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Freiheit – ein leiser Irrtum?

Zwischen innerem Wollen und fremdgeformtem Begehren – ein gedanklicher Streifzug mit Hegel, Wiesel und einer gehörigen Portion Selbstbefragung

Es gibt Denker, die sich nicht damit begnügen, die Welt zu beschreiben – sie sezieren sie. Präzise, unerbittlich, fast schon mit einer intellektuellen Strenge, die uns zugleich fasziniert und irritiert. Einer von ihnen ist Georg Wilhelm Friedrich Hegel – ein Philosoph des frühen 19. Jahrhunderts, dessen Werk bis heute in den Diskursen über Freiheit, Selbstbewusstsein und Gesellschaft nachhallt.

Hegel war kein Freund einfacher Antworten. Für ihn war das Individuum kein isoliertes Zentrum souveräner Entscheidungen, sondern ein Wesen, das sich erst im Spiegel der Welt erkennt – geformt, durchdrungen, ja geradezu hervorgebracht durch soziale Strukturen, historische Entwicklungen und kulturelle Bedeutungsräume.

Mit anderen Worten: Das, was wir so selbstbewusst „Ich“ nennen, ist weit weniger autonom, als wir es gern glauben möchten.

Und genau hier beginnt mein inneres Wiesel zu zappeln.

Es sitzt da, die kleinen Pfoten empört in die Hüften gestemmt, und ruft – mit jener leicht überbordenden Vehemenz, die ihm eigen ist:

„Entschuldigung, aber ich entscheide doch wohl selbst, ob ich Kaffee trinke oder Tee! Ob ich schreibe oder schweige! Ob ich bleibe oder gehe!“

Die Wasserbüffelin hebt nicht einmal den Kopf. Sie kaut. Langsam. Bedächtig. Und murmelt – mit jener stoischen Gelassenheit, die mich manchmal gleichermaßen tröstet wie provoziert:

„Bist du sicher?“

Und plötzlich wird es still.

Denn wenn ich ehrlich bin – und das ist ein gefährlicher Moment, ein exponierter, ein fast schon entwaffnender Augenblick – dann beginne ich zu ahnen, was Hegel gemeint haben könnte.

Was, wenn meine Vorlieben gar nicht so originär sind, wie ich sie empfinde?

Was, wenn meine Sehnsucht nach Ruhe, nach Rückzug, nach einem bestimmten Lebensstil nicht nur Ausdruck meines Innersten ist, sondern auch ein Echo dessen, was ich gelernt habe zu begehren?

Was, wenn selbst meine Rebellion – mein trotziges „Ich mache das jetzt anders“ – bereits innerhalb eines vorgezeichneten Rahmens stattfindet?

Mein Wiesel beginnt zu konfabulieren. Es sucht nach Beweisen für seine Unabhängigkeit. Es zählt Entscheidungen auf, kleine und große, insistiert auf seiner Freiheit, als hinge seine Existenz davon ab. Und vielleicht tut sie das auch.

Denn die Vorstellung, nicht vollständig autonom zu sein, kratzt an etwas Grundlegendem. An unserem Selbstbild. An unserer Würde vielleicht sogar.

Hegel würde vielleicht milde lächeln. Nicht spöttisch, sondern mit jener eigentümlichen Mischung aus Strenge und Verständnis, die große Denker gelegentlich kultivieren.

Er würde womöglich sagen: Freiheit ist mehr als bloßes Wollen.

Nicht das ungeprüfte Ausleben von Impulsen macht uns frei, sondern die Fähigkeit, diese Impulse zu durchdringen, zu reflektieren, ihre Herkunft zu erkennen. Freiheit, so verstanden, ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Ein Sich-Herausarbeiten aus dem Unbewussten. Ein leises, aber insistierendes Fragen: Warum will ich, was ich will?

Und genau an diesem Punkt wird es unbequem.

Ich merke es in den kleinen Momenten meines Alltags.

Wenn ich mich zurückziehe – nicht aus klarer Entscheidung, sondern aus einem diffusen Bedürfnis heraus, das ich erst im Nachhinein zu verstehen versuche.

Wenn ich mich freue – und mich frage, ob diese Freude wirklich aus mir kommt oder ob ich sie gelernt habe, weil sie gesellschaftlich als „richtig“ gilt.

Und manchmal, ganz selten, wenn ich still werde – wirklich still – dann öffnet sich ein Raum.

Ein Raum, in dem mein Wiesel innehält.

Ein Raum, in dem die Büffelin nicht erklären muss.

Ein Raum, in dem ich beginne zu spüren, was vielleicht tatsächlich meines ist.

Oder zumindest: was sich danach anfühlt.

Vielleicht liegt genau darin eine andere, eine tiefere Form von Freiheit.

Nicht im unreflektierten Tun.

Nicht im bloßen Ausleben von Möglichkeiten.

Sondern in der Fähigkeit, sich selbst beim Wollen zu beobachten.

Ein zarter, beinahe fragiler Zustand.

Kein Triumph. Kein lautes „Ich bin frei“.

Eher ein leises: Ich beginne zu verstehen.

Und während ich das schreibe, sitzt mein Wiesel wieder neben mir. Etwas ruhiger nun. Nachdenklicher vielleicht. Es zuckt mit den Schultern, ein wenig trotzig, ein wenig versöhnt.

Die Büffelin?

Sie kaut noch immer. Natürlich.

Und ich?

Ich sitze irgendwo dazwischen.

Zwischen Prägung und Eigenheit.

Zwischen Einfluss und Entscheidung.

Zwischen dem, was ich geworden bin – und dem, was ich vielleicht noch werden kann.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Einladung:

Nicht vorschnell zu urteilen.

Nicht sich selbst in die Illusion vollständiger Autonomie zu flüchten.

Aber auch nicht in eine resignative

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