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Donnie und der Dammbruch (Essay)

„Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“ lautet ein berühmter Satz des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard. Was für jeden und jede von uns persönlich gilt, gilt auch für die Weltpolitik. Manche Ereignisse geschehen schnell und ihre Tragweite wird, falls überhaupt, nur rückwirkend klar. Was Nicolás Maduro dachte, als er von einer Spezialeinheit der Delta Force (Opens in a new window) festgenommen und verschleppt wurde, ist unbekannt – ebenso wie das, was er nun, rückwirkend, darüber denkt oder denken wird. Politisch relevanter – und für uns alle interessanter – als die Gedanken eines entführten Diktators ist das politische Nachbeben, das die Entführung des venezolanischen Staatsoberhauptes verursacht. Während die vollständigen Folgen und Implikationen der Causa Trump-Maduro wenige Tage danach höchstens ansatzweise absehbar sind, lohnt es sich dennoch, die Ereignisse des 3. Januar 2026 rückwirkend zu besprechen und, idealerweise, besser zu verstehen.

Fangen wir mit dem Unbestreitbaren an. Die USA haben Venezuela aus der Luft heraus angegriffen, strategische Ziele bombardiert und den venezolanischen Machthaber mit Hilfe von Elitesoldaten aus seinem Präsidentschaftspalast heraus nach New York entführt, wo ihn nun seinen Prozess erwartet (Opens in a new window).

Ein politisches Perpetuum mobile?

Wahrscheinlicher als seine baldige, natürlich scherzhaft gemeinte Abschiebung durch ICE, ist ein langer Prozess, der von Trumps Verwicklungen in den Epstein-Skandal ablenken (Opens in a new window) soll:

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Ein machtpolitischer Präzedenzfall

Nicht alle stehen dem forcierten Regimewechsel (Opens in a new window) kritisch gegenüber. Eine Position, die ich über die letzten Tage immer wieder lese, lässt sich in etwa wie folgt zusammenfassen: „Was regt ihr euch so auf? Ist es nicht gut, dass ein brutaler Diktator, der Wahlen niedergeschlagen und sein Volk unterdrückt hat, weg ist? Warum weint ihr einem Mann nach, den fast niemand vermissen wird? Hat Trump der Welt durch die Entführung und Verhaftung Maduros nicht einen Gefallen getan?“

Zunächst lautet die wichtigste Antwort auf diese Frage: Die erste und nicht selten einzige Person, der Trump freiwillig einen Gefallen tut, ist er selbst. So ist es auch bei der Maduro-Absetzung. Trump geht es nicht um Maduro, es geht ihm nicht um Venezuela und auch nicht um – so das bis zum Erbrechen wiederholte, vorgeschobene Scheinargument der US-Regierung – den „Krieg gegen die Drogen (Opens in a new window)“. Es gibt X andere Länder, die bei einem effektiven Krieg gegen Drogenkartelle vor Venezuela in der Zielscheibe stehen müssten, allen voran Kolumbien und Mexiko (was nicht heißt, dass Trump sich nicht nun ermuntert fühlt, weitere Länder anzugreifen; doch dazu unten mehr; und nebenbei: den berühmten Darknet-Drogen-Kingpin Ross Ulbricht (Opens in a new window), der jahrelang den Online-Drogenhandel „Silk Road” betrieb, hat Donald Trump Anfang 2025 aus lebenslanger Haft begnadigt (Opens in a new window), um bei seinen libertären Bitcoinkumpeln, die Ulbricht lieben, Eindruck zu schinden).

Bestsellerautor Stephen King lenkt unseren Blick darauf, worum es eigentlich geht:

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Man darf nicht vergessen: Trump geht es um Trump, dann geht es ihm nochmal um Trump, dann geht es ihm um seine Kinder und das Vermögen seiner Familie. Erst im Anschluss geht es ihm um die USA – vor allem um die USA als sein Publikum und sein Herrschaftsvolk, das seinen orangenen Regenten untertänig zu beklatschen hat (ähnlich wie zu seiner Zeit als Boss-Karikatur bei The Apprentice (Opens in a new window)). Während es nicht falsch sein mag, dass mitunter Benefits abfallen und Vorteile abstrahlen auf umstehende Nutznießer (und wer weiß, vielleicht hat die Absetzung Maduros auch einige positive Effekte für Venezuela; es ist zu früh, um dergleichen abzusehen), so darf ein möglicher Sekundärprofit für Dritte niemals davon ablenken, dass das Trumps eigentliches Primärziel stets der Ausbau seiner eigenen Macht und die Vergrößerung seines persönlichen Reichtums ist. Erst kommt die Vermehrung seines persönlichen Vermögens (Opens in a new window) und des Vermögens seiner Familie (Opens in a new window), dann kommt lange nichts. Es geht Trump also um Geld; und, an zweiter Stelle, um den Einfluss der USA – siehe die sogenannte „Donroe Doktrin“ (Opens in a new window) als trumpistische Aktualisierung der historischen Monroe-Doktrin (Opens in a new window) von 1823, welche US-amerikanische Hegemonie absichern und gleichermaßen Gewaltakte legitimieren soll. Man kann Trump vieles vorwerfen: Heimlichkeit (Opens in a new window) gehört nicht dazu.

Der Sturz von Maduro stellt insofern einen gefährlichen, machtpolitischen Präzedenzfall (Opens in a new window) dar, als dass er einige rote Linien überschreitet. Trump zeigt der Welt, dass er durchaus bereit ist, für den Ausbau seiner Macht militärische Mittel zu nutzen. In diesem Punkt gleicht Trump – man muss es so drastisch sagen – Wladimir Putin. Während Putin einen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine führt, der viele hunderttausende Menschenleben gekostet hat und weiterhin Tausende kostet, steht der US-Amerikanische Präsident dem russischen Diktator allein im Ausmaß seiner Grenzüberschreitungen nach, nicht aber in der Qualität. Beide sind bereit, das Territorium, die Souveränität und das Wohlergehen anderer Staaten bewusst und aus persönlichem Machtkalkül heraus zu verletzen; und dabei nicht nur ausländische Souveränitätsrechte (Opens in a new window) mit Füßen zu treten, sondern auch ausländische Staatsbürger aus opportunistischen sowie aus machtpolitischen Gründen zu töten (wie Trump es seit Monaten mit den angeblichen venezolanischen Drogenbooten tat, wobei sogar gezielt Überlebende in Seenot, von denen fraglos keinerlei Gefahr für die USA ausging oder jemals logischerweise ausgehen kann, getötet wurden (Opens in a new window)). Dass Trumps Handeln in Venezuela ein radikaler Verstoß gegen das Völkerrecht (Opens in a new window) ist und eine juristische Bewertung keineswegs „rechtlich komplex (Opens in a new window)“ (wie der Bundeskanzler verlauten ließ), ist mühelos ersichtlich (Opens in a new window).

https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/venezuela-voelkerrecht-100.html (Opens in a new window)

Die Erosion des Vertrauens

Gegen ein „Auge zudrücken“ im Fall Maduro sprechen, neben juristischen und völkerrechtlichen Einwänden, ebenso handlungstheoretische und ethische Gründe. Wer beim venezolanischen Diktatoren-Kidnapping eine Ausnahme macht, gerät schnell in Universalisierbarkeitsprobleme. Denn gute ethische Handlungen können sich unter anderem dadurch auszeichnen, dass man sie verallgemeinern kann.

Der Kategorische Imperativ (Opens in a new window) von Immanuel Kant (1724-1804) beruht bekanntermaßen auf einigen Grundsätzen, ein zentraler davon ist die Frage nach Universalisierbarkeit. Lassen sich die Maximen, die hinter einer Handlung stehen, widerspruchsfrei universalisieren? Ethische Handlungen sollen gemäß der Kantschen Pflichtethik (Opens in a new window) dann als gut und richtig gelten, wenn sie sich als allgemeingültiges Gesetz denken lassen. Eine berühmte Formel hierfür lautet (Opens in a new window):

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Eine Maxime ist, im Bereich des Ethischen, eine subjektive Handlungsregel. Auf den vorliegenden Maduro-Fall angewendet würde dies konkret Folgendes bedeuten. Wir haben eine Maxime (sprich: die hinter einer Handlung liegende Grundidee, welche sie motiviert), zum Beispiel:

„Gefällt mir, einem mächtigen Staatsoberhaupt, die Politik und der Einfluss eines anderen Staatsoberhauptes nicht, dann schicke ich nachts eine Spezialeinheit in seinen Präsidentschaftspalast, verschleppe meinen Widersacher und inhaftiere ihn; zusätzlich lasse ich im Land meiner Gegner einen Nachfolger installieren, der mir weniger Probleme macht (und alternativ wieder gestürzt wird).“

Lässt sich hieraus ein allgemeines Gesetz des politischen Miteinanders ableiten? Wohl kaum. Der Universalisierungskonflikt liegt auf der Hand. Moralische Handlungsbedingungen sollten für alle unter gleichen Bedingungen auch gleich gelten. Der Präsident der USA sollte sich an gleiche oder ähnliche Regeln halten wie andere Staatsoberhäupter. Würde jeder Kanzler oder Präsident, ab Tag eins seiner Amtsausübung, die Entführung und Verhaftung fremder Staatsoberhäupter als legitime, politisch wie moralisch in seiner Macht stehende Amtshandlung ansehen, wären vertrauensvolle internationale Beziehungen undenkbar (und die Staatsoberhäupter von den fast zweihundert Ländern der Erde hätten noch weit größere Schlafprobleme als eh schon).

Die Idee, die Souveränität anderer Staaten und ihrer Führungspersönlichkeiten zu respektieren ist mehr als nur irgendein diplomatischer Knigge – sie ist die funktionale Grundlage internationaler Friedensbeziehungen. Nähme ein Staat sich heraus, völkerrechtliche Tabus je nach Machtinteresse und je nach Gutdünken zu brechen und internationale Verträge, Normen und Standards nach Interessenlage und je nach Tagesform mal zu ehren, mal zu missachten, käme es zu einer kompletten, globalen Erosion zwischenstaatlichen Vertrauens. In dem sehr lesenswerten Essay „The Coup In Venezuela Is An Assault on the Whole World“ (Opens in a new window) für Current Affairs (Opens in a new window) schreiben Alex Skopic & Nathan J. Robinson über die Logik und die Folgen solcher Grenzüberschreitungen:

„In other words, no country is actually sovereign. Nations get to keep their governments only as long as the U.S. says so. Under those circumstances, it’s difficult to see why any country would trust the United States to negotiate with it in good faith, or to honor any agreement it makes.“
(„Mit anderen Worten: Kein Land ist tatsächlich souverän. Nationen dürfen ihre Regierungen nur so lange behalten, wie die USA dies zulassen. Unter diesen Umständen ist es schwer nachvollziehbar, warum ein Land darauf vertrauen sollte, dass die Vereinigten Staaten in gutem Glauben mit ihm verhandeln oder getroffene Vereinbarungen einhalten.“)

Ich teile ihre Schlussfolgerungen. Im Essay schreiben sie ferner: „Donald Trumps Sturz von Nicolás Maduro schafft einen schrecklichen Präzedenzfall, der die internationale Souveränität erheblich untergräbt.“ Ähnlich sieht es Politikwissenschaftler Marcel Lewandowsky (Opens in a new window):

„Ein Urteil über den US-Angriff auf Venezuela kann man nicht vom Maduro-Regime her denken, sondern nur auf Grundlage des Völkerrechts. Nimmt man die Frage als Grundlage, ob eine Diktatur den Sturz „verdient“ habe oder nicht, steht die Tür zur internationalen Anomie (Opens in a new window) noch weiter auf als ohnehin schon.“

Recherche & Verfassen dieses Textes haben zwei Arbeitstage gedauert; du kannst meine Arbeit durch ein Abo (Opens in a new window) unterstützen oder durch meine Kaffeekasse (Opens in a new window)! Danke!

Den Denkfehler, Maduro als „Bad Guy“ quasi für vogelfrei zu erklären, macht hingegen CDU-Politiker Jens Spahn:

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Wer so argumentiert, öffnet Tür und Tor für alle, die uns für die „Bad Guys“ halten (Opens in a new window).

Zur Grundsatzfrage, woher Moral ihre bindende Kraft nimmt und ob und warum wir uns an moralische Normen halten sollten, schrieb mein alter Ethikprofessor Kurt Bayertz schon vor einigen Jahren ein überaus lesenswertes Buch; es trägt den programmatischen Titel „Warum überhaupt moralisch sein? (Opens in a new window)“.

Ein Damm, der bricht

Nüchtern gesehen haben wir es hier mit einem ernsthaften politischen Dammbruch zu tun (es gab politische Entführungen bereits im 20. Jahrhundert; allerdings unterscheidet sich bspw. die Entführung Adolf Eichmanns (Opens in a new window) im Jahr 1960 qualitativ von der Maduros, da Eichmann ohne jede Zweifel eine Hauptfigur des vielleicht größten Menschheitsverbrechens war; auch der Fall von Manuel Noriega (Opens in a new window) von 1989 unterscheidet sich in wesentlichen Details). Das Dammbruchargument (Opens in a new window), auch Argument der schiefen Ebene genannt, bezeichnet in der Philosophie ein Türöffnerargument – und hat, um Metzler (Opens in a new window) zu zitieren, „einen Proponenten davon zu überzeugen, dass der Vollzug einer Handlung oder Praxis einen ersten Schritt auf einer »schiefen Ebene« bedeute, der unweigerlich weitere Schritte nach sich ziehen werde.“

Vorab: Natürlich ist Folgendes russische Propaganda. Dennoch: Es ist jener Dammbruch, den Dmitri Medwedew – ehemaliger Präsident Russlands und jetziger Gefolgsmann Wladimir Putins – aufgreift, wenn er die Entführung von Friedrich Merz (Opens in a new window) in den Raum stellt.

https://www.spiegel.de/ausland/russland-dmitrij-medwedew-kann-sich-entfuehrung-von-kanzler-merz-vorstellen-a-f6b58b88-3af7-411c-96da-1ae179b43d7b (Opens in a new window)

Propaganda hin oder her: Man muss in aller Ernsthaftigkeit die Frage aufwerfen, warum und mit welcher Legitimität – jedenfalls in dieser Logik – die USA ihre Gegenspieler entführen dürfen, nicht aber beispielsweise Russland oder China oder Frankreich oder Nordzypern.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj scherzte direkt im Anschluss an die Verschleppung Maduros: Wenn das möglich sei, dann wüssten die USA ja, was jetzt als nächstes zu tun sein („If you can do that with dictators, then the United States knows what to do next“) – eine Anspielung auf eine mögliche Entführung Putins.

https://apnews.com/video/zelenskyy-on-maduro-if-you-can-do-that-with-dictators-then-the-united-states-knows-what-to-do-next-012d9f33c0114a118f79c582bb0961a9 (Opens in a new window)

Den besten Kommentar zur möglichen Merz-Entführung hatte der Satiriker Cornelius Oettle (Opens in a new window), der in Anspielung auf den ersten Tweet der Bundesregierung lakonisch feststellte:

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Don’t let him do it

Man mag solche Gedankenspiele und solche Scherze geschmacklos finden (die Bundesregierung versicherte übrigens, Kanzler Merz sei „gut und sicher geschützt“ (Opens in a new window)): Nichtsdestoweniger verdeutlichen sie das Terrain, in das man sich begibt, wenn man den USA unter Donald Trump dergleichen durchgehen lässt. Apropos durchgehen lassen: Autor Jonas Schaible (Opens in a new window) erinnert uns daran, dass „They let you do it“ das zentrale Trumpsche Leitprinzip und Lebensmotto ist, privat wie politisch:

„Trump hat einst einen Satz gesagt, der dann an die Öffentlichkeit kam, im Access Hollywood Tape (Opens in a new window), er prahlte damit, Frauen “by the pussy” zu grabschen, und: “When you’re a star, they let you do it.” Wenn du ein Star bist, lassen sie es dich machen.

Der erste Teil verrät fast alles über Trump, was man wissen muss. Der zweite Teil scheint mir dennoch der eigentliche Schlüssel zu sein. “They let you do it” ist Trumps Lebenserfahrung, und ich glaube, sie ist auch sein Leitprinzip.

Er wird tun, was man ihn tun lässt, konsequent weitere Grenzen überschreiten, bis man ihn nicht mehr lässt. Bisher haben ihn fast immer alle gelassen.“

Wer auf Dreistigkeit (Opens in a new window), Grenzverletzung und Machiavellismus (Opens in a new window) mit Nachsicht und Beschwichtigung (Opens in a new window) reagiert, muss sich nicht wundern, wenn er auch zukünftig den Kürzeren zieht. Wer schweigt, wenn Großmächte die Welt unter sich aufteilen, wird aufgeteilt. Dieser Tage macht nicht ohne Grund diese scherzhafte, zugleich ernste Weltkarte die Runde:

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Die nächsten Gegner sind wir

Ohne Grenzen, die andere ihnen aufzeigen, lernen Männer wie Trump oder Putin, dass es keine Grenzen gibt (Opens in a new window) – und wir anderen, die noch an Grenzen glauben (seien es Landesgrenzen, politische Grenzen oder moralische), stehen dumm da. Denn es sind unsere Grenzen, die verletzt werden. Es ist unsere Vulnerabilität, die ohne Gegenwehr steigt.

Kein Wunder, dass Trump direkt weiteren Ländern droht:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-01/usa-donald-trump-venezuela-kolumbien-kuba-groenland-iran-gxe (Opens in a new window)

Wer ist als nächstes dran? Kolumbien (Opens in a new window)? Mexiko (Opens in a new window)? Grönland (Opens in a new window)? Wer weiß. Fest steht: Fernab von einmaligen Ausrutschern hat ein Machtmensch wie Donald Trump eines längst universalisiert – seine eigene Rücksichtlosigkeit. Es liegt an der internationalen Gemeinschaft, den weltpolitischen Damm, den Donald Trump aufzubrechen versucht, so gut es geht zu reparieren. Es liegt an allen demokratischen Regierungen dieser Welt, machiavellistischen Machtpolitikern wie Trump und Putin zu zeigen: Bis hier hin – und nicht weiter! Es liegt an uns, der Zivilgesellschaft und allen politisch aufmerksamen Menschen, diesbezüglich nicht zu schweigen. Das Motto muss lauten: Don’t let him do it!

Auf dem Spiel stehen nicht irgendwelche staubigen Rechtsbücher oder irgendwelche verzichtbaren Verträge, sondern unsere Freiheit selbst. Unser rechtsstaatlicher way of life. Jonas Schaible (Opens in a new window) erinnert uns: Die nächsten Gegner, sind – vielleicht nicht militärisch, aber politisch – möglicherweise wir:

„Viele mögen denken: Uns doch egal, wenn die USA ihre Gegner angreifen. Sie haben nicht verstanden: Wer in Europa nicht von der extremen Rechten regiert wird, gehört dazu.“

Um es abschließend mit dem Juristen Christoph Nebgen (Opens in a new window) zu sagen:

„Der Rechtsstaat ist ein zivilisatorischer Gewinn, keine Bürde. Nur Recht und Gesetz gewähren Sicherheit und Freiheit. Der Verlust der Rechtsstaatlichkeit wirft die Gesellschaft zurück in den Feudalismus. Das so genannte Recht des Stärkeren ist kein Recht, sondern die Abwesenheit jeglichen Rechts.“

Übrigens: Ein Jahr Trump. Ein Jahr Gewalt, Lügen & Widerstand. Mit Historiker und USA-Experte Thomas Zimmer (Opens in a new window) rede ich darüber, wie Trump die US-amerikanische Demokratie demoliert. Ebenso gehts um Demos, um Antifaschismus und um die tägliche Verteidigung der Freiheit – auch hierzulande, gegen die AfD! Mein Podcast zum Thema! (Opens in a new window)

https://steady.page/de/janskudlarek/posts/f7d76a75-b070-45c1-a3b1-ac4108296952 (Opens in a new window)

PS: Es darf nicht vergessen werden, warum dies alles passiert. Wegen Öl! Wegen fossilen Rohstoffen!

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Als weiterführende Lektüre empfehle ich hierzu die Bücher „Die Milliarden-Lobby (Opens in a new window)“ und vor allem „Die Sicherheitslüge (Opens in a new window). Wie Europa sich mit Waffen schützen will – aber mit Öl & Gas erpressbar macht. Eine Streitschrift“ – beides großartig recherchiert und lesenswert durchdacht von Susanne Götze (Opens in a new window) & Annika Joeres (Opens in a new window)

PPS: Mit Annika Joeres sprach ich auch in meinem Podcast: "Mein Haus, mein Auto, meine Lobby – Warum wir fossile Energie endlich überwinden müssen"

https://steady.page/de/janskudlarek/posts/c95fcb94-389a-47c7-9cf6-1aad98d26cac (Opens in a new window)

PPPS: Ursprünglich wollte ich noch einen Abschnitt über Sprecherposition und „Venezuela-splaining (Opens in a new window)“ schreiben. Dieser Abschnitt hat es aus Platzgründen nicht mehr hineingeschafft. Dennoch, ganz kurz: Nicht wenige Venezolaner freuen sich über den „Abschied“ Maduros. Ist es legitim, ihnen diese Freude von außen madig zu machen? Wer darf sich prioritär zum Venezuela-Coup äußern? Nur jene, die es direkt betrifft? Oder wir alle?  An dieser Stelle vielleicht so viel: Selbstverständlich sollte man jenen Venezolanern und Venezolanerinnen, die sich über den forcierten Regimewechsel freuen und deshalb neue Hoffnung schöpfen, nicht aus der Ferne, schlimmstenfalls noch von oben herab, Venezuela erklären (oder ihre Freude absprechen). Nichtsdestoweniger habe ich oben viele Argumente aufgeführt, warum das „Das geht doch lediglich Venezuela etwas an“-Argument etwas kurzsichtig ist. Weltpolitik betrifft nun mal die Welt. Die Dammbruchgefahr der Maduro-Entführung und die völkerrechtlichen Implikationen machen dieses Ereignis zu einem historischen Ereignis globaler Tragweite, das weit über venezolanische Ländergrenzen und über ein nationales, lateinamerikanisches Schicksal hinausweist. Insofern sollte jeder sich äußern dürfen, denn es betrifft uns alle (das schließt einen respektvollen Umgang mit jenen, die es unmittelbar und lokal betrifft, keineswegs aus, im Gegenteil).

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