Wie ihr wisst, lesen wir alle Nachrichten, die wir von euch bekommen, egal, auf welchem Wege sie uns erreichen. Sei es als DM bei Instagram, als Kommentar unter unseren Videos oder als Nachfrage über unseren Community-Discord-Server. Dabei gibt es ein Ranking an Fragen, die uns immer wieder begegnen. Deshalb widmen wir uns heute der Frage, die auf dem Treppchen ganz oben steht: WIE WERDE ICH SYNCHRONSPRECHER*IN?!
Sesam öffne dich.
Ein Zauberspruch hier, ein wenig „Hex-Hex“ dort, und schon öffnet sich die schwere Tür, hinter der die kuriose Welt der Synchronbranche verborgen liegt. Macht einen Schritt und ihr werdet von den vielen Schatten verschlungen, die hinter dem Mikrofon arbeiten, um Schauspielenden ihre Stimme zu leihen. Einmal hineingelangt, sieht man euer Gesicht nie wieder, sondern erzählt sich nur noch die Geschichten von „boah, die Stimme von XYZ ist sooooo krass! Ich will das auch können!“, womit die nächsten Sehnsüchtigen von dem berüchtigten medialen Schattengewerbe angelockt werden. Ein ewiger Kreislauf des Lebens.
Jetzt mal Butter bei die Fische
Ihr habt es in den Lebensläufen vieler Dice Actors gelesen: ein Großteil der Synchronschaffenden macht das ganze Leben schon nichts anderes. Als Kind entdeckt, bleibt die Leidenschaft, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen, über die Jahrzehnte erhalten und wird zum alltäglichen (Traum)Job. Wieder andere machen eine professionelle Schauspielausbildung und entscheiden sich dann bewusst für die Arbeit im Studio. Ein Quereinstieg ist grundsätzlich möglich, erfordert jedoch viel Ehrgeiz und den Willen, aus dem eigenen Traum Realität werden zu lassen.
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wir würden euch gern schreiben „macht dies und das und ein bisschen hiervon, damit werdet ihr erfolgreich Fuß fassen“. Doch das wäre schlichtweg gelogen. Es gibt keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, denn oftmals gehört ein gutes Timing im Sinne von „zur rechten Zeit am richtigen Ort die richtige Person getroffen“ dazu. Nichtsdestotrotz wollen wir euch im Folgenden ein paar Tipps geben:
1. Erstellt ein aussagekräftiges Show-Reel
Das bedeutet, ihr schneidet ein Best-of an Ton-Aufnahmen von euch zusammen, sogenannte Stimmproben, um euch und eure Stimme in all ihrer Vielfalt zu präsentieren.
2. Erstellt eine Vita in der ihr ein professionelles Porträt von euch präsentiert und in dem ihr Dinge wie Stimmalter (z. B. Rollen von 18–35 Jahren) Sprachen, Akzente und vorherige Schauspielerfahrung und -ausbildung auflistet.
3. Recherchiert, wem ihr eure Stimmproben schicken könnt.
Es gibt in Deutschland ein paar Synchron-Hochburgen: Berlin, München, Hamburg und Köln. Dort gibt es eine große Liste an Synchronstudios. Wer macht dort die Aufnahmeleitung oder wäre eine gute Ansprechperson? Kontaktiert diese Menschen doch mal per E-Mail und stellt euch vor.
Alternativ gibt es diverse Sprecher-Agenturen, die einem nach Anmeldung die Möglichkeit bieten, eure Stimmproben und Lebensläufe online hochzuladen. Aufgepasst! Nicht alle davon sind seriös oder zielführend. Eine bekanntere Plattform ist synchronstar.de (Opens in a new window), die nachweislich von diversen Aufnahmeleitern genutzt wird. Sie ist jedoch mit monatlichen Gebühren verbunden und wird derzeit zunehmend von einer großen Masse an Neuankömmlingen überflutet, was die Wahrscheinlichkeit einer regelmäßigen Auftragslage für jedes einzelne Mitglied natürlich verringern könnte.
4. Kleine Brötchen backen: vom Ensemble zum Hauptcharakter
Habt ihr schon einmal auf Hintergrundstimmen geachtet? Oder auf klitzekleine Nebencharaktere, die etwas sagen? Meistens werden diese Figuren nicht im Abspann einzeln aufgelistet, sind allerdings trotzdem wichtig, um bspw. eine Atmosphäre zu erschaffen. Das sind die Personen, die scheinbar zufällig im Hintergrund – z. B. in einem Krankenhaus – umhergehen und ihren alltäglichen Beschäftigungen nachgehen, was im Film den sogenannten Komparsenrollen entspricht. Es könnte jedoch auch durchaus „Kellner*in Nummer 2“ sein, die der Hauptrolle aus Versehen den Rotwein über den Schoß kippt und somit ein paar kleine, aber entscheidende Einzeltakes generiert.
Ob als Kind, Autodidakt oder als frischgebackener Schaupielschulabsolvent – ALLE haben im Ensemble ihren Anfang genommen. Es ist eine Freude, gemeinsam mit Kollegen in einer Runde zu arbeiten und durch Hintergrundgespräche Szenen zu verfeinern. Dabei lernt man nicht nur oft interessante neue Menschen kennen, sondern gewinnt auch im Handumdrehen Einblicke in die technische Seite des Berufs. Aspekte wie das Setzen von Sprechpausen – wann und wo man sie einlegt, wie man einen Satz mal kürzer, mal schneller spricht, sowie Lautstärke und Aussprachevariationen – gehören zum tagtäglichen Training. Doch auch wenn das alles im ersten Moment etwas überwältigend und einschüchternd wirken mag, lasst euch davon nicht entmutigen. Diese technischen Feinheiten sind bei weitem nicht die anspruchsvollste Seite des Berufs – das Wichtigste und die wahre Herausforderung liegt vielmehr im Schauspiel selbst. Versucht dabei also immer so natürlich wie möglich zu klingen und verzichtet auf sogenannte „Synchronbögen“. Damit bezeichnet man branchen-intern die Art von Singsang, die viele mit deutschen Synchronisationen seit den 1980ern verbinden. Um dem entgegenzuwirken und sich wertvolle Tricks von den Profis abzuschauen, lohnt es sich, bei Aufnahmeleitern und Regisseuren hin und wieder nachzufragen, ob man sich nach oder vor den eigenen Ensemble-Aufnahmen mit in die Regie setzen und als stiller Beobachter dazulernen darf. Nur wenige nutzen heutzutage diese Möglichkeit, doch genau das zeugt von echtem Engagement und bringt euch eurem Traum, hauptberuflich als Synchronsprecher*in zu arbeiten, ein gutes Stück näher.
Schnuppertage, Workshops oder ein gutes Wort einlegen
Es gibt mittlerweile ein riesiges Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten, dazu zählen unter anderem auch Synchronworkshops auf Conventions, obwohl diese nur einen minimalen Mini-Mini-Ausschnitt geben und das Daily Business nicht abbilden können. Doch wo lässt sich am besten die Synchron-Luft schnuppern, wenn nicht dort, wo Synchronis unterwegs sind?
https://www.youtube.com/watch?v=P_kNoJx9HjY (Opens in a new window)Leider können wir nicht jeden einzelnen von euch mit ins Studio nehmen und unsere Connections für euch spielen lassen. Das würden wir zwar gern, jedoch hätten wir wahrscheinlich selbst nach kürzester Zeit Studio-Verbot. :-D
Wenn nicht Synchronsprecher*in, was dann?
Wie ihr wahrscheinlich bereits wisst, ist Synchronsprechen Teamwork. Insgesamt vier Personen sind im Regelfall gleichzeitig im Studio, um die Takes aufzunehmen: Synchronsprecher*in, Dialogregisseur*in, Tonmeister*in und Cutter*in. Außerdem gibt es noch Dialogbuchautor*innen, Übersetzer*innen, Aufnahmeleitungen u. v. m.! Wenn es also mit dem Sprechen nicht klappt, wie wäre es dann mit einem anderen Job in der Synchronbranche? Eine wunderbare Anlaufstelle ist hierfür unter anderem der Synchronverband e.V. die Gilde, welche die Interessen der gesamten Branche vertreten: https://www.synchronverband.de/ (Opens in a new window)
Träume sind da, um gelebt zu werden und wer wirklich an den eigenen Traum glaubt, kann diesen auch erreichen. Mit diesem Glückskeks-Spruch wünschen wir euch einen tollen Start in die Woche und hoffen, wir konnten eure Frage beantworten, wie der Einstieg in die Synchronbranche klappt: mit Eigeninitiative, Fleiß und Ehrgeiz.
PS: Neugierig, welche Fragen uns noch regelmäßig erreichen?
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