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Männlichkeitsstudie 2026 – Schlagen vor allem unsichere Männer zu?

Redaktion free.fem.minds MAGAZIN | Tina Steiger

Eine im Frühjahr 2026 veröffentlichte Studie zu Männlichkeit und Männlichkeitserleben eröffnet eine neue Perspektive auf männliche Täter. Schlagen vor allem unsichere Männer zu?

Wenn Männer sich nicht männlich genug fühlen, so überschreibt die Tagesschau die Ergebnisse der Erhebung aus dem Frühling 2026. Ein Team der Universitäten Kaiserslautern-Landau und Kassel sichtete für eine Meta-Studie mehr als 100 Studien mit dem Ziel, zu erforschen, was passiert, wenn Männer sich in ihrer Männlichkeit bedroht oder verunsichert fühlen.

Das Ergebnis:
Männer eskalieren
besonders dann,
wenn sie sich
unsicher fühlen.

Das Forscherteam analysierte das Verhalten der Männer nach empfundener Bedrohung ihrer Männlichkeit, Dominanz und Status. Die Ergebnisse reichten von einem erhöhten Willen zum Kampf und zu einer gesteigerten Bereitschaft, die eigene Männlichkeit mit einem besonders risikoreichen Verhalten zu betonen.

Das erinnert an den Mann, der Anfang Mai sein Fahrzeug bewusst in eine Menschengruppe in Leipzig steuerte. Zwei Menschen starben, weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Der Täter habe sich vorher in eine psychiatrische Klinik begeben. Einige Medien berichteten, der Mann habe sich aufgrund der Trennung von seiner Ex-Partnerin in einer psychischen Ausnahmesituation befunden und dieser Ex-Partnerin angekündigt, es sei schon lange kein Auto mehr in eine Menschenmenge gefahren.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Töten Männer vor allem dann, wenn sie sich in ihrer Männlichkeit bedroht fühlen? Und wenn ja, was bedeutet das für die Täterarbeit hinsichtlich Prävention, Identitätsbildung von Jungen und das Männerbild in unserer Gesellschaft?
Wenn Männer ihre Partnerinnen ermorden, wird dies bisher damit entschuldigt, dass diese Taten im Affekt passierten. So als sei die emotionale Ausnahmesituation von Männern, die ihr Ego verteidigen, Grund genug, beim Strafmaß mindestens ein Auge zuzudrücken. Affekt – so könnte meinen – heißt, dass ein Mann sich bei einer Trennung schlicht in seiner Männlichkeit bedroht fühlt und daraufhin mit seiner Tat ein Statement setzen muss, das seine Männlichkeit gegenüber der Frau wiederherstellt.

Ein eigener Straftatbestand für Femizide, wie ihn Justizministerin Stefanie Hubig vorsieht, soll nun kommen. „Wir haben einen guten Weg gefunden, deutlich zu machen: Wer aus der Motivation heraus tötet, nur weil sie eine Frau ist, der soll dann, wenn alle anderen Einzelheiten passen, auch als Mörder verurteilt werden“, sagte Hubig der Bild am Sonntag.

Weil eine Frau eine Frau ist
bedeutet im Grunde,
dass Männlichkeit
ihren Besitz impliziert.

Stellt sich die Frage: Wann ist ein Mann, ein Mann? Die oben genannte Meta-Studie kommt zu dem Schluss aus Männersicht, wenn er in der Lage ist, die Familie zu ernähren. Oder auch, wenn andere Männer ihn als männlich genug akzeptieren.

Der Bro-Code als Männlichkeitsverstärker?

Es gibt Untersuchungen darüber, die immer wieder darauf hindeuten, dass Männern die Bestätigung und Akzeptanz anderer Männer weitaus wichtiger ist, als die eigene oder die von Frauen. Mehr noch: Dass eine eigene Idee von männlicher Identität ohne diese Kontext gar nicht existiert und sich Männer vor allem dann wertvoll als Mann fühlen, wenn andere Männer das ebenfalls so einordnen. Die Validierung von männlichen Codes unter Männern? Neu ist das nicht. Aber gesprochen wird darüber ebenfalls nicht.

Was bedeutet es für eine Gesellschaft und für die präventive Arbeit, wenn junge Männer vor allem von Männern lernen und sich abschauen, was männlich ist? Oder anders: In Zeiten von Andrew Tate und Look-Maxxern mit Macht, Geld und Statussysmbolen, wie weit kommen da deutsche Sozialarbeiter im Hoodie mit ihrer Jungsarbeit? Welche Vorbilder können Jungen zu Männern machen, die ihre Männlichkeit später nicht von der Dominanz über Frauen ableiten? Und haben wir genug von diesen gesunden Vorbildern?

Violencia machista

Wer in Deutschland laut sagt, Gewalt sei vor allem männlich, darf sich warm anziehen. Gewalt gegen Frauen müsse man als Männergewalt benennen, betonen Betroffenen-Initiativen schon lange. Die deutsche Politik oder auch das Bundeskriminalamt sind da bisher verhaltener, wenngleich ein eigenes Bundeslagebild zu geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen zuletzt ein Novum darstellte. Dennoch wird deutlich, dass sich auch in Deutschland ein wachsendes Bewusstsein dafür entwickelt, dass männliche Gewalt ein Faktor ist, der nicht nur Frauen, sondern die innere Sicherheit bedroht.

In Spanien ist man weiter und nennt das Problem beim Namen: Violencia machista. Ein Begriff, dessen Äquivalent im Deutschen so (noch) nicht existiert. Violencia machista beschreibt männliche Gewaltformen, die Frauen allein wegen ihres Geschlechts erfahren. Darunter körperliche Gewalt, psychischer Missbrauch, sexuelle Nötigung, wirtschaftliche Abhängigkeit und digitale Gewalt. Sogar für die Einbeziehung von Kindern, etwa um der Mutter der Kinder in familiengerichtlichen Verfahren zu schaden, gibt es in Spanien einen Begriff: violencia vicaria.

Macht und Kontrolle, die Männer über Frauen und Kinder ausüben, wird in Spanien benannt und bekämpft. Die Tatsache, dass Männer diese Taten ihrer Männlichkeit wegen ausüben, gilt nicht als Ideologie oder Gender war, sondern als belegte Tatsache.

In Spanien existiert gesamtgesellschaftlich ein Bewusstsein dafür, dass Männergewalt ein reales Problem darstellt. Da es benannt wird, kann es überhaupt nur wirksam bekämpft werden. Ein gewaltvoller, männlicher Besitzanspruch auf Frauen und Kinder wird im, einstmals als Macho-Land bezeichneten, Spanien streng geahndet.

In Deutschland ist man so weit noch nicht. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte erst vor Kurzem, dass nicht deutsche Männer ein Problem darstellten, sondern lediglich migrantische. Ein Ablenkungsmanöver von Merz und ein Feigenblatt auf dem Problem deutscher Männergewalt. Eine Aussage, die zudem aktuellen Gewaltzahlen und den Femiziden im Land klar widerspricht.

(Auch deutsche) Männer haben ein Gewaltproblem. Womöglich, weil sie vor allem ein Problem mit ihrer Männlichkeit haben. Weil sie sich als Ernährer und Familienoberhaupt definieren, während Frauen anfangen, höhere Abschlüsse vorzuweisen und lieber alleine genussvoll mit drei Katzen, als in einer Beziehung mit einem Man child zu leben, dem sie die Einkaufsliste für den Supermarkt vortanzen müssen.

Während vor allem junge Frauen immer gebildeter und unabhängiger werden, wächst unter immer mehr Männern ein Gefühl des Abgehängtwerdens. Und brechen Frauen aus bestehenden Beziehungen aus, weil sie es können, brennt der männlichen Hälfte der Bevölkerung der Hut.

Bleibt abzuwarten, wann deutsche Männer bereit sind, sich ehrlich mit ihrem eigenen Männlichkeitsbild auseinanderzusetzen. Von Männergewalt statt Gewalt gegen Frauen (als eine Art unpersönliches Neutrum) zu sprechen, wäre ein guter Anfang.

Link zur Meta-Studie, erschienen in der
Fachzeitschrift Personality and Social Psychology Review:

https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/10888683261433109 (Opens in a new window)
Topic Gewalt gegen Frauen

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