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Danke BLWG und ein Appell an alle

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt Lernorte, die mehr sind als Räume mit Tischen, Stühlen und PowerPoint-Folien. Orte, an denen Bildung nicht nur vermittelt, sondern gemeint wird.

Meine derzeitige Fortbildung zur Audioberaterin beim BLWG in Nürnberg ist ein solcher Ort.

Was ich hier erfahre, ist nicht bloß fachliche Exzellenz – sie ist ohnehin gegeben –, sondern etwas sehr viel Fundamentaleres: eine Haltung. Eine, die den Menschen nicht erst im Nebensatz entdeckt, sondern ihn zum Ausgangspunkt macht. Herzlichkeit bei den Dozentinnen und Dozenten, Zugewandtheit bei den Mitarbeitenden, eine Atmosphäre, die Teilhabe nicht erklärt, sondern stillschweigend praktiziert.

Ich bin hier nicht „mitgedacht“.

Ich bin mit gemeint.

Als CI-Trägerin bin ich auf Technik angewiesen, um Vortragsinhalte nicht nur zu erahnen, sondern tatsächlich zu verstehen. Und genau hier geschieht etwas, das in seiner Selbstverständlichkeit beinahe berührt: In den Schulungsräumen ist eine Ringschleife verlegt. Ich nutze die Tele-Spulenfunktion meiner Cochlea-Implantate – beidseitig – und plötzlich wird aus Hören ein räumliches Erleben. Stereo-Verstehen. Klarheit. Ruhe. Präsenz.

Ich kann hier alle Inhalte wunderbar erfassen. Vorne ein großer Bildschirm, der sämtliche Inhalte zusätzlich visuell trägt. Vor mir ein Handout, das Sicherheit gibt, Struktur, Orientierung. Und in der größten Not ist immer jemand greifbar – jemand, der Gebärdensprache beherrscht oder in Gebärdensprache sozialisiert ist, weil er selbst gehörlos ist.

Kein Improvisieren.

Kein Erklären-Müssen.

Kein permanentes Hoffen, dass es „irgendwie schon gehen wird“.

Hilfe, Unterstützung und Zusammenhalt werden hier großgeschrieben – aber nicht als Extra, nicht als Extrawurst, nicht als wohlmeinende Sonderleistung. Niemand zeigt mit dem Finger darauf. Niemand macht ein Etikett daraus. Es wird hier gelebt. Und genau deshalb ist es normal.

Die Stimme der Vortragenden kommt dort an, wo sie hingehört: ohne Störlärm, ohne Umwege. Technik, die nicht dominiert, sondern dient. Barrierefreiheit, die nicht behauptet, sondern praktiziert wird.

Und ja – ich feiere das.

Nicht laut. Nicht effekthascherisch.

Sondern mit tiefer innerer Zustimmung. Mit Dankbarkeit. Mit jener Entspannung, die sich einstellt, wenn das eigene System begreift: Hier darf ich sein, wie ich bin – und funktionieren darf ich trotzdem.

Ich habe mich noch nirgendwo so wohl gefühlt wie hier.

Und nun komme ich zu dem Punkt, der mir wichtig ist – vielleicht dem wichtigsten überhaupt:

An alle Betriebe, Schulungszentren, Fortbildungsorte, Hochschulen, Universitäten und Arbeitgeber:

So einfach ist das.

Eine Ringschleife.

Visuelle Unterstützung.

Strukturierte Materialien.

Ansprechbare Menschen mit Kompetenz.

Eine Haltung, die nicht fragt, wer alles Sonderbedarf hat, sondern davon ausgeht, dass Menschen unterschiedlich sind.

Und plötzlich ist niemand mehr „der Sonderfall“.

Plötzlich ist jede und jeder mit gemeint.

Das ist keine Großtat.

Das ist keine Heldengeschichte.

Das ist gute Organisation, gepaart mit Respekt.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe:

Teilhabe ist kein Luxus.

Sie ist eine Entscheidung.

Danke, dass ich sie hier erleben darf.

Danke.

Bleibt's xund, eure Frau Kruemelkuchen

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