Im Berlin des Jahres 1939 wird der machtgierige Untergruppenführer Helmut Wallenberg damit beauftragt, das Edelbordell "Salon Kitty" so umzufunktionieren, dass die dort verkehrenden, ranghohen ausländischen Diplomaten und wichtigen NS-Vertreter aus Militär, Politik und Wirtschaft abgehört und ausspioniert werden können. Er lässt heimlich die Zimmer des Puffs mit Abhöranlagen bestücken. Um sich der Gefolgschaft der Prostituierten sicher zu sein, wird die gesamte Belegschaft entlassen, teils deportiert und durch linientreue BDM-Mädchen ersetzt. Diese sollen die Kunden gezielt nach wichtigen, geheimen Informationen aushorchen und günstige Momente ausnutzen, um eventuell mitgeführte Dokumente abzufotografieren oder durchlesen zu können. Als jedoch die zuvor linientreue Prostituierte Margherita beginnt, kritisch zu denken, und den Mörder ihres geliebten Freiers Hans Reiter erschießt, der aufgrund humanistischer Reden von der SS hingerichtet wurde, drohen Wallenberg die Dinge zu entgleiten.
Der italienisch-deutsch-französische Erotikfilm Salon Kitty wurde 1975 von Tinto Brass gedreht und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Peter Norden. Helmut Berger, Ingrid Thulin und Teresa Ann Savoy spielen die Hauptrollen.
Genau wie Liliana Cavanis Der Nachtportier (1974) gilt Salon Kitty als früher Vertreter des Naziploitation-Kinos, obwohl beide Filme weit entfernt von den rein reißerischen Werken dieses Subgenres sind. Tinto Brass´ Film ist ein teils humorvolles und sehr kritisches Werk mit vielen Musikeinlagen, BDSM-Elementen und der tollen transgressiven Ästhetik der 70er-Jahre.
Gleich zu Beginn des Films sehen wir einige junge Menschen, die sich auf Befehl der SS-Offiziere und im Namen der Wissenschaft dem Gruppensex hingeben. Das ist meines Erachtens die Kernkritik des Films, die Kritik am Massenmenschen. Somit ist Salon Kitty auch heute noch zeitgemäß und politisch relevant, denn ob nun Faschismus, Kommunismus oder kapitalistische Oligarchie, das Menschenbild vom Mensch als Masse existiert bis heute.
Das "Salon Kitty" gab es wirklich. Es handelte sich um ein Wohnungsbordell in Berlin-Charlottenburg, dass von Käthe "Kitty" Schmidt betrieben wurde. In den 1950er Jahren kamen Gerüchte auf, dass im dritten Stock des Gebäudes von 1939 bis 1943 Abhöranlagen angebracht gewesen seien sollen, mit denen prominente Kunden ausspioniert wurden.
https://www.imdb.com/de/title/tt0075163/ (Opens in a new window)