Hallo,
wann immer ich in den vergangenen Tagen eine Nachrichten-App geöffnet habe, wurde es mir angst und bange. Donald Trump lässt den venezolanischen Präsidenten Maduro entführen. Dann will er Grönland … kaufen? Erobern? Dann erschießt ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE eine Frau. Wenn ich die App wieder schließe, freue ich mich, dass ich keine Politik- und Nachrichtenredakteurin mehr bin.
Falls wir uns noch nicht so lange kennen: Ja, wirklich, das war ich mal. Meine ersten drei Jahre bei der Süddeutschen Zeitung verbrachte ich am Newsdesk und im Politikressort der Online-Redaktion.
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Wir waren ein kleines Team, kaum einer älter als 30 Jahre. Im Schichtsystem schrieben alle über alles, was am Newsdesk anlandete. Ich porträtierte den georgischen Präsidenten und KT zu Guttenberg, betextete Bildergalerien über Sarah Palin und kommentierte die Nebeneinkünfte von Bundestagsabgeordneten genauso wie den Friedensnobelpreis für Barack Obama. Meine Expertise beschränkte sich dabei oft auf das, was sich in zwei Stunden herausfinden ließ - weswegen ich heute noch bei jeder Eilmeldung heilfroh bin, damit nichts machen zu müssen.
Mittlerweile genieße ich den Luxus, fast nur noch über Themen zu schreiben, mit denen ich mich sehr gut auskenne. Dass diese in der Politik kaum stattfinden, halte ich allerdings für falsch. In meiner Kurzbio (Opens in a new window)bei der SZ hatte ich deswegen bockig stehen:
Barbara Vorsamer schreibt am liebsten über Gleichberechtigung, Familie und Nachhaltigkeit und hält diese Themen für hochpolitisch.
Wenn meine Themen und ich nicht ins Politikressort dürfen, dann suche ich das Politische eben in meinen Themen! So.
Das ist da auch nicht schwer zu finden. Vor einiger Zeit sprach ich mit dem Kinderarzt und Erziehungsexperten Herbert Renz-Polster über den Zusammenhang zwischen dem politischen Rechtsruck und dem gesellschaftlichen Umgang mit Kindern. Darüber hat er zuletzt zwei Bücher geschrieben, ein dickes ("Erziehung prägt Gesinnung", 2019) und ein dünnes ("Demokratie braucht Erziehung (Opens in a new window)", 2025).
Auf meine Frage, inwiefern die Kindheit Menschen anfällig für autoritäre Narrative macht, antwortete mir Renz-Polster so (Opens in a new window):