
Viele Menschen, die ein Cochlea-Implantat tragen, entscheiden sich bewusst für Unauffälligkeit. Sie integrieren die Technik so diskret, dass sie fast unsichtbar wird, ein subtiles Werkzeug im Hintergrund. Dieses Bedürfnis nach Unsichtbarkeit ist verständlich; die Welt verlangt oft Anpassung, Begradigung, Konformität.
Ich allerdings ziehe gewissermaßen die ästhetische Gegenhypothese vor.
Nicht, um mich zu inszenieren – sondern um sichtbar zu sein.
Sichtbar in meiner Hörrealität. Sichtbar in meinem Anspruch auf Kommunikation. Sichtbar als Mensch, der das Hören nicht als Selbstverständlichkeit konsumiert, sondern als tägliche, bewusst erarbeitete Leistung.
Hörlibert, mein rechtsseitiger Klangverbündeter, ist nicht nur Prothese.
Er ist ein realisierter Teil von mir, ein techno-biologisches Joint Venture zwischen Neuroplastizität und Alltagsgebrauch, zwischen Sprachverstehen und Mut.
Und so schmücke ich ihn. Nicht zufällig, nicht beiläufig, sondern mit einer gewissen flamboyanten Freude.
Wie ein Visier, das nicht schützen, sondern erklären will.
Wie ein Bouchoir aus Bling-Bling, den man nicht zum Trocknen von Tränen, sondern als diaphanes Zeichen der Zugehörigkeit trägt.

Das Wiesel, die Ästhetik und das fast metaphysische "Bling"
An dieser Stelle meldet sich mein inneres Wiesel zu Wort – und ich möchte betonen, dass dieses Tierchen in ästhetischen Belangen ein anspruchsvoller, ja fast schon dandyhafter Charakter ist.
Es liebt das Funkelnde, das Glitzernde, das "Exponierte".
Wenn Hörlibert ein Juweliergeschäft hätte, würde das Wiesel dort wohnen.
„Wenn schon Technik, dann bitte mit Glamour!“, faucht es in seiner typisch aufgeregten Weise,
und bevor ich intervenieren kann, dekoriert es Hörlibert mit filigranen Steinchen, Ornamenten, Stickern und all jenen kleinen visuellen Signalen, die zu sagen scheinen:
„Ich bin hier, ich bin sichtbar – und ich bin es wert.“
Die Wasserbüffelin hingegen lächelt still und sanft.
Sie weiß, dass Sichtbarkeit kein Narzissmus ist, sondern ein Kommunikationsangebot.
Ein Hinweis:
„Bitte sei geduldig mit mir. Sprache ist kein Selbstläufer, sondern eine rekonstruktive Leistung.“
Und ich?
Ich schaue dazwischen,
ich nicke,
ich lache über das Wiesel,
ich danke der Büffelin,
und ich schmücke Hörlibert mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein und einem hauchfeinen Augenzwinkern.
Sichtbarkeit als assertorischer Akt
Ich will, dass Menschen es sehen.
Nicht, um auffällig zu wirken, sondern um Missverständnisse zu minimieren.
Wenn sichtbar ist, dass ich mit einem Implantat höre – dass ich technisch und kognitiv verarbeite – wird Kommunikation reziprok.
Dann ist Wiederholung kein „Problem“, sondern Praxis.
Dann ist Nachfragen kein „Defizit“, sondern präzise Klärung.
Dann wird Verständnis kein Zufall, sondern Kooperation.
Funkeln als Metapher der Teilhabe
Das „Bling-Bling“ ist kein Schmuck um des Schmückens willen.