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Migräne, Hörmine und die große Satire der Stille

Migräne ist kein Kopfschmerz. Migräne ist ein Staatsstreich im Zentralnervensystem, ein orchestrierter Putsch der Synapsen. Während andere bei Schmerzen zu Pfefferminzöl greifen und mit einem milden Tee auf Besserung hoffen, zieht sich in meinem Kopf eine ganze Revolutionsarmee zusammen: Trommeln donnern, Fahnen flattern, jeder Impuls gerät in Aufruhr.

In solchen Momenten bleibt nur ein einziger Ausweg: Die Prozessoren meiner Cochlea-Implantate müssen verstummen. Off-Modus. Digitale Askese. Jeder Ton – ob das Räuspern des Nachbarn oder das Rascheln einer Zeitung – fühlt sich an wie ein Flammenwerfer, der direkt auf mein limbisches System zielt.

Nun ist es nicht so, dass meine Implantate nicht kooperieren würden. Hörlibert, mein erstes CI, ist ein tapferer, aber – nun ja – akustisch weniger migränefreundlicher Geselle. Hörmine hingegen, das vollimplantierte Forschungswunder, wirkt im Vergleich beinahe wie ein neuronaler Seidenschal: weich, sanft, synapsenschonend. Und doch, so loyal sie sich gibt, Migräne ist oft die stärkere von beiden. Auch Hörmine muss kapitulieren, wenn der Schmerz mit der Wucht einer Diktatur die Kontrolle übernimmt. Dann bleibt mir nur, beide auszuschalten. Absolute Stille.

Das Wiesel kommentiert das Schauspiel mit spitzer Zunge: „Fantastisch! Millionen Euro Technik, High-End-Innovation, internationale Studien – und du ziehst einfach den Stecker, weil dein Kopf ‚too much‘ ruft. Das ist, als würde man ein Spitzenklavier kaufen und dann konsequent die Saiten dämpfen, weil Mozart zu laut ist.“

Die Wasserbüffelin hingegen atmet tief durch, ordnet mit schwerfälliger Gelassenheit: „Ruhe ist kein Verrat an der Technik, Wiesel. Ruhe ist Prävention. Manchmal ist Nicht-Hören schlicht die eleganteste Überlebensstrategie.“

Und so sitze ich also, flankiert von meinen tierischen Kommentatoren, zwischen technologischem Triumph, neurochemischem Desaster und der ironischen Erkenntnis, dass selbst die brillanteste Hörtechnik gegen Migräne nicht gewinnen kann.

Doch Stille bedeutet nicht nur Schutz – sie bedeutet auch Isolation. Kommunikation reißt ab, wenn meine Implantate schweigen. Hier wäre Gebärdensprache die Rettungsleine. Ich übe, tapse durch Apps, sehe Dolmetscherhände fliegen wie Morsezeichen im Hochgeschwindigkeitsmodus. YouTube-Gebärdenkurse rauschen an mir vorbei wie ICE-Züge, während ich noch auf dem

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