
Die Spiel steht wieder vor der Tür. 1987 waren wir das erste Mal mit eigenem Stand in Essen, macht 38 Jahre Präsenz an allen vier Tagen. Puh, das schlaucht ganz besonders am Sonntag, wenn alles gesehen, alles verkauft und auch der letzte Hype durch ist. Eigentlich sind es sogar fünf Tage für die Knechte, weil wir den Aufbau mitzählen müssen. Im Prinzip ist die ganze Messe reine Routine, auch wenn wir immer mal wieder einen anderen Standplatz hatten und auch unseren Messestand aufgehübscht haben. Dieses Jahr sind wir wieder in Halle 3-H111 in der Nähe von Pegasus. So weit, so bekannt.
Die 2024 noch verwaiste Halle 7 wird jetzt von den Platzhirschen Kosmos und Asmodee belegt. Schmidt Spiele und Ravensburger in Halle 7 erscheinen neben denen wie kleine Lichter, Amigo hält wenigstens noch ein wenig mit. So wandelt sich die Messe mit den Veränderungen in der Branche. Oder eben auch wegen des Besucheransturms. Halle 7 kommt neu dazu, damit mehr Menschen in die Hallen passen. Das war letztes Jahr das Problem, denn längst nicht alle, die wollten, kamen auch herein. Gibt’s deshalb die Karten nur noch online und vorab? Das Kassenpersonal muss sich so das Gemecker nicht mehr anhören. Und vielleicht geht’s ja auch auf, dass alle die wollen, auch wirklich hereinkommen.
Die Spiel zieht noch ein Ass aus dem Ärmel: Dauerkarten sind Vergangenheit! Was früher eine Art Statussymbol für echte Vielspieler war, ist nun perdu. Alle sind jetzt egalitäre Tageskartenkäufer, egal ob Profi-, Familien- oder Wenigspieler. Die Begründung für den Wegfall ist clever. Mancher Dauerkartenbesitzer ist gar nicht an allen Tagen da, aber der Platz für diesen potenziellen Besucher muss freigehalten werden. Das nimmt einem potenziellen Tageskartenkunden den Platz weg. Ist wohl eher so, dass die Messe dadurch Einnahmen verliert, aber das Freihalten hört sich irgendwie besser an. Sei’s drum, Veranstalter der Messe müssen mehr einnehmen. Mehr Angestellte, mehr Fläche, und die Nürnberger Spielewarenmesse e.G. will schließlich mitverdienen und auch den Kaufpreis wieder reinholen. That’s Business! Vordergründig gut verkauftes Business. Jedes Jahr wird’s noch besser werden müssen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Spiel ist eben kein wilder Zirkus mehr.
Ich bin gespannt, ob es nicht doch ein wenig leerer wird. Die Spiel ist längst nicht mehr „der“ Kristallisationspunkt, nicht mehr der einzige Nabel der Spielewelt. Die Konkurrenz durch bislang noch kleinere Veranstaltungen wird größer. Und dort ist es immer noch so wie früher in Essen. Es gibt mehr Platz zum Spielen, alles ist übersichtlicher und hat deshalb Charme. In Essen regiert der Kommerz. Wirklich? Die Szene weiß längst, dass alle guten Spiele später meistens günstiger woanders zu kaufen sind und mancher Hype eben doch nur ein Sturm im Würfeltürmchen ist. Abwarten und woanders spielen ist die Devise. Weniger Kommerz, mehr Vergnügen. V ielleicht sehen wir uns demnächst dort. In Dortmund oder Berlin… ob mit oder ohne Stand ist noch nicht ganz klar.
Euer Harry
P.S.: Wir müssen fürs letzte Heft noch ganz kleine Brötchen backen. So viele Tipp- und Rechtschreibfehler sind uns durchgerutscht, dass ich mich jetzt im Namen aller Knechte entschuldigen muss. Wir geben wieder unsere Bestes, Fehler zu vermeiden. Aber schaffen wir das auch?
Die Spiele dieser Ausgabe sind Made in … 21× China, 3× Germany, 1× France und 1× Poland
Diesem Heft liegt die Promo-Karte Dartmoor-Rennpferd für Mischwald: Dartmoor bei.