Ich bin mit jemandem zusammen, der mir noch nie Schmetterlinge im Bauch verschafft hat. Trotzdem behaupten viele, wir seien ein richtig gutes Paar. Darf ich Ihnen unser Geheimnis verraten?
Zuerst erschienen im Spiegel, am 19. Oktober 2025. (Opens in a new window)
Letztens saß ich mit Freundinnen bei einem Drink zusammen. Es ging um Männer. Um Männer, die eine Viertelstunde auf dem Klo sitzen, während im Flur drei Kleinkinder gleichzeitig einen Nervenzusammenbruch haben. Um Männer, die vor Monaten versprochen hatten, den alten Kindersitz zum Sperrmüll zu fahren, der noch immer unter dem Treppenabsatz steht.
Ich wollte auch mal was sagen und erwähnte, dass mein Mann oft seine Haare in der Dusche lässt und seine Socken in der ganzen Wohnung verteilt. »Du hast hier nicht mitzureden, du bist mit dem Matthias zusammen«, fuhr mich eine Freundin an. Meine Beziehung hatte sie einige Monate zuvor schon so analysiert: »In unserem Alter sind die meisten in erster Linie Eltern und werden nur noch von Kindern, Eigenheim und Gewohnheit zusammengehalten. Ihr beide wirkt wie ein Paar, das zufällig Kinder hat.«
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Ja, wir sind ein tolles Paar, Matthias und ich. Je älter wir werden, desto öfter höre ich diesen Satz. In den zwei Jahren, die wir im selben Unternehmen verbrachten, hörte ich ihn sogar in der Kantine. »Hoffentlich kriegen wir das auch so gut hin wie ihr«, sagte eine junge Kollegin beim Mittagessen und strich sich über ihren Babybauch. Auf dem Sommerfest fragte mich ein anderer Kollege, ob ich Tipps für ihn hätte, wie er seiner Frau nah bleiben könnte, obwohl sie mit den kleinen Kids zu Hause sei und er den ganzen Tag in der Redaktion.
Es ist schön, solche Komplimente zu hören. Gleichzeitig fängt in meinem Ohr sofort Judith Holofernes an zu singen: »Sie haben uns ein Denkmal gebaut, und jeder Vollidiot weiß, dass das die Liebe versaut.«

Ich hatte schon immer den Aberglauben, dass die Liebe zu Staub zerfällt, wenn man sie ausspricht, zu genau anschaut, zelebriert. Wollte deswegen nie etwas zu Festes haben oder es gar so nennen. Keine romantischen Symbole, keine Hochzeit, kein Vertrag. Als Matthias und ich zusammenzogen, hielt ich in einer Liste fest, wer wie viel für welches Möbelstück bezahlt hatte. Nur für den Fall.
Vielleicht ist das schon der erste kleine Tipp für eine Liebe, die halten soll: Geh nicht davon aus, dass sie das tut. Sondern entscheide dich immer wieder neu dafür, dein Leben mit dieser Person zu teilen.