Die Freundinnen Alex und Marie wollen im abgelegenen Farmhaus von Alex´ Eltern ein ruhiges Wochenende mit Lernen verbringen. Doch in der Nacht nach ihrer Ankunft fällt ein brutaler Serienmörder über die Familie her, tötet Vater, Mutter, Bruder und entführt Alex in seinem Kleinbus. Marie kann sich retten und folgt dem Mörder. Dieser hinterlässt eine blutige Spur in der französischen Provinz. Am Ende stehen sich der Killer und Marie, die Rache nehmen will, in einem Kampf um Leben und Tod gegenüber.
Das französische Terrorkino der 2000er-Jahre, auch "New French Extremity" genannt, gebar im Jahr 2003 den ersten der vier großen Filme dieser Welle: High Tension. Der Regisseur des Werks Alexandre Aja startete danach in den USA mit weiteren tollen Filmen wie The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen (2006) und Horns (2013) sowie als Drehbuchautor für P2 - Schreie im Parkhaus (2007) und Alexandre Ajas Maniac (2012) durch. In den Hauptrollen sehen wir Cécile de France als Marie, Maïwenn als Alex und Philippe Nahon als Serienmörder, der bereits in den Filmen Hass (1995), Menschenfeind (1998), Pakt der Wölfe (2001) und Irreversibel (2002) brillierte. Die kontrastreiche Filmmusik von François-Eudes Chanfrault besteht aus minimalistischen und abstrakten Lauten wie Rauschen, Dröhnen und elektrischem Zischen sowie aus fröhlichen Popsongs und harmloser Kaufhausmusik.
In einer Zeit, in der Horrorfilme oft ironisch inszeniert wurden, wollten Aja und seine Co-Drehbuchautor Grégory Levasseur zurück zum Ursprung des Genres und einen Horrorfilm im Stil von Blutgericht in Texas (1974), Halloween - Die Nacht des Grauens (1978) und Maniac (1980) drehen.
Ajas zweiter Langfilm wurde als queerfeindlich bezeichnet, weil er in einer lesbischen Frau einen frauenfeindlichen Killer schlummern ließ. Das erinnert an die Figur des Jame Gumb aus Das Schweigen der Lämmer (1991), die ebenfalls als queer- bzw. transfeindlich bezeichnet wurde. Ich persönlich würde diese mehr als eindimensionale Lesart nicht überbetonen. Für mich ist High Tension vor allem eine Grenzerfahrung mit packender Stimmung, einem verblüffenden Twist, intensiver Musik und guten Schauspielern.
High Tension kann als blutiger Slasher-Film genossen werden, hat aber auch mehr zu bieten. Er war der Beginn von vier außergewöhnlichen Filmen der New French Extremity, der zusammen mit Inside (2007), Frontier(s) - Kennst du deine Schmerzgrenze? (2007) und Martyrs (2008) eine blutige und wahrhaft transgressive Spur in der Filmgeschichte hinterließ.
https://www.imdb.com/title/tt0338095/ (Opens in a new window)