husten-Schnupfen-Magen-Darm-Viren abgreifen, dem überarbeiteten Personal die Zeit stehlen, um mir dann von der Ärztin etwas bestätigen zu lassen, was sie gar nicht beurteilen kann. Migräne sieht man nicht.
Mich hätten die neuen AU-Regelungen stark beeinträchtigt. Dass sie es nicht tun, liegt daran, dass ich inzwischen freiberuflich arbeite und niemandem beweisen muss, dass ich gerade wirklich nicht arbeiten kann.
Das musste ich glücklicherweise auch vorher nicht. Meine Vorgesetzten schenkten mir immer Vertrauen und Mitgefühl und kamen mir nie mit Bürokratie. Danke nochmal dafür, lieber Christian und liebe Ann-Kathrin. Die einzige, die mit der Peitsche hinter meinem Schreibtischstuhl steht, war und bin ich.
Wie das mit der Selbstständigkeit und der ständigen Migräne klappen würde, das wusste ich vor einem Jahr selbst nicht.
Heute sieht die Bilanz so aus:
ich habe noch nie weniger Stunden gearbeitet
ich hatte noch nie mehr und bessere Ergebnisse
Das lässt sich sicher nicht verallgemeinern, denn mein Job besteht nun einmal zu einem großen Teil darin, dass ich mir - wie es der bayerische Kabarettist Gerhard Polt sagt - einen Gedanken mache.
Der kommt aber nicht zwingend am Schreibtisch daher, sondern oft beim Schwimmen, Fahrradfahren, Wäsche aufhängen. Meine Erfahrung der vergangenen Monate ist: Je mehr Pausen ich mache, desto besser liefert mein Gehirn.
Was sich genauso widersprüchlich anhört wie meine Erkenntnis über Recherche mit Hilfe von KI, die ich heute eigentlich hier vertiefen wollte: Umwege führen schneller zum Ziel. Dazu bald mehr.
Wie arbeitet dein Gehirn am liebsten? Schreib mir, wenn du Lust hat. (Opens in a new window)
Ein schönes Wochenende wünscht
Barbara
Gestresst? Ausgelaugt? Am Ende? In Kurkliniken suchen überforderte Mütter und Väter Unterstützung. Hier sagt die Psychologin Pilar Velazquez, was Eltern in angespannten Lebenslagen benötigen. (Exklusiv für 💌 Steady 💌 (Opens in a new window)-Mitglieder)
»Eltern unterschätzen, wie viel über Gestik und Mimik läuft« Schimpfen macht kein Zeugnis besser, das wissen viele Eltern. Doch fällt es ihnen oft schwer, ihrem Kind dauerhaft Selbstvertrauen und Spaß am Lernen zu vermitteln. Eine Psychologin gibt Tipps. (Spiegel-🎁-Link (Opens in a new window))
Wissenschaftsjournalistin Eva Wolfangel hatte diese Woche ein verstörendes Erlebnis mit KI (beziehungsweise mit anderen KI-Nutzern) und schreibt hier darüber (Opens in a new window).
Wissenschaftsjournalistin Eva Lindner schreibt hier darüber, (Opens in a new window) welchen und wie viel Sport man in der Schwangerschaft machen darf und soll. Zusammengefasst: so viel man will, wenn man sich gut fühlt.
Ich wünschte, das hätte ich vor 16 Jahren gewusst. Damals trat ich einen schon bezahlten Reiturlaub nicht an, weil ich in der 14. Woche schwanger war. So ein Quatsch.
Angela Merkel: "Freiheit". Die Biografie der Altkanzlerin ist lang, ihr Erzählstil detailliert und langatmig, und da ich während ihrer Amtszeit auch schon Nachrichten gelesen habe, kenne ich den Plot schon. Perfekt! Es macht also gar nichts, wenn ich der vorlesenden Corinna Harfouch zwischendurch mal nicht so richtig zuhöre. Merkels Sicht auf sich selbst finde ich manchmal nachvollziehbar, manchmal selbstgerecht, fast immer psychologisch interessant.

Migränestatistik: 17 Tage, 7 Tabletten. Mir geht’s trotzdem ganz gut.

Aktuell unterstützen 72 Mitglieder meine Arbeit. Unter ihnen verlose ich Ende Juli dieses Stickbild. Du willst in den Lostopf? Hier entlang (Opens in a new window). Auch wer in den kommenden 30 Tagen das Nervenbündel (Opens in a new window)bucht, hat eine Chance, zu gewinnen.