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Wissensgemeinschaften und politische Netzwerke im Kontext der städtischen und stadtnahen Landwirtschaft in Kenia

00:00:01 Anmoderation

00:03:40 Forethought

00:11:31 Theorien

00:14:31 Diskussion

00:26:38 Bottom-up-Ansätze

00:35:53 Konklusion

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Diese Folge wurde produziert, recherchiert und moderiert von Steven Xavier Cassimo. Die Intro- und Outro-Musik wurde komponiert und produziert von Jason Shaw (Creative Commons Music by Jason Shaw on Audionautix.com (Opens in a new window)).

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anmoderation

Eine neue Folge Black History! Heute melde ich mich mit einem kleinen Essay bzw. einer meiner kleineren Hausarbeiten aus dem letzten Wintersemester. Diese entstand im Rahmen des englischsprachigen Bachelor-/Master-Seminars ‘Policy networks and (trans)national cooperation’, welches verschiedenste Kooperationsformen öffentlicher und privater Akteure in (trans)nationalen Politiknetzwerken sowie die damit verbundenen Macht- und Einflussstrukturen analysierte. Mein Abschlussthema war die städtische und stadtnahe Landwirtschaft Kenias, mit Blick auf die Machtdynamiken der globalen Agrarpolitik und deren Auswirkungen auf lokale kenianische epistemische Netzwerke.

Im Wesentlichen beleuchte ich, wie transnationale Organisationen und größere Unternehmensberatungsfirmen sogenannte evidenzbasierte Richtlinien nutzen, um neoliberale Marktlogiken und standardisierte Prüfkriterien von oben herab, also top-down, durchzusetzen. Der Einfachheit halber werde ich in diesem Zusammenhang von Top-down-Ansätzen sprechen. Zugleich zeige ich auf, wie solche Prozesse das kontextbezogene Erfahrungswissen lokaler Gemeinschaften und Händler*innen systematisch an den Rand drängen. Ein zentrales Beispiel hierfür sind die ‘Mama Mbogas’ in Nairobi. ‘Mama Mbogas’ ist Swahili und bezeichnet in großen Anführungsstrichen ‘informelle Gemüsehändlerinnen. Meint also Frauen, die an Straßenecken, in Wohngebieten oder auf lokalen Märkten frisches Obst und Gemüse verkaufen. In vielen ostafrikanischen Städten bilden diese Frauen das Rückgrat der täglichen Lebensmittelversorgung und der lokalen Wirtschaft. Gestützt auf Michel Foucaults Konzept von Macht und Wissen werde ich aber auch diskutieren, wie westlich geprägte Formalisierungsideale die originären Überlebensstrategien der urbanen Gemeinschaften absenken. Zugleich werde ich versuchen, einen differenzierten Blick auf potentielle Lösungspfade zu skizzieren. Dabei werde ich den Ansatz der gemeinschaftlichen Wissens-Ko-Produktion, welches ich der ‘Transdisciplinary Knowledge Co-Production’ nach Marrengane und Croese1 sowie Kareem und Kolleg*innen2 entlehne, mit anbinden. Mein Interesse an diesem Essay ist es, die Erfahrungen der lokalen Landwirt*innen und Graswurzelbewegungen zunächst anzuerkennen und dann dezidiert ins Zentrum politischer Entscheidungsfindung zu rücken. Zudem sollen diese Überlegungen dazu anregen, das Thema der epistemischen Gerechtigkeit in Bezug auf afrikanische Ernährungssysteme zu reflektieren, und dazu ermutigen, weitere Argumente für den Widerstand gegen einen technologischen Imperialismus zu sammeln, welcher erheblich lokale afrikanische Gemeinschaften untergräbt.

forethought

Der kenianische Sektor für städtische und stadtnahe Landwirtschaft (kurz UPA) hat sich zu einem vielschichtigen räumlichen und sozioökonomischen Bereich geformt. Seine zahlreichen Überlebenspraktiken spielen eine essenzielle Rolle, insbesondere für die städtische Bevölkerung in Armut. Mitsamt Praktiken wie der Produktion, dem Konsum, der Verarbeitung und der Vermarktung von Feldfrüchten und Vieh innerhalb oder am direkten Rande der Stadtgrenzen.3 Zu den Innovationen gehören unter anderem kleinbäuerlicher Anbau und Viehzucht auf öffentlichem und umstrittenem Land4 sowie spezialisiertere Methoden wie Sackgärten, netzunabhängige Hydrokultur, Mikrogärten, Kaninchenzucht und Rinderzucht.5 Bezüglich der städtischen Armut artikulieren Hendriks und Babu,6 dass dies funktionale, aber kritische Praktiken sind, die den Armen einerseits ermöglichen, lokale Ressourcen zu mobilisieren oder Lebensmittelwertschöpfungsketten zu verkürzen, und andererseits die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaft inmitten fehlender staatlicher Infrastruktur zu erhöhen. Während ältere Schätzungen darauf hindeuten, dass UPA von etwa 10 bis 25 Prozent der städtischen kenianischen Armen praktiziert wird,7 sind heutige Schätzungen deutlich vorsichtiger. In Rückgriff auf den Bericht des Kenya National Bureau of Statistics8 über die Landwirtschaftszählung in Kenia scheint es erhebliche Datenlücken innerhalb der kenianischen staatlichen Planungsinstitutionen zu geben. Der Bericht sensibilisiert dafür, dass das landwirtschaftliche Engagement in der Vergangenheit hauptsächlich anhand von Definitionen des Landbesitzes und der kommerziellen Vermögenswerte bewertet wurde, was jedoch die städtischen Landwirtschaftsstrategien armer Gemeinschaften in der Realität kaum widerspiegelt. In diesem Sinne dürfte es unklar sein, wie viele Menschen UPA praktizieren. Somit ist der UPA-Sektor in den kenianischen Regionen womöglich volatil und bedarf weiterer Untersuchung, wie im eben zitierten Bericht bereits festgestellt wird. Mit diesem Essay versuche ich einzukreisen, wie die Wechselwirkungen zwischen lokalen oder vermeintlich informellen Überlebensstrategien und den Vorschriften transnationaler Governance-Institutionen ausbuchstabiert werden könnten. Nationale Regierungen und internationale Organisationen (IOs) gestalten die UPA-Governance typischerweise durch Top-down- oder evidenzbasierte Politikansätze (EBP).9 Im Bereich der Stadtplanung setzen somit staatliche Beamte nationale Entwicklungsrichtlinien wie die Kenya Vision 2030 und regionale ökologische Verpflichtungen wie die African Forest Landscape Restoration Initiative (AFR100) um, um die Stadtentwicklung zu fördern.10 Innerhalb des Agrarsektors wird die Produktion zunehmend durch landwirtschaftliche Modelle wie das integrierte Bodenfruchtbarkeitsmanagement (ISFM) sowie durch die Einführung freiwilliger Nachhaltigkeitsstandards (VSS) wie GlobalGAP reguliert, die globale Marktprüfungskriterien für lokale Wertschöpfungsketten festlegen.11 Gleichzeitig kann die Digitalisierung dieser Netzwerke durch Initiativen der Informations- und Kommunikationstechnologien für Entwicklung (IKT4D) vorangetrieben werden, die darauf abzielen, landwirtschaftliche Praktiken außerhalb des Stromnetzes in sogenannte ‘formelle’ Finanz- und Informationsstrukturen zu integrieren. Sie alle stützen sich dezidiert auf enge Prüfungskriterien und transnationale Akteure, anstatt auf die unterschiedlichen Realitäten der städtischen Gemeinschaften. Laut jüngsten Studien haben viele mit Erfahrungen wie unvorhersehbaren Preissprüngen oder ‘informellen’ Marktabhängigkeiten zu kämpfen, was ihren Zugang zu Lebensmitteln maßgeblich reguliert.12 Außerdem werden Basisbewegungen sowie Aspekte ökologischer Pflegearbeit meist abgesenkt. In diesen Kontexten wird UPA weithin als technisches Problem dargestellt, anstatt als Frage, wie Menschen innerhalb ihrer gegebenen Umgebung ihren Lebensunterhalt verdienen.13 In diesem Zusammenhang könnten evidenzinformierte Politikansätze von unten nach oben (EIP), also Bottom-up, wie z. B. die transdisziplinäre Wissens-Ko-Produktion, eine wichtige Rolle bei der Einbeziehung lokaler Gemeinschaften oder Kleinbäuer*innen in die politischen Entscheidungsprozesse spielen. Während Bottom-up-Ansätze lokale, qualitative Daten und Erfahrungswissen darstellen, welche von lokalen NGOs, Universitätsforschenden und städtischen Gemeinschaften generiert werden. Ergeben kürzliche Untersuchungen, dass jene in politischen Prozessen unterrepräsentiert sind.14 Obendrein werden Top-down-Ansätze häufig von externen Expert*innen und großen Unternehmensberatungsfirmen (LMCFs) beeinflusst, wobei die Vielfalt der städtischen und stadtnahen Landwirtschaftsgemeinschaften tendenziell ignoriert wird.15 Um dieses Ungleichgewicht deutlicher zu formulieren, greife ich, wie schon erwähnt, auf Michel Foucaults Konzept von Macht und Wissen zurück. Ich beziehe dies auf die Frage, wie sich Daten aus Wissensgemeinschaften im kenianischen UPA-Sektor auf die Produktion von Wissen und Wahrheit auswirken. Das heißt, zunächst werde ich analysieren, ob diese Daten zur Untersuchung und Normalisierung von Urteilen genutzt werden können. Zweitens werde ich abtasten, ob sie verwendet werden können, um Autorität über Wahrheiten zu erlangen und zu definieren, was eigentlich eine gültige landwirtschaftliche Entwicklung ausmacht.16 In einem weiter gefassten Bezugssystem zeige überdies auf, dass der Komplex von Macht und Wissen mit der Theorie der Stärke schwacher Bindungen (SWT) verwoben ist.17 Ich argumentiere, dass es wahrscheinlich ist, dass globale Entwicklungsnetzwerke, internationale Organisationen und nationale Akteur*innen das Erfahrungswissen lokaler Akteur*innen übersehen. Sie nutzen meist Top-down-Ansätze als Mittel der Macht und des Wissens, insbesondere unter dem Einfluss neoliberaler Marktparadigmen. Daraus ergibt sich für meine Analyse die Annahme, dass externem Fachwissen mehr Bedeutung beigemessen wird als lokalen Bauernnetzwerken, und die lokale Anpassungsfähigkeit wird zugunsten standardisierter globaler Kriterien strukturell unterbewertet. Zudem binde ich hier die Notwendigkeit an, den Kern dieses Problemkomplexes mit folgenden Fragen zu rekapitulieren: Wie wenden transnationale Wissensgemeinschaften standardisierte Metriken an, um Netzwerkverbindungen umzustrukturieren und lokale Expert*innenurteile im kenianischen Sektor für stadtnahe und städtische Landwirtschaft zu marginalisieren? Und wie können Bottom-up-Ansätze wie die Wissens-Ko-Produktion genutzt werden, um diese Machtverhältnisse zu rekonfigurieren und die vielfältigen Realitäten der UPA-Gemeinschaften zu zentralisieren? Dieser Essay setzt sich somit mit einer spezifischen empirischen und theoretischen Lücke auseinander, die die epistemologischen Beziehungen der globalen Agrarpolitik betrifft.

theorien

Zur grundbegrifflichen Klärung schärfe ich zunächst den theoretischen Unterbau meiner Arbeit. Um ein besseres Verständnis der Situation lokaler Akteur*innen im kenianischen UPA-Sektor zu erlangen, verwende ich Michel Foucaults Konzept von Macht und Wissen sowie die Idee der Stärke schwacher Bindungen (SWT). Foucaults Macht- und Wissenstheorie kann, in raschen Zügen, als Macht definiert werden, die nicht nur mächtig ist, sondern auch als dezentrale Produktivkraft interpretiert werden kann, die in gesellschaftliche Kontexte eingebettet ist und soziale Beziehungen durch Diskurs und Wissenspraktiken prägt.18 Zusätzlich argumentiert Vrielink, dass dieser Prozess spezifische ‘Wahrheitseffekte’ und ‘Regeln des Richtigen’ hervorbringt, die anschließend die Grenzen dessen bilden, was als akzeptables, normales oder wissenschaftlich gültiges Verhalten gilt. Dieses Konzept wird dezidiert dafür verwendet, die kenianische Agrarpolitik und transnationale Wissensgemeinschaften zu untersuchen. Also konkret werde ich der Frage nachgehen, wie jene strukturiert sind und wie sie Top-down-Ansätze als Regulierungsmechanismus nutzen. Wer entscheidet in dieser Frage über die Definition von Expert*innenwissen? Wie werden durch neoliberale wirtschaftliche Rationalität und das Effizienzstreben das Verhalten und die Meinungen der politischen Entscheidungsprozesse geprägt? Die SWT-Theorie, basierend auf Granovetter19 geht davon aus, dass Verbindungen maßgeblich dafür verantwortlich sind, wie man in einem Netzwerk neue Informationen lernt. Zusätzlich beeinflusst die Fähigkeit institutioneller Ressourcen, den Wissensaustausch zu fördern, die Wirksamkeit eines Netzwerks. Granovetter argumentiert, dass sich ‘starke Bindungen’ auf dicht vernetzte Netzwerke beziehen, die aus kollektiv verwandten Akteuren bestehen, die regelmäßig interagieren. Und ‘schwache Bindungen’ beziehen sich auf minimale Interaktion über Netzwerkgrenzen hinweg. Der wesentliche Punkt dieser Theorie ist die Annahme, dass Informationen, die innerhalb dichter, eng verbundener Gruppen zirkulieren, häufig redundant werden, während schwache Bindungen hilfreich sind, weil sie starke Bindungen mit neuen Erfindungen versorgen. Adolwa20 modifizierte diese Idee, um sich auf den relationalen Aspekt disziplinarischer Macht zu beziehen, indem er zeigte, wie institutionelle Akteure externe Verbindungen als direkte Kanäle nutzen, um standardisierte Prüfkriterien festzulegen und so Erfahrungswissen innerhalb lokaler Netzwerke abzusenken. Ich werde diese Theorie in der folgenden Diskussion nutzen, um aufzufächern, wie beide Formen von Bindungen die Netzwerkwirkung bei der Förderung von Lernen und Innovation im Kontext der UPA-Politikgestaltung prägen.

Diskussion

Regierungen, die evidenzbasierte Praktiken (EBP, also Top-down-Ansätze) umsetzen, die von großen Unternehmensberatungsfirmen beeinflusst sind, verfolgen durchaus ein vernünftiges Ziel. Angesichts des schnellen Bevölkerungswachstums in Städten wie Nairobi ist dies ein wichtiges politisches Feld im Kampf für globale Lebensmittelsicherheit. Dennoch gibt es Bedenken, dass solche Beratungsfirmen die epistemologischen Hierarchien selbst innerhalb der transnationalen Verwaltung prägen können. Morgan und Kolleg*innen21 fanden heraus, dass Unternehmensberatungsfirmen innerhalb eines Paradigmas der technischen Neutralität arbeiten, das disziplinarische Macht ausübt, indem es öffentliche politische Lösungen fast ausschließlich durch eine neoliberale Marktlogik konstruiert. Unter dem Deckmantel der Neutralität drängen sie auf Privatisierung und private Gewinnchancen anstelle staatlicher Interventionen. Um diesen Einfluss innerhalb von Governance-Netzwerken zu festigen, stützen sich die großen Unternehmensberatungsfirmen auf soziale Netzwerke der Elite und die kontinuierliche Zirkulation von Personal. Die Autor*innen erklären weiter, wie diese Unternehmen strategisch ‘Drehtüren’ und die Platzierung von Mitarbeitenden in Regierungs- und Regulierungsstrukturen einsetzen, eine Praxis, die die Autoren als ‘Doppelzüngigkeit’ bezeichnen.22 Sie legen nahe, dass Berater direkt an der Konstruktion von politischen Problemen innerhalb staatlicher oder transnationaler Institutionen beteiligt sind, um dann sogar bezahlte Beratungsdienste für die Organisationen zu erbringen, die von genau den Vorschriften betroffen sind, die sie mitgestaltet haben. Dieser institutionelle Mechanismus schränkt die partizipative Entscheidungsfindung ein und stellt sicher, dass die Politikgestaltung weiterhin übermäßig auf externe Beratungsleistungen anstatt auf horizontale Debatten angewiesen ist. Während Adolwa und Kolleg*innen23 solche schwachen Bindungen als primäre Kanäle für den Transfer sogenannter Stand-alone-Technologien in Umgebungen mit begrenzter Information sehen, neigen globale Wissensgemeinschaften dazu, diese Verbindungen zu instrumentalisieren, um Autorität über räumliche und landwirtschaftliche Wahrheiten zu erlangen. Im ostafrikanischen Stadtplanungssektor, insbesondere bei der Ausarbeitung der Strategie Kenya Vision 2030, beobachtet das Forscherteam um Cairns,24 wie dieses Verfahren über die internationale Unternehmensberatung McKinsey & Company abläuft. Es kritisiert dieses Vorgehen scharf als ‘Business-Consultancy-Urbanismus’,25 der hauptsächlich auf ausländische Investor*innen abzielt, um den Status einer globalen Stadt abzusichern. Überträgt man dieses Konzept auf den Sektor der städtischen und stadtnahen Landwirtschaft, wird deutlich, dass diese standardisierten Planungsvorlagen sowohl auf globale Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet sind als auch lokale Ernährungs- und Agrarsysteme methodisch ausschließen.26 Regierungen und Stadtplaner*innen, die von solch modernistischen Vorstellungen geleitet werden, erkennen urbane Landwirtschaft häufig nicht als angemessene Nutzung des städtischen Raums an, da sie diese Praktiken als rückständig oder inhärent ländlich interpretieren.27 Infolgedessen finden städtische Kleinbäuer*innen, lokale Lebensmittelhändler*innen sowie vermeintlich informelle Anbaumethoden in diesen Stadtvisionen keinen Platz. Sie werden stattdessen marginalisiert, kriminalisiert oder durch von oben herab veranlasste Infrastruktur- und Aufwertungsmaßnahmen von ihren Flächen vertrieben.28 Der ‘Business-Consultancy-Urbanismus’ opfert somit die Funktionsfähigkeit der Stadt – das heißt die Sicherung existenzieller Lebensgrundlagen und der Ernährungssicherheit für die städtische Armutsbevölkerung durch UPA – für die symbolische Macht einer Metropole, deren Infrastruktur vorrangig auf die Anwerbung ausländischer Investoren ausgerichtet ist.29

Bei der Betrachtung des kenianischen Agrarsektors wurden ähnliche Mechanismen durch die digitale Transformation beobachtet, die beispielsweise durch Initiativen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien für Entwicklung (IKT4D) vorangetrieben wird.30 Vrielink argumentiert, dass insbesondere Technologieentwickler und internationale Organisationen ihre digitalen Plattformen nutzen, um lokale Landwirte als passive Empfänger darzustellen, denen die notwendige technische Kapazität fehlt. Folglich verwerfen diese externen Akteure indigene agroökologische Praktiken. Um nur einige zu nennen: natürliche Befruchtung, die Anwendung von lokal gewonnenem organischem Dünger oder Zwischenfruchtanbau zur Durchsetzung einer Governance-Strategie, die hauptsächlich das Wachstum fördert.31 Vrielink32 beschreibt expliziter, wie diese Anwendungen genutzt werden, um spezifische marktorientierte Anbauentscheidungen zu regulieren, während der Kreditzugang direkt an den Kauf synthetischer Inputfaktoren gebunden wird. Wenn man über die Auswirkungen auf das Verhalten der Kleinbauern nachdenkt, scheint diese Technologie ein Werkzeug zu sein, um ihre Denkweise darüber zu formen, welche Anbauverfahren angemessen sind. Zugleich schafft es eine Abhängigkeit von einzelnen Technologien, was das Potenzial hat, ihre landwirtschaftliche Erfahrung zu untergraben und das kollektive Lernen komplexer lokaler Systeme zu stören. Die Autor*innengruppe um Adolwa33 führt hier die Idee des integrierten Bodenfruchtbarkeitsmanagements ein. Im Gegensatz zu einem einzelnen Produkt ist jenes Bodenfruchtbarkeitsmanagement eine vielfältige landwirtschaftliche Managementpraxis, die von den Landwirten verlangt, mineralische Dünger mit organischen Zusätzen wie lokal angepasstem Kompost oder Sheabutterresten zu kombinieren. Was das integrierte Bodenfruchtbarkeitsmanagement zu einem günstigeren Ansatz machen könnte, ist, dass es von den Landwirten verlangt, diese Praktiken zu überdenken, um mit ihren gegebenen mikroökologischen Grenzen umzugehen. In Regionen wie dem Kakamega-Wald in Kenia umfasst diese strukturelle Anpassung den Bau von Terrassen und die Anwendung von Landwirtschaftskalk zur Kontrolle starker Bodenversauerung und schneller Oberbodenerosion.34 Ähnlich verhält es sich mit den in Nairobi angewandten Methoden der städtischen Subsistenz, darunter das netzferne Sackgärtnern, mehrstöckige Gärten und gemeinschaftlich verwaltetes Kompostieren, die auf dem ständigen Austausch von Erfahrungswissen innerhalb von Landwirtschaftsnetzwerken beruhen.35 Dennoch stellten Kareem und Mitforschende36 fest, dass Regierungsbeamte und internationale Wissenschaftsförderer Lösungen bevorzugen, die mit der globalen Politik übereinstimmen, während erfahrene Akteure aus der Gemeinschaft unvertreten bleiben. Ausgehend vom spezifischen Bereich der Stadtplanung könnte der Mechanismus, auf den sich Kareem et al. beziehen, als das interpretiert werden, was Kamete37 als „Fetisch der Formalität“ bezeichnete, der durch eine administrative Besessenheit der Stadtbehörden mit westlichen Idealen der Modernität angetrieben wird. Was informelle sozioökonomische Infrastrukturen, die die städtische Bevölkerung versorgen, marginalisiert.38

Im räumlichen Kontext von Nairobi macht Opanga (2025) sichtbar, wie Staatsbeamte die Idee von Macht/Wissen durch global zirkulierende Politiken wie die African Forest Landscape Restoration Initiative oder die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) umsetzen. Er schlägt vor, dass diese Agenden fast ausschließlich durch Top-down-Ansätze durchgesetzt werden, die als Regulierungsinstrument fungieren, das eine einzige Erzählung der urbanen Modernität etabliert. Gleichzeitig werden Regionen wie Kasarani oder Korogocho als räumliche Andere behandelt, die Formalisierung oder sogar Verdrängung erfordern.39 Zum Beispiel legen Hering und Kohrs dar, wie Händler mit frischen Produkten, wie Mama Mbogas, tatsächlich auf starke Netzwerke angewiesen sind, um kritischen Zugang zu Lebensmitteln zu verteilen und flexible Kredite während extremer wirtschaftlicher Schocks bereitzustellen. Infolgedessen kategorisieren Beamte oder staatlich geförderte grüne Stadtentwicklungsprogramme, wenn sie standardisierte Daten von externen Netzwerken übernehmen, diese informellen Räume nicht nur als wissenschaftlich unzureichend, sondern untergraben auch die starken relationalen Räume, die für die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaft benötigt werden. Darüber hinaus spiegeln sich ähnliche Misshandlungen in der Steuerung von landwirtschaftlichen Lieferketten wider, beispielsweise durch freiwillige Nachhaltigkeitsstandards (VSS) wie GlobalGAP.40 Bezüglich der spezifischen Rolle von Hygienekontrollen betonen Krauss und Krishnan, dass diese Parameter die grundlegende Architektur der GlobalGAP-Zertifizierung bilden. Diese entstand Ende der 1990er Jahre aus EU-Gesetzgebungsrichtlinien zur Lebensmittelsicherheit. Die Standards setzen Hunderte von strengen Compliance-Kriterien durch, wie z. B. Spritzpläne für Pestizide oder hygienische Handhabung. Tatsächlich führen diese Interventionen zu einer lokalisierten Form des sozialen Aufstiegs. Landwirte innerhalb des Kandara-Netzwerks erhalten eine spezielle Schulung zu Gesundheits- und Sicherheitsprotokollen, wie z. B. der korrekten Verwendung von Schutzkleidung bei chemischen Anwendungen, wodurch sie ein erhöhtes Bewusstsein für ihr persönliches Wohlbefinden entwickeln. Doch diese strenge Ausrichtung auf hygienische Gültigkeit scheint ein Ausschlussfaktor zu sein. Am wichtigsten ist, dass Krauss und Krishnan betonen, dass lokale Produzenten, wenn sie diese teuren Kriterien nicht erfüllen können, ohne transparente Erklärung Ablehnung erfahren (durch Raten, die auf bis zu 15 Prozent steigen). Sie unterliegen auch Kurzzeitverträgen, die weniger als ein Jahr dauern können und keine finanzielle Sicherheit gegen Klimaextreme bieten. Was sehr entscheidend ist, denn diese Veränderungen gehen Hand in Hand mit der Anpassung der Landwirte an den Monokulturanbau, was die Bodenqualität erschöpft. Daher nimmt die Anpassungsfähigkeit lokaler Lebensmittelsysteme ab, was zahlreiche Landwirte dazu zwingt, ihre Produkte strategisch auf regionale, informelle Märkte zu schicken, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.41 Folglich überlagern die verwendeten Kriterien indigene ökologische Praktiken und Wissensproduktion. Darüber hinaus zeigen diese Beispiele, wie wichtig lokale Gemeinschaften für den Erhalt der Überlebenswirtschaft der jeweiligen Regionen sind und wie diese Konflikte ökologische Krisen wie den Klimawandel maßgeblich beeinflussen. Obwohl diese Kennzahlen zur Marginalisierung lokaler Praktiken führen können, muss anerkannt werden, dass EBP eine zentrale Regierungsfunktion erfüllen, da staatliche Behörden und multilaterale Institutionen sich auf standardisierte Daten verlassen, um Finanzplanungen durchzuführen oder die grenzüberschreitende Lebensmittelsicherheit zu regulieren.42

Im Folgenden verlagert sich der Fokus von den EBP-Kritiken darauf, wie kenianische Basisorganisationen zunehmend zu standardisierten Widersprüchen führen. Um diese Widersprüche zu vermeiden, werden in der folgenden Untersuchung Bottom-up-Initiativen etabliert, die in der Theorie der transdisziplinären Wissensko-Produktion verankert sind. Laut dem Forschungskonsortium um Kareem oder Marrengane und Croese43 könnte dieser Ansatz eine gute Grundlage für die Bewertung verschiedener politischer Alternativen für die Zukunft sein. Während Basisinitiativen in Kenia lebendig und hilfreich sind, um die Widerstandsfähigkeit städtischer Gemeinschaften aufrechtzuerhalten, argumentieren Cartwright und Opanga,44 dass die Fähigkeit der Basis, die Politikgestaltung zu beeinflussen, weiterhin eingeschränkt ist. In Nairobi zum Beispiel erklärt Opanga, dass Jugendgruppen in der Siedlung Korogocho degradierte Mülldeponien zurückgewinnen, um öffentliche Parks zu bauen. Einerseits widerstehen diese Parks der staatlich geführten grünen Gentrifizierung, andererseits bringen sie viele Innovationen hervor. Später reichen die Aktivitäten von der Durchführung von Flussreinigungen über das Pflanzen von Bäumen bis hin zur Wiederverwendung recycelter Materialien, um Überschwemmungen zu verringern. Interessanterweise weist Opanga darauf hin, dass diese Jugendgruppen globale Nachhaltigkeitsmodelle wie die African Forest Landscape Restoration Initiative zu übernehmen scheinen und diese von oben nach unten festgelegten Ziele der Agrarforstwirtschaft in städtische Anbaumethoden umsetzen. Dieser Ansatz geht weit über Umweltfragen hinaus und zeigt, dass diese Gemeinschaften sie mit Geschlechtergerechtigkeit verbinden, indem sie marginalisierte Frauen, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen in ökologische Führungsrollen integrieren. Parallel dazu verbessern sie durch Selbsthilfegruppen die Rechtskenntnisse, insbesondere im Bereich des Landrechts, um die Landnahme durch die Elite zu blockieren und räumliche Ausgrenzungen durch den Staat zu untergraben. Dennoch betont Opanga, dass die Gruppen, anstatt diese Gemeinschaftsinterventionen in die Stadtplanung zu integrieren, vom Staat als informell abgetan werden, weil sie angeblich von formalen Planungsstandards abweichen. Dieser Drang nach Formalität, so schließt er, dient einem bestimmten Zweck. Es kennzeichnet selbstverwaltete Gemeinschaften als unbefugte Bereiche, was die rechtliche Grundlage für Räumungen und die Aneignung von Land durch Eliten unter dem Vorwand des Umweltschutzes liefert. Wie im Fall der Mama Mbogas haben Hering und Kohrs45 gezeigt, wie diese Handelsnetzwerke notwendige soziale Sicherheitsnetze bieten, aber mit der regulatorischen Logik der Stadtplanung kollidieren. Sie legen nahe, dass Stadtbehörden, wenn sie versuchen, netzferne Infrastrukturen zu verwalten, wahrscheinlich eine gegensätzliche Haltung einnehmen, die sich auf Formalisierung konzentriert. Darüber hinaus stellen sie fest, dass sich politische Maßnahmen wie die Nairobi Urban Food System Strategy weitgehend auf Besteuerung und Hygienestandards konzentrieren. Aber weil diese Händler beispielsweise nicht das Kapital haben, um in Kühltransporte zu investieren, sind sie gezwungen, umzusiedeln, oder verlieren sogar ihre Arbeitsplätze. Wiederum wird die Dichotomisierung von Formalität/Informalität als Regulierungsinstrument eingesetzt, das dem Staat und den Eliten gleichermaßen Raum gibt, Vertreibung und Landraubpraktiken zu legitimieren.

Doch bevor man darüber nachdenkt, wie dieses Problem gelöst werden kann, ist es wichtig zu betonen, dass es keine Einheitslösung für dieses Thema gibt. In den folgenden Abschnitten wird das Verfahren der transdisziplinären Wissens-Ko-Produktion diskutiert. Marrengane und Croesse46 befürworten diese spezifische Theorie, da sie feststellten, dass sie Forscher, Regierungsbeamte und lokale Gemeinschaften zusammenbringt, um gemeinsam zu arbeiten und gleichzeitig die alltäglichen Erfahrungen der Stadtbewohner in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt. Die Autor*innen zeigen insbesondere, wie dieses Forum autonome Basismechanismen, wie die Landbesetzung in der Siedlung Kiandutu in Kenia als Überlebensstrategie, dokumentiert und legitimiert. Zum Beispiel verhandeln staatliche Behörden und Stadtbewohner auf diesen Foren konkrete Landteilungsvereinbarungen, indem sie umstrittene Gebiete aufteilen, um den Siedlern rechtlichen Besitz zu sichern, während sie kommerzielle Teile an private Landbesitzer zurückgeben. Ähnlich integrierte dieser Prozess Schritt für Schritt „informelle“ Lebensmittelhändler in städtische, marktkontrollierte Strukturen und ersetzte gegnerische Räumungsforderungen durch kollektive Governance-Strukturen. Zusätzlich zeigt Gore,47 wie NGOs zunehmend als Grenzorganisationen fungieren. Anstatt sich auf kurzfristige Interventionen zu konzentrieren, gründeten Institutionen wie das Mazingira Institute in Kenia das Nairobi and Environs Food Security, Agriculture and Livestock Forum (NEFSALF), das darauf abzielte, dauerhafte Verbindungen zwischen städtischen Landwirten und nationalen Landwirtschaftsbeamten aufzubauen. Durch diese Verbindungen konnten lokale Akteure horizontale Allianzen aufbauen, die später nationale politische Veränderungen prägten, wie zum Beispiel die offizielle Anerkennung der städtischen Landwirtschaft im Verfassungsreformprozess Kenias im Jahr 2010. Um nur zwei Änderungen zu nennen: Sie initiierten halbjährliche Schulungskurse, bei denen staatliche Mitarbeiter und benachbarte Landwirte gemeinsam die örtlichen Bewohner in praktischen landwirtschaftlichen Fähigkeiten und auch in politischer Bildung unterrichteten. In einer etwas anderen Richtung stützen sich Kareem und Kolleg*innen48 nicht auf formalisierte Universitätsinstitute für ihre beobachteten Dialoge, sondern analysieren, wie insbesondere Forscher ein bestehendes gemeinschaftsorientiertes Zentrum in der Siedlung Kahawa Soweto als neutralen ‘dritten Raum’ nutzten, um epistemische Ungleichgewichte zwischen akademischen Expert*innen, Staatsbeamt*innen und marginalisierten Menschen auszugleichen. Ihre Haupterkenntnis impliziert, dass, wenn Forscher ihren akademischen Jargon beiseitelegen, Mitglieder der lokalen Gemeinschaft in der Lage sind, ihre Perspektiven mit gleicher Legitimität einzubringen. Schließlich tragen auch Ansätze wie das Projekt Nutrition in City Ecosystems (NICE) in Bungoma und Busia in Kenia zu solchen epistemischen Verschiebungen bei, indem sie multisektorale Lebensmittelplattformen aufbauen, die die lokale landwirtschaftliche Produktion mit städtischen Märkten verbinden.49 Über die Marktintegration hinaus betonen Speich et al. die Bedeutung der Positionierung von Stadtbeamten, Landwirten oder Genossenschaften, Frauenverbänden und Jugendgruppen als Co-Führer in der Lebensmittelpolitik. Mit der Begründung, dass dies vermeidet, die Bewohner als passive Beobachter zu behandeln, und sie in den Kern der landwirtschaftlichen Planung und der Verbesserung der Wertschöpfungskette einbezieht. Alles in allem können diese horizontalen Allianzen und Dialoge legislative Veränderungen sowohl auf nationaler als auch auf lokaler Regierungsebene auslösen. Aber sie erfassen in dieser besonderen Angelegenheit nur ein kleines Bild des UPA-Sektors. Folglich gibt es einen Konflikt zwischen globalen Standards und lokalem Wissen. Es sollte jedoch beachtet werden, dass diese Arbeit auf Sekundärliteratur basiert. Sie ist begrenzt in der empirischen Untersuchung des UPA-Sektors auf seiner mikropolitischen Ebene. Die städtische Realität Nairobis ist jedoch so komplex, dass die Grenzen zwischen Top-down- und Bottom-up-Akteuren verschwimmen können. Informelle Akteure in den Siedlungen passen sich in gewissem Umfang den globalen Nachhaltigkeitszielen an, schaffen Räume und generieren Ressourcen, während formelle Strukturen sich mit informellen Netzwerken überschneiden. Darüber hinaus kann die praktische Umsetzung der transdisziplinären Wissensproduktion (wie im Fall der Projekte Nutrition in City Ecosystems oder des Nairobi and Environs Food Security, Agriculture and Livestock Forum) sehr ressourcenintensiv und politisch schwierig zu steuern sein. In diesem Sinne ist die Absicht nicht, diesen Ansatz zu vereinfachen, indem man ihn als den einzigen Ansatz interpretiert, der für alle Probleme geeignet ist, sondern vielmehr zu untersuchen, wie Top-down- und Bottom-up-Prozesse sich gegenseitig ergänzen können.

Konklusion

Dieser Essay hat eingekreist, dass transnationale Wissensgemeinschaften und die großen Unternehmensberatungsfirmen lokales Expert*innenwissen im kenianischen UPA-Sektor untergraben können. Top-down-Ansätze werden als disziplinarisches Macht-/Wissensinstrument eingesetzt, das externe Daten als möglicherweise einzige gültige Wissensform behandelt, aber gleichzeitig das Wissen und die Überlebensstrategien urbaner kenianischer Gemeinschaften blockiert. Wie in der Diskussion hervorgehoben, stärken staatliche Institutionen die Verbindungen zu externen Expert*innen und Institutionen durch verschiedene Mechanismen erheblich. D. h., die großen Unternehmensberatungsfirmen prägen die Stadtplanung, wie in der Kenya Vision 2030 zu beobachten ist, massiv. Es ist möglich, dass die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien für Entwicklungsplattformen lokale Landwirt*innen als technologisch ungebildet darstellt. Zwar knüpfen die GlobalGAP, welche die freiwilligen Nachhaltigkeitsstandards umfasst, den Kreditzugang dezidiert an die Nutzung synthetischer Inputs und grüner Urbanisierungsprojekte wie die African Forest Landscape Restoration Initiative sowie die Ziele für nachhaltige Entwicklung. Alle Fälle zeigen jedoch, wie insbesondere die Gebundenheit an die externen Standards lokale Bindungen erodiert, die letztlich für das Tagesgeschäft und das Überleben derer, die nun mal in den Städten oder stadtnah leben, notwendig sind. Es ist entscheidend, starke Bindungen als soziale Kontakte, aber auch als existenzielle Überlebensmechanismen zu begreifen. Die Mama Mbogas von Nairobi zum Beispiel verteilen kritischen Zugang zu Lebensmitteln und gewähren sogenannte ‘informelle’ Kredite während wirtschaftlicher Schocks, obwohl die Behörden sie ignorieren. Ähnlich verhält es sich mit Praktiken wie dem integrierten Bodenfruchtbarkeitsmanagement und gemeinschaftsorientierten Innovationen wie Sackgärten, mehrstöckigen Gärten und Gemeinschaftskompostierung, die alle auf Peer-Netzwerken basieren. Somit sind Top-down-Ansätze zunächst ein notwendiges Instrument, das es Regierungen und multilateralen Institutionen ermöglicht, standardisierte Daten für die Finanzplanung und eine bessere grenzüberschreitende Lebensmittelsicherheit zu nutzen. Die strikte Durchsetzung standardisierter Lösungen kann jedoch auch kommunale Netzwerke schwächen und ihre Widerstandsfähigkeit verringern.

Darüber hinaus komme ich auch zu dem Schluss, dass Ansätze wie die transdisziplinäre Wissens-Ko-Produktion fruchtbare Ansätze für breitere zukünftige politische Entscheidungsprozesse konstituieren könnten. Es hat einen erheblichen Einfluss darauf, wie Wissen generiert wird und welche Erfahrungen in politischen Prozessen als gültig anerkannt werden. Das Nairobi and Environs Food Security, Agriculture and Livestock Forum beispielsweise zeigte deutlichst, dass horizontale Allianzen zwischen städtischen Landwirt*innen und nationalen Bürokrat*innen Erfahrungswissen in effektive legislative Änderungen ummünzen können, wie auch in Kenias verfassungsrechtlicher Anerkennung der städtischen Landwirtschaft im Jahr 2010 zu sehen war.50 Ein weiteres Beispiel ist der Einsatz einer Gemeinschaftseinrichtung in der Siedlung Kahawa Soweto in Nairobi durch Forscher*innen als eine Art ‘dritten Raum’, um das epistemische Gleichgewicht zwischen akademischen Expert*innen, Staatsbeamt*innen und marginalisierten Menschen herzustellen. In dem Moment, als die Forscher*innen bewusst auf die akademische Terminologie verzichteten, hatten die Mitglieder der lokalen Gemeinschaft die Möglichkeit, ihre Perspektiven gleichermaßen einzubringen. 51 In jüngerer Zeit haben multisektorale Projekte wie Nutrition in City Ecosystems in Bungoma und Busia dies weitergeführt, indem sie Frauen und Jugendliche aktiv als Co-Partner*innen in der Lebensmittelverwaltung und Wertschöpfungskettenverbesserung positionierten, anstatt sie nur als unbeteiligte Akteure zu betrachten. Die Fallbeispiele legen nahe, dass wirksame politische Inklusion erreichbar ist, wenn etwa die Hierarchien zwischen schwachen und starken Bindungen mittels Koproduktionsansätzen aufgeweicht werden.

Bevor ich zum Schluss komme, ist es wichtig, einige Einschränkungen dieses Essays zu beachten. Die Argumente gründen sich vorwiegend auf Sekundärliteratur und nicht auf empirischen Daten aus erster Hand von UPA-Praktiker*innen in Kenia. Die praktische Anwendbarkeit des Analysevorschlags bleibt in diesem komplexen Kontext daher limitiert, was zugleich den Mangel an Forschung, welche nicht nur Kausalanalysen in diesem Bereich betreibt, widerspiegelt und unterstreicht. Mit anderen Worten: Um umfassendere Aussagen aus diesem Essay zu kondensieren, bedarf es weiterer Überprüfungen.

Konkreter empirischer Forschungsbedarf besteht insbesondere bei der Untersuchung von stadtnah und städtischen Basisinitiativen in ressourcenarmen Umgebungen, wobei das Lernen aus gescheiterten Projekten sowie deren Geschäftsmodellen noch zu stark vernachlässigt wird. Auch bedarf es kontextabhängiger Forschung darüber, wie sich Machtgefälle innerhalb transdisziplinärer und partizipativer Prozesse genau auswirken, um die Marginalisierung lokaler Stimmen zu verhindern. Auf politischer Governance-Ebene ist zudem unzureichend erforscht, woher die verwendeten Informationen für die Stadtpolitiken eigentlich kommen und aus welchen Gründen politisch Verantwortliche bestimmtes lokales Datenmaterial nutzen oder ignorieren. Es fehlen aber auch vergleichende Studien zur Politikentwicklung für stadtnahe und städtische Landwirtschaft, um das Zusammenspiel von lokalen urbanen Dynamiken besser zu fassen. Ich hoffe, mir ist es zumindest ein wenig gelungen, Möglichkeitsräume zu explorieren, die – und das ist entscheidend – nicht der Versuchung partikularer blinder Einheitslösungen erliegen: Um die städtische Nachhaltigkeit und die Resilienz der Gemeinschaft in ostafrikanischen Städten potenziell zu fördern, könnte die lokale und urbane Politikgestaltung in Betracht ziehen, von eng definierten Top-down-Kennzahlen abzurücken. Stattdessen könnte eine breitere Anwendung und Neuevaluierung von Bottom-up-Ansätzen relevant sein, um lokales Erfahrungswissen strukturiert in Entscheidungsprozesse zu integrieren.

abmoderation

Das war's mit der Folge. Bis bald.

Abkürzungen

AGRA Alliance for a Green Revolution in Africa

EBP Evidence-based policy

EIP Evidence-informed policy

ICT4D Information and Communication Technologies

IOs International organizations

ISFM Integrated Soil Fertility Management

LMCFs Large management consultancy firms

NEFSALF Nairobi and Environs Food Security, Agriculture and Livestock Forum

NGOs No-governmental organizations

NICE Nutrition in City Ecosystems

SDGs Sustainable Development Goals

UPA Urban and peri-urban agriculture

VSS Voluntary Sustainability Standards

Referenzen
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Topic Politik

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