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Das Ringen um den Fischotter

Der Fischotter gilt vielen als niedliches Flusstier mit Knopfaugen, doch seine Geschichte in Deutschland ist alles andere als idyllisch. Einst bevölkerte er fast jedes Gewässer, heute kehrt er nur langsam zurück und löst dabei alte Konflikte wieder aus. Wie es zu seinem Verschwinden kam, warum seine Rückkehr so mühselig ist und was uns das über den Zustand unserer Landschaft erzählt, erfährst du in diesem Artikel. Wir tauchen ein!

Andreas Schantl für Unsplash.

In meinem Buch „Liebe, Sex und Erblichkeit" habe ich über das Paarungsverhalten des Fischotters (Lutra lutra) geschrieben. Falls du es gelesen hast, erinnerst du dich vielleicht: Der Fischotter, dieses Tier mit dem dichten Fell und den dunklen Knopfaugen, das auf Fotos aussieht wie aus einem Kinderbuch, hat so ein brutales Paarungsverhalten, dass es klingt, wie aus einem Horrorfilm. Und ich habe noch nie jemanden getroffen, der oder die gesagt hat: Ach ja, klar, das wusste ich!

Ich beginne mit diesem Detail, weil es zeigt, wie wenig wir über den Fischotter wissen, obwohl er einmal überall in Deutschland gelebt hat. In jedem Fluss, jedem Bach, er war so verbreitet, dass er in Ortsnamen auftaucht: Otterberg, Otterndorf, Otterbach. Und dann war er weg.

Der Fischotter führt ein verstecktes Leben an Gewässern, die ihm Nahrung und Rückzugsräume bieten. Er jagt vor allem in der Dämmerung und nutzt dabei seine flinke Wendigkeit im Wasser, unterstützt von einem kuschligen Fell, das ihn warm hält, und einer kräftigen Rute, die als Steuer dient. Obwohl er ein hervorragender Schwimmer ist, verbringt er auch sehr gern Zeit an Land, wo er Ruhezonen in dichter Vegetation oder verlassenen Abflussröhren anlegt. Sein Nahrungsspektrum ist breit. Fische bilden natürlich den Schwerpunkt, ergänzt durch Amphibien, Krebse und den gelegentlichen Kleinsäuger-Snack. Fischotter leben nicht in festen Familienverbänden, die Weibchen ziehen stattdessen ihre Kids allein groß, die Männchen streifen durch ausgedehnte Reviere, die sich mit mehreren Weibchen überschneiden können.

Tod dem Otter

1885 erschien das Buch “Der Fischotter, dessen Naturgeschichte, Jagd und Fang nebst einer Abhandlung über den Otterhund und dessen Gebrauch”. Der Autor R. Corneli schrieb darin:

“Der Jäger braucht hierbei nicht zu fürchten, dass der Otter sobald spurlos verschwunden sein werde. Die geistigen und körperlichen Anlagen bei der versteckten Lebensweise des Otters, vor Allem die Schlauheit dieses Thieres, sichern ihm seinen Fortbestand, deshalb heute, wo noch zahlreiche Otter unsere Gewässer gefährden, vereine Jäger, Fischer und Fänger eine Parole": „Tod dem Otter." – R. Corneli, 1885

Well, ich sag mal so: Überraschenderweise verschwand der Otter durchaus. Was heute wie ein Aufruf zur Barbarei klingt, war damals schon jahrelang Konsens. Der Fischotter galt als “Schädling”, und seine Bekämpfung war so selbstverständlich wie die Trockenlegung von Sümpfen oder die Begradigung von Flüssen. Es war die Zeit, in der man die Natur als etwas betrachtete, das es zu bändigen und beherrschen galt, in der der Mensch alles haben darf und die Tiere und Pflanzen nichts. Ich habe vor allem viele Dokumente aus Sachsen dazu gefunden.

Mit der Gründung des Sächsischen Fischerei Vereins im Jahr 1884 entstanden erstmals die Strukturen, die eine systematische Verfolgung des Fischotters ermöglichten. Schon zu Beginn setzte sich der Verband das Ziel, den Bestand dieser Tiere drastisch zu reduzieren. Um dieses Vorhaben voranzutreiben, zahlte man hohe Prämien, verbreitete Aufrufe zur intensiven Jagd, veröffentlichte Berichte zum Fortschritt der Kampagne und führte Listen, in denen besonders erfolgreiche Otterfänger hervorgehoben und gepriesen wurden. In diese jährlichen Bestenlisten gelangten Personen, die mindestens drei Fischotter im Jahr töteten oder die ein bis zwei Otter erlegt und zusätzlich Reiher gefangen hatten.

Topic Heimische Natur

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