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KONSUMIEREN – THE ART OF ZIERGEGENSTAND TEIL 1

LIEBE LESER:INNEN!

Audio: Einleitung


Einen Ziergegenstand würde ich, zwänge man mich zu einer mehrteiligen Begriffsdefinition, folgendermaßen beschreiben:

Erstens. Ein Ziergegenstand, oder auch: Dekogegenstand, macht die Umgebung schöner.

Zweitens. Ob diese Verschönerung gelungen ist, liegt ausschließlich im Ermessen der Person, die den Ziergegenstand besitzt.

Drittens. Ein guter Ziergegenstand löst folglich Geschmacksdiskussionen aus.

Viertens. Abseits seiner Schönheit muss der Ziergegenstand über keine zwingenden Zusatzfunktionen verfügen, er darf dies aber tun. Im Normalfall zählt der Ziergegenstand daher zu den Non-Essentials im Produktkatalog des Lebens.

ZIERGEGENSTANDFATIGUE

Ich habe keine Lust mehr auf Ziergegenstände.
Dachte ich.

Ausgerechnet, als mein Partner und ich uns zwischen den Jahren in die ARD-Mediathek verirrten, entdeckten wir das Format „Room Tour“, in dem kameraaffine Menschen für das öffentlich-rechtliche Fernsehen kleine Touren durch ihre renovierten Häuser, Schlösser, Wohnungen, ehemalige Kirchen, Bahnhöfe und, ja richtig gelesen: Gülletanks (Opens in a new window) geben.

Die Bewohner:innen präsentieren wie bei Architectural Digest – nur ohne Hollywoodstars und mit Standort Deutschland – das A und O ihrer vier Wände und manchmal ist es spannend und manchmal langweilig, aber um auf den Punkt zu kommen: in einer Folge, in der ein junger Kreativer (ich glaube: Designer und Restaurantbesitzer) durch sein Loft führte, geschah es dann. Plötzlich erblickte ich einen Ziergegenstand, der mich zurückholte. Ein kleines Objekt, das in mir das verschüttet geglaubte Dekobedürfnis von früher wieder hochtriggerte.

Ich machte das gute Teil sofort online ausfindig, und was steht jetzt bei mir auf meinen gestapelten Büchern und winkt mir tagtäglich relativ geräuschlos das Glück herbei? (ab und an knacken die kleinen Plastikknochen, muss man wissen… aber auf angenehm)

Genau: Eine monochromfarbene Lucky Cat!

Eine hellblaue Winkekatze, die mit dem linken Arm winkt, steht auf einem Stapel Bücher
Foto: Nadine Obermüller

UNTERDRÜCKTE ZIERGEGENSTANDPERSÖNLICHKEIT


Was war passiert? Wo ist meine alte maximalistische Einrichtungseinstellung hingekommen? Mit Kuscheltier-Walk-of-Fame, zugeposterten Bravo-Starschnitt-Wänden, Flusssteinsammlung, Wallfahrtsortsandenken, Simpsonsfanartikeln und und und… (und vermisse ich etwas?)

Vielleicht habe ich ja eine unterdrückte Ziergegenstandpersönlichkeit. Und wenn ja, soll ich jetzt minimalistisch weiterleben oder mich wieder in die alte Deko-Manie zurückentwickeln?

Richtig: Nur ein Blick in die eigene Ziergegenstände-Vergangenheit kann mir mehr Klarheit geben! Oder für noch mehr Verwirrung sorgen!

Hier kommt sie schon: Meine Liste mit Ziergegenständen, die ich in den 1990er- und 2000er-Jahren HATTE. ODER AUCH NICHT HATTE. Willkommen zu einem kleinen Mitmachrätsel! (Die Auflösung steckt in den einzelnen Texten)

Screenshot meiner Liste von Ziergegenständen mit unkenntlich gemachter Aufzählung
Screenshot meiner Liste von Ziergegenständen (Nummer 4 bis Nummer 10 werden in Part 2 aufgelöst)



1) Ein beleuchteter Zimmerbrunnen aus Rosenquarz

Ein selbst gezeichneter Rosenquarz-Zimmerbrunnen in einem grauem Keramikgefäß mit vielen rosa Steinchen aufgefüllt
Zeichnung: Nadine Obermüller
Was denkt du? Hatte ich einen solchen Zimmerbrunnen wie er hier zu sehen ist?
Audio: Brunnen


Als die Edelsteinbrunnen auch im Schmuck-und-Stein-Laden neben dem Levi’s-Store einzogen, wurde es ernst. Begeistert rannte ich an den in Hüfthöhe platzierten Schaukästen voller Silberringen und Lederketten mit Lapislazulidelfin-Anhängern vorbei und blieb direkt vor den Wandregalen stehen. Dort aufgereiht befanden sich nämlich um die zehn Stück der beleuchteten Indoor-Brunnen mit jeweils zentriert ausgerichtetem Rosenquarz, oder auch Amethyst, die ich zuvor nur aus dem Fernsehen kannte. Während sie auf mich herabschauten, glucksten sie zufrieden vor sich hin.

Auf QVC in den 2000er-Jahren teuer angepriesen und längst zum Trendobjekt erklärt, schaffte das Frühstücksfernsehen Abhilfe für den sogenannten kleineren Geldbeutel. Mit einer Anleitung, wie man einen Zimmerbrunnen selbst bauen konnte, führten Gartenexpert:innen on Air durch die einzelnen Schritte, nicht ohne dabei unaufhörlich zu betonen, dass nur eine sorgfältig verlegte Wasserpumpe den Hauptstein(!) zufriedenstellend beplätschern würde

Ich wollte ein Exemplar, in meinem Kopf gab es nur noch eine entscheidende Angelegenheit abzuklären, bevor ich darum bettelte.

Was könnten Freund:innen sagen, wenn sie den Zimmerbrunnen auf meinen Schreibtisch erblickten?

Um die nonverbale Meinung der Peergroup einschätzen zu können, fand ich es damals hilfreich, mich mittels drei simpler Fragen selbst zu verhören.

Erstens. Kenne ich eigentlich einen bekannten Star mit einem Zimmerbrunnen zuhause?
Nein.

Zweitens. Gab es zum Thema Zimmerbrunnen schon einen Bericht in der Bravo?
Wieder Nein.

Drittens. Wusste ich von coolen Schulkolleg:innen, die ein Exemplar ihr Eigen nannten?
Abermals Nein.

Drei Mal Nein war ein eindeutiges Ergebnis. Auf alle Fälle eines, das auf keinen echten Hype verwies, für den sich meine Gleichaltrigen auch nur ansatzweise interessieren konnten.

So ließ ich es doch sein, argumentierte nicht für einen Kauf, und lebte mein Leben ohne Edelstein-Zimmerbrunnen weiter.

Bis heute verspüre ich manchmal noch Wehmut darüber.
Wenn ich mich genug hineinsteigere.

Wollen ist eben nicht Haben. Oder wie heißt es doch so schön: You can’t always get what you want (Opens in a new window).

2) Ein Lumi-Bär

Iphone-Sticker von meinem weißen Lumi-Bären. Er steht seitlich und sieht zur Seite (nach links)
Foto: Nadine Obermüller
Ein Lumi-Bär in Weiß? War der meins?

Audio: Lumi-Bär

Achtung: Mit Lachkrampf eingelesen

Eines Tages stand im Möbelhaus Wenzl ein Lumi-Bär in der Auslage.

Wir erblickten ihn, als wir gerade aus dem Kreisverkehr fuhren, und stadtauswärts direkt an den großen Außenglasflächen vorbeidüsten.

Wir hielten nur ein paar Meter weiter. Das mussten wir uns genauer ansehen.

Die beleuchteten Bären von der Marke Flötotto standen stoisch vor uns und sahen uns an. Das gefiel uns. Ich war verliebt, meine Mutter war verliebt, und meine Tante auch.

Vorrätig gab es orange oder weiße Exemplare der Originalmarke. Wir kauften alle geschlossen einen Orangenen. Also insgesamt zwei Stück.

Zuhause war ich mir nicht mehr sicher.

Am nächsten Tag fuhren wir wieder in den Laden und wollten nochmal den weißen Bären sehen.

Ja. Nein. Doch den weißen Bären.

Wieder zuhause bemerkten wir, dass der weiße Bär, sobald man sein Licht einschaltete, einen komischen Fleck im Gesicht hatte.

Die Stelle blieb dunkel und sah aus, als hätte der Bär einen wasserresistenten Edding geküsst, dessen Überbleibsel man nicht mehr so leicht entfernen konnte. Man konnte nur noch das Licht ausmachen.

Am nächsten Tag fuhren wieder in das Geschäft und führten den geduldigen Inhaber:innen das Problem vor. Wir fragten sie, ob wir einen anderen weißen Bären bekommen könnten. Wir bekamen einen.

Ich glaube, so war das.
Oder ganz anders.

Auf alle Fälle steht jetzt ein weißer Lumi-Bär in meinem Jugendzimmer und wartet dort auf mich, bis ich ihn endlich nach Deutschland verschiffe.

Das gestaltet sich tatsächlich gar nicht so einfach. Selbst in meinem richtig großen Trolley hat er keinen Platz. Ich muss dem Lumi wohl oder übel einen eigenen Sitzplatz zahlen. Muss. Weil Bär und so, das ist Berlin (Opens in a new window).

3) Eine Lavalampe

Eine gezeichnete Lavalampe aus Metall mit Lava in Violett und Rot
Zeichnung: Nadine Obermüller
Lavalampenalarm bei mir in Niederösterreich? Kann das sein?

Audio: Lavalampe

Obwohl ich in den 2000ern mehr als gerne die Sendung “Die Wilden Siebziger” auf RTL schaute, hegte ich eine gewisse Skepsis gegenüber dem, sagen wir: Merchandise aus dem besagten Jahrzehnt.

Die Bootcut-Jeans ließ ich mir noch einreden.

Aber Batik- und Blumenmuster fand ich mit Vierzehn gerade nicht mehr cool, breite Haarbänder auf dem welligen Kopf standen mir generell nicht und abgesehen davon rebellierte ich damals zum ersten Mal gegen den Nur-lange-Haare-sind-bei-Frauen-schön-Kanon, der mir zu dieser Zeit von allen Seiten entgegen sang, und trug daher meine Frisur nicht nur schmucklos, sondern auch raspelkurz.

Man kann es sich fast denken: Auch die Lavalampe löste Zwiespältiges in mir aus.

Dass sich in ihr echte Lava befand – so, mein Wissensstand damals – war mir nicht ganz geheuer. In den großen Möbelriesen Lutz oder Leiner näherte ich mich den seltsam geformten Vulkanleuchten deswegen nur äußerst vorsichtig. Ich verhielt mich lieber so, als könnten die guten Dinger jederzeit explodieren. Lange Rede, kurzer Sinn: Wie ich es drehte und wendete, ich verstand den Appeal der Lavalampen einfach nicht. Und tue das, ehrlich gesagt, bis heute nicht.

Aber wenn es hart auf hart käme, (Opens in a new window) weil, zum Beispiel, die Aliens die Erde übernehmen ( manche sagen: endlich), würde ich fix eine adoptieren. Ich glaube, Außerirdischen gefällt das.

Das war PART 1.

Die Texte zu den restlichen sieben
Gegenständen kannst du in KONSUMIEREN – THE ART OF ZIERGEGENSTAND TEIL 2 lesen. Nicht als Blogbeitrag, sondern exklusiv in meinem Newsletter. Hier kannst du den Newsletter kostenlos abonnieren:



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DANKE EUCH AN DIESER STELLE FÜR EUER ANHALTENDES INTERESSE AN MEINEN TEXTEN AUCH IM NEUEN JAHR !!!

MEINE GLÜCKSKATZE WINKT FÜR EUCH EIN BISSERL MIT <3

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