von Bernd Schwickerath und Christoph Fetzer
In der Kolumne „Best-of-seven“ blicken wir auf die Highlights der Eishockey-Woche.
Thema der Woche: Wenn aus Gewinnern Verlierer werden

Eigentlich wäre es diese Woche an der Zeit gewesen, das US-Eishockey hochleben zu lassen. Diese besondere „Entwicklung der vergangenen 15 Jahre“, auf die Olympia-Kapitän Auston Matthews bei der Pressekonferenz nach dem Männer-Finale völlig zurecht verwies. „Wir sind wieder auf der Landkarte“, sagte Matthews. Was eher noch zurückhaltend formuliert war. Denn auf der Eishockey-Landkarte waren die USA ja immer schon, sind seit Jahrzehnten Teil der „großen Sechs“. Aber was neu ist: Jetzt gewinnen sie reihenweise große Turniere.
Bei den Frauen tun sie das sogar schon länger, aber auch dort gibt es eine neue Entwicklung: Mittlerweile sind die Amerikanerinnen selbst Erzrivale Kanada enteilt, gewannen bei WM und Rivalry Series zuletzt nicht mehr nur knapp, sondern demütigten die Kanadierinnen sogar. Das war auch jetzt bei Olympia zu sehen, wo es in der Gruppenphase ein entspanntes 5:0 gab. Das Finale war zwar deutlich knapper, aber am Ende konnten sich alle darauf einigen, dass die Amerikanerinnen als klare Nummer eins der Welt zurecht Recht Gold gewannen.
Das gilt auch für die Männer. Nun kann man darüber streiten, ob die Kanadier den Olympiasieg nicht ebenso verdient gehabt hätten, gerade im Finale waren sie ja klar spielbestimmend. Aber am Ende jubelten eben die Amerikaner. 2025 waren sie bereits erstmals seit 65 Jahren wieder Weltmeister geworden, nun gewannen sie auch zum ersten Mal überhaupt Olympiagold bei einem Best-on-Best-Turnier.
Als hätte sich das jemand ausgedacht, passierte das auf den Tag genau 46 Jahre nach dem „Miracle on ice“ in Lake Placid gegen die Sowjets. Fast kitschig war das. Aber eben kein positiver Ausrutscher einer goldenen Generation, sondern das Ergebnis einer beeindruckenden und systematischen Entwicklung. Die Einführung des National Team Development Programs (NTDP), die immer bessere Nachwuchsarbeit an Schulen und in Colleges, immer neue Eishallen, immer neue Toptalente, immer neue Stars. Das alles sorgt für immer neue Erfolge im Nachwuchs und nun auch bei den Erwachsenen.
Ein wichtiger Baustein: USA Hockey hat es endlich geschafft, Sporttalente aus allen Landesteilen für sich zu begeistern und ihnen die passende Infrastruktur bereitzustellen. Natürlich ist Eishockey in vielen Regionen weiter Randsport für die obere Mittelschicht. Aber die Nationalteams bestehen längst nicht mehr nur aus Spielerinnen und Spielern, die alle aus dem Nordosten kommen, wo Eishockey seit mehr als 100 Jahren populär ist. Im Männer-Team in Mailand fanden sich diverse Spieler, die in Arizona, in Florida oder in Kalifornien zur Welt kamen oder dort mit dem Sport begannen.
Wir könnten hier noch ewig weitermachen und nach Gründen dafür suchen, warum die Amerikaner auch in den nächsten Jahren zu den Besten gehören werden. Mit ihren rund 350 Millionen Einwohnern, ihrer Sportbegeisterung, ihrer wirtschaftlichen und medialen Macht sowie ihrem Fördersystem über Schulen und Universitäten könnten sie Kanada sogar langfristig als Eishockey-Nation Nummer eins ablösen. Aber die Debatte diese Woche war dennoch eine ganz andere. Aus Gewinnern sind Verlierer geworden. Weil all die Erfolge durch die politische Vereinnahmung des Olympiagolds durch die Trump-Regierung, ihre rassistische Maga-Bewegung und ihre Claqueure von Fox News und Co. überschattet wurden.
https://www.youtube.com/watch?v=fVdQCVnCw6c (Opens in a new window)Plötzlich traten die Glanzparaden von Connor Hellebuyck oder das Siegtor von Jack Hughes in den Hintergrund. Plötzlich sprach alles über FBI-Chef Kash Patel in der Kabine, über Trumps abwertenden Spruch gegenüber dem Frauen-Team (er müsse auch das einladen, sonst drohe ihm ein Amtsenthebungsverfahren) und dem Gelächter der Männer darüber. Über Trumps peinliches KI-Video, in dem er selbst übers Eis läuft, Kanadier verprügelt und Tore schießt. Über den Besuch des Teams im Kongress und im Weißen Haus, den die Frauen ablehnten. Über Tage Thompson mit seiner Maga-Kappe.