Als ich dieses Projekt startete, tat ich dies nicht in der festen Überzeugung, aber zumindest in der zarten Hoffnung, alle vier Wochen - also 1x im Monat - durchaus realistisch einen Text veröffentlichen zu können.
Ich hielt diese optimistisch angepeilte Schlagzahl ziemlich genau drei Monate mit drei aufeinander folgenden Texten durch. Und danach passierte über ein halbes Jahr:
Nichts.
Moment mal… So wirklich nichts nichts? Nein, eigentlich passierte sehr viel. Nur eben nicht hier.
The Story so far…
Zur Zeit in der sich dieser Blog als fixe Idee in meinem Kopf entwickelte, befand ich mich durchgehend in Therapie. Jeden Montagabend traf ich mich mit einigen lieben Menschen zur wöchentlichen Gruppensitzung, alle 14 Tage zusätzlich mit meiner Therapeutin zum Einzelgespräch.
Verhaltenstherapie lebt und funktioniert durch das Erkennen von negativen Verhaltens- und Gedankenmustern und dem positiven Überschreiben dieser alten Straßen Richtung Depression. Darüber schreiben erschien mir nur logisch, denn 1. lassen sich Dinge so besser verinnerlichen und 2. liest es im Idealfall auch noch jemand.
Wie so oft scheiterte ich dann aber ziemlich schnell an meiner eigenen bisweilen völlig unrealistischen Erwartungshaltung. Es ging mir zu der Zeit psychisch dreckig und in folge dessen auch wirtschaftlich. Selbstständige, die gedanklich nicht funktionieren, sind selten das lukrativste Pferd im Stall.
Mein naiver Gedanke: Schreib drüber, Leute werden das lesen, dir wird es helfen. Mit der Zeit staubst du ein paar Abos ab, und aus dem Ganzen wird sich dann schon was ergeben.
Warum war 6 Monate das Licht aus?
Wenn sich etwas wie ein roter Faden durch mein Leben zieht, dann, dass mein ohnehin mittelmäßig langer Atem in Bezug auf ambitionierte Projekte vorschnell von meiner Depression erstickt wird. Dieses Schicksal drohte auch Graustufen zu ereilen, das ich bis zu seiner Geburt schon Monate in mir herumgetragen hatte.
Trotz aller Sorgen, Zweifel und Ängste ging ich trotzdem damit an den Start. Aber ein Blog braucht Leser:innen. Motivation, sofern nicht intrinsischer Natur, nährt sich in erster Linie aus positiver Reaktion. Beides bekam ich wenig, Selbstzweifel hatte ich dafür schon zu Beginn im Überfluss. Der Kurs war vorhersehbar.
Doch dann kam eine unvorhersehbare Wendung. Ich tat etwas, was ich bis dato selten tat. Ich sprang über meinen Schatten und bewarb mich auf eine freie Mitarbeit, in einem Bereich, in dem ich meiner eigenen Wahrnehmung nach wirklich Null Expertise besaß.
*drumroll
Und bekam den Job.
Auf ein Neues. Vielleicht. Mal sehn.
Statt Artikel über Depressionen und ähnlich erbauliche Themen zu verfassen, fand sich mein von Selbstzweifeln zernagtes Gehirn plötzlich einem Haifischbecken neuer feindlicher bis potenziell tödlicher Reize und Aufgaben ausgesetzt, die es zu bewältigen galt.
Ein Blog steht da nicht ganz oben auf der Prio-Liste, logisch. Wider meiner eigenen Erwartungen habe ich aber nicht nur die Einarbeitung überlebt, sondern bin nun fester Bestandteil eines agilen Teams aus menschlich wundervollen Kolleg:innen.
Nicht nur auf monetärer, sondern psychischer Ebene hat mir diese unverhofft ausgebuddelte Schatztruhe für 2026 ein Stück weit den Arsch gerettet. Ich sehe perspektivisch endlich Licht am Horizont. Und bekomme wieder spürbar Bock auf Dinge. Wie dieses Projekt.
Gleichwohl möchte ich mir keinen unnötigen Druck machen. Wie und wohin sich Graustufen entwickeln wird, werden wir sehen. Ich für meinen Teil freue mich fürs Erste einfach, wieder dabei zu sein.
*Disclaimer: Alle Artikel auf diesem Blog sind aus Perspektive einer von mittelgradig rezidivierenden Depressionen betroffenen Person verfasst. Sie zeichnen ein persönliches Bild und erheben dabei weder Anspruch auf korrekte Darstellung komplexer medizinischer Zusammenhänge, noch können sie eine professionelle Diagnose oder Therapie ersetzen.
50 Shades Of Raufaser: Wenn die Depression außer Kontrolle gerät (Opens in a new window)