Skip to main content

Buckaroo Banzai - Across the 8th Dimension

Physiker, Neurochirurg, Abenteurer und Musiker - das ist Buckaroo Banzai, ein Filmheld wie aus einer irren Comicvorlage, die es nie gab. Denn die Geschichte beruht ursprünglich auf dem auf losen fiktiven Dokumenten fußenden Roman von Earl Mac Rauch, die ich leider nie gelesen habe.

Wie dreht man solch einen Film und wie kommt man überhaupt auf die Idee zu solch einem Wahnsinnswerk? Das fragt man sich die ganze Zeit, wenn man sich dem Film hingibt und nach irgendeiner Art von Sinn sucht. Es scheint, als ob man direkt in eine bereits seit Jahren laufende Geschichte gestoßen wird, ohne Hintergrundinformationen, ohne irgendeine Form von Erklärung. Es gibt keinen richtigen Anfang, denn der ganze Irrsinn rollt direkt auf einen zu und schon ist man gefangen in einem herrlich schrulligen Wirrwarr aus 80er-Jahre-Action, völlig aus dem Ruder laufendem Science-Fiction-Blödsinn und grandios bekloppten Pseudo-Dialogen.

Die Story: Während Buckaroo noch an einem offenen Gehirn herum doktert, wird anderenorts schon sein Überschallfahrzeug bereit gestellt, mit dem er mit Hilfe des Alphalasers in eine andere Dimension vorstoßen will. Nebenbei lädt er seinen Chirurgenkollegen noch schnell ein, bei Buckaroo und seiner Band, den Hong Kong Cavalliers einzusteigen. Der Übergang in die 8te Dimension gelingt, als Buckaroo mit seinem umgebauten Raketenauto durch einen Berg rast. Dort trifft er auf einen Haufen roter Lectroiden vom Planet 10, die man in diese Dimension verbannt hatte.

Die Nachricht über den erfolgreichen Versuch dringt übers Fernsehen auch zu Dr. Emilio Lizardo vor, der von einem der Lectroiden besessen ist, seit er 1938 selbst den ersten Alphalaser erfand und damit in die 8te Dimension vorstoßen konnte. Allerdings nur mit dem Kopf voran durch eine Wand. Der irre Lord Worfin, oberster Anführer der roten Lectroiden, der in Dr. Lizardo feststeckt, bricht aus der Irrenanstalt aus, in der er seit vielen Jahren einsitzt, um seine Alien-Freunde zu rufen. Die machen natürlich Jagd auf den Alphalaser, um damit durch die 8te Dimension zurück zu ihren Heimatplaneten zu fliegen.

Bizarrerweise heißen die Aliens alle John mit verschiedenen Nachnamen, was deren fehlende Kreativität und die grundsätzliche Verblödung schon erahnen lässt. Buckaroo und seine Freunde haben aber noch ein anderes Problem, denn inzwischen sind die schwarzen Lectroiden mit ihrem Raumschiff in die Erdumlaufbahn eingetreten und bedrohen die Welt mit einem Atomschlag, sollte Lord Worfin nicht aufgehalten werden.

Der Film macht sich gar nicht erst die Mühe sich selbst in irgendeiner Form ernstzunehmen. Stattdessen haut er alles raus, was geht und sieht dabei trotz all der bekloppten Kostüm-Ideen und überbordenden 80er-Jahre-Effekte verdammt gut aus. Zudem bietet er einen unglaublichen Cast auf, denn neben Peter “Robocop” Weller als Buckaroo Banzai, spielen auch noch der wunderbar verirrte Jeff “Die Fliege” Goldblum, Ellen Barkin, John Lithgow - herrlich bekloppt als Lord Worfin - und der unerreicht schrullige Christopher “Doc Brown” Lloyd. Dabei sollten aber auch der damals noch fast vollkommen unbekannte Clancy Brown (Kurgan aus Highlander) und der später in Vergessenheit geratene Lewis Smith (Die letzten Amerikaner), der hier als “Perfekt Tommy” mit blond gefärbten Haaren zu sehen ist, auftrumpfen und zwischen dem ganzen Gewusel einigermaßen ernsthaft vorgebrachte Dialoge präsentieren. Was nicht immer gelang, vor allem bei Smith, der ein Grinsen nicht immer unterdrücken konnte.

Als Sci-Fi-Comic-Komödie ist das irrsinnige Werk von Regisseur W.D. Richter (Drehbuch u.a. für Big Trouble in little China) ein Fest für Fans absurder Filme. Im Grunde ist “Buckaroo Banzai - Across the 8th Dimension” ein überbudgetiertes Trashfeuerwerk, dass für reichlich Verwirrung sorgte, als es 1984 in den amerikanischen Kinos anlief (in Deutschland schaffte der Film es gerade mal auf VHS). Dennoch lebt der Film von seiner völlig abseitigen Machart, in der es weder um Sinn noch um Logik geht. Stattdessen bekommt man 103 Minuten lang einen grandios vergeigten Filmspaß, der mit göttlichen Zitaten, dämlichen Einfällen und absurden Szenen jeglichen Rahmen sprengt. Ein heilloses Durcheinander, das für große Augen und entflammte Gehirnwindungen sorgt.

So etwas konnte nur in den 80ern entstehen und trotz aller Widerstände mutierte der Film zum Kultklassiker, den man als Filmnerd gesehen haben muss. Erstens, um es zu glauben, zweitens, um es zu genießen und drittens, um alle Referenzen in “Ready Player One” zu verstehen. Oder um es mit Buckaroo Banzai zu sagen: „No matter where you go, there you are.“

Was bleibt ist das Rätsel um die Melone, aber vielleicht wird das irgendwann in einer Fortsetzung gelöst. Denn immerhin gab es im Abspann eine Ankündigung für einen zweiten Buckaroo Film, der bisher nicht umgesetzt wurde: Buckaroo Banzai versus the World Crime League

Aber darauf dürfen wir wohl noch sehr lange warten, denn aus heutiger Sicht kann man sich kaum vorstellen, dass irgendein halbwegs stabiles Studio sich dieser kruden Filmwelt noch einmal annehmen wird. Schade eigentlich.

Für mich ist Buckaroo Banzai und die 8te Dimension (so der deutsche Titel) ein ganz allein für sich stehendes Meisterwerk des 80er-Jahre Kinos. Die Effekte sind auf dem damaligen Stand der Technik, die filmische Umsetzung kann sich absolut mit vielen anderen Werken dieser Zeit messen und obenauf gibt es einen unerreicht schrägen aber auch sehr eingängigen Synthesizer-Soundtrack mit dazu passender Buckaroo-Hymne. Ein nostalgisch abdriftender Blick zurück in eine nahezu unschuldige Zeit, als sich mutige Filmschaffende aufmachten, um dem Kino einen ganz eigenen Glanz zu verleihen. Als Filme wie “The Terminator” oder “Ghostbusters” ohne Rücksicht auf Verluste entstanden und eine ganze Generation von Kinogänger:innen begeistern konnte.

Und natürlich steckt der Film voller Anschlussfehler, reißt gewaltige Logiklöcher auf und macht weder vorne noch hinten irgendeinen Sinn. Was aber vollkommen egal ist, denn Buckaroo Banzai wirkt bis in die Haarspitzen, als ob man sich eine Überdosis Sci-Fi reingezogen hätte.

5 von 5 Melonen