Bluesky-Briefing 4/25
Am vergangenen Samstag protestierten Millionen in den USA gegen Donald Trump. Es waren die größten Massenproteste seit Jahrzehnten. Gebt auf Bluesky den Hashtag #noKings ein, und ihr entdeckt zahlreiche Bilder und Videos der landesweiten Demonstrationen. Bluesky ist wichtig für die Proteste; so entstand die #TeslaTakedown-Bewegung aus einem Bluesky-Post (Opens in a new window). Das Tech-Magazin Wired (Opens in a new window) untersuchte, welche digitalen Werkzeuge bei der dezentralen Organisation der Massenproteste (Opens in a new window) sonst noch verwendet wurden.
https://www.wired.com/story/technology-tools-donald-trump-resistance/ (Opens in a new window)eXit jetzt!
Trotz seines Streits mit Donald Trump verbreitet Elon Musk weiterhin rechtsextreme Verschwörungstheorien auf X. Er bemüht sich bereits wieder, sich bei Trump einzuschmeicheln, da seine Firmen stark von Staatsaufträgen und Subventionen abhängen. Wer weiterhin auf X rumhängt, schwächt die Demokratie und macht die Plattform eines Rechtsextremisten mit seinen Beiträgen relevanter.
Oft hört man, man müsse dort „dagegenhalten“. Doch gegen den Algorithmus kann man nicht gewinnen. Elon Musk bestimmt die Regeln, und sein Algorithmus bevorzugt Rechtsextreme. Wenn alle demokratisch gesinnten Menschen X verlassen, wäre Elons X-Hölle nur noch zweites Truth Social und für den politischen Diskurs in Europa weitgehend irrelevant. Schon jetzt überschätzt man die Plattform massiv; in Deutschland nutzte Twitter stets nur eine kleine Minderheit.
„Wenn unsere Aufmerksamkeit auf drei bis fünf von Milliardären betriebene Plattformen konzentriert bleibt, leidet die Demokratie. Bluesky wird von uns allen – für uns alle – geschaffen. Es wird nicht über Nacht geschehen, aber wir schaffen ein freieres Internet, in dem Ihr mitreden und Euer Erlebnis selbst bestimmen könnt“, sagt Rose Wang vom Bluesky-Team. Sie leitet als Chief Operating Officer (COO) das operative Geschäft bei Bluesky und ist die rechte Hand von Bluesky-Chefin Jay Graber. Bluesky PBC ist ein Tech-Start-ups, das von zwei Frauen geleitet wird - schon das ist ziemlich ungewöhnlich.
https://bsky.app/profile/rose.bsky.team/post/3lrgxktkuuk2r (Opens in a new window)Diese unabhängigen Apps für AT-Proto gibt es bereits
Bluesky ist erst 16 Monate alt, aber es hat bereits viel Macht zu den User:innen verlagert. Jeder kann benutzerdefinierte Feeds oder Moderationslabeler erstellen und nervige Trolle mit einem nuklearen Block aus seiner Timeline verbannen. Auf keiner anderen Social Media Plattform hat man so viele Möglichkeiten, sein Social Media-Erlebnis selbst zu gestalten. Außerdem gibt es bereits Dutzende unabhängige Apps von Drittanbietern für das At-Protokoll. TechCrunch hat hier die wichtigsten Apps, die auf dem ATProtokoll aufbauen, aufgelistet (Opens in a new window).
https://techcrunch.com/2025/06/13/beyond-bluesky-these-are-the-apps-building-social-experiences-on-the-at-protocol/ (Opens in a new window)Nutzt Signal oder Threema!
„Keine Werbung! Keine Games! Keine Gimmicks! “ So versprachen es einst die WhatsApp-Gründer Brian Acton und Jan Koum. Doch als Meta 2014 WhatsApp für 14 Milliarden Dollar erwarb, war klar, dass dieses Versprechen bröckeln würde. Mark Zuckerberg hatte ursprünglich zugesichert, keine Nutzerdaten zwischen WhatsApp und Facebook zu teilen. Doch er brach sein Wort, was seinem Konzern in der EU eine Strafe von 225 Millionen Euro einbrachte.
Nun plant der größte Messenger der Welt, personalisierte Werbung einzuführen (Opens in a new window). Diese Anzeigen sollen (vorerst) nur im „Aktuelles“-Tab erscheinen, wo sich WhatsApp-Kanäle und Status-Updates befinden. Die Werbung soll in den kommenden Monaten schrittweise ausgerollt werden.
Obwohl WhatsApp die Kommunikationsinhalte Ende-zu-Ende verschlüsselt, genügen unsere Datenspuren (wer mit wem wann und wo kommuniziert) offensichtlich für personalisierte Werbung. Und nicht nur dafür. „Wir töten Menschen auf Basis von Metadaten“ (Opens in a new window), sagte der frühere NSA-Chef Michael Hayden 2014.
Ein Grund mehr, von WhatsApp zu Signal (Opens in a new window) oder Threema (Opens in a new window) zu wechseln. Noch problematischer als WhatsApp ist jedoch Telegram. Nur die sogenannten „geheimen Chats“ sind dort Ende-zu-Ende-verschlüsselt; für Gruppenchats fehlt diese Option. Zudem erleichtert die gewählte Verschlüsselung russischen Geheimdiensten die Verfolgung (Opens in a new window). Die Chatverläufe von Telegram-Gruppenchats lassen sich übrigens recht einfach herunterladen – selbst wenn man kein Mitglied der Gruppe ist (Opens in a new window).
https://bsky.app/profile/pfrazee.com/post/3lrmywynnnc2l (Opens in a new window)Für vertrauliche Mitteilungen taugen aber auch die Direktnachrichten von Bluesky nicht. Sie sind derzeit nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt, sondern nur während des Transports. Auf den Bluesky-Servern liegen sie unverschlüsselt. Als US-Unternehmen muss Bluesky den US-Behörden Zugriff gewähren, wenn diese es verlangen. Ich empfehle daher, Bluesky-DMs nur zu nutzen, um Signal- oder Threema-Nutzernamen auszutauschen und die Unterhaltung dann in diesen sicheren Messengern fortzusetzen. Auch Bluesky-CTO Paul Frazee (Opens in a new window) empfiehlt, Signal zu nutzen.
Deutschlandfunk-Podcast über Peter Thiel
Der sechsteilige Podcast des Deutschlandfunks über den Paypal-Gründer und Facebook-Investor Peter Thiel (Opens in a new window)erfuhr viel Aufmerksamkeit. Er ist zweifellos gut gemacht und aufwendig produziert. Doch es störte mich etwas, dass der Host ständig seine Gefühle während der Recherche schilderte. Außerdem fielen mir gleich mehrere kleine faktische Ungenauigkeiten und Fehler auf.
Peter Thiel wird als hochintelligent dargestellt, die Autoren scheinen ihn fast für ein Genie zu halten. Doch was man über Thiels Gedankenwelt erfährt, offenbart ein recht schlichtes Weltbild des Tech-Milliardärs. Der Podcast vermittelt jedoch klar, dass der Mann gefährlich ist. Wie fandet ihr den Podcast?
FAIR-Paketmanager für WordPress auf Basis des AT-Protokolls von Bluesky
Die Linux-Stiftung hat FAIR vorgestellt (Opens in a new window), einen Paketmanager für WordPress. Dieses Projekt bietet ein unabhängiges, föderiertes Repository für vertrauenswürdige Plugins und Themes, das Webhoster, Entwickler und Endnutzer im WordPress-Ökosystem anspricht. FAIR nutzt ATProto, um ein dezentrales Repository zu schaffen, und baut auf dem FAIR-Protokoll auf. Es verwendet DID-SPS zur Identifikation und ATProto zur Indizierung. FAIR demonstriert, dass ATProto mehr als ein Microblogging-Netzwerk sein kann.
Weitere Nachrichten aus der ATmosphäre
Blacksky (Opens in a new window) plant eine eigene Client-App. Mit einer eigenen App kann Blacksky Standardwerte wie den Trending-Feed und die Moderation festlegen
Dame (Opens in a new window) hat einen Leitfaden erstellt, wie Organisationen und Firmen Bluesky für Ihre eigene Marke nutzen können.
Das Bluesky-Team will die Darstellung von Threads auf Bluesky verbessern. Komplexe, sehr verästelte Antwort-Threads sind bisher schnell ziemlich unübersichtlich.
ATStudio (Opens in a new window) ist ein neues Tool für Entwickler, um mit ATProto zu interagieren. Es ermöglicht das Experimentieren mit dem Protokoll und das Debuggen von Codepfaden.
BoostBlue (Opens in a new window) ist ein neuer Bluesky-Client für Android und iOS mit Funktionen wie Repost-Muting, Entwürfen und Lesezeichen.
Skylight (Opens in a new window) entwickelt seinen Algorithmus weiter.
Ein Tool für Verlosungen (Opens in a new window) auf Bluesky-Posts.
Ein neuer PDS-Browser (Opens in a new window) mit Retro-Interface.
Das war's für diese Woche. Danke fürs Lesen! Ich freue mich, wenn Ihr das Bluesky-Briefing weiterempfehlt. Ihr könnt dem Bluesky-Briefing (Opens in a new window) und mir (Opens in a new window) persönlich auch auf Bluesky folgen.
Herzliche Grüße,
Yves