Die Sichtbarkeit und Unterstützung von Unternehmen, die sich am Pride Month beteiligen ist zurückgegangen. Benni Bauerdick hat für den Deutschlandfunk mehrere Menschen in der Community befragt und auch ich durfte ein Statement abgeben.

Interviews für solche Reportagen gehen in der Regel sehr viel länger als der Beitrag, der am Ende veröffentlicht wird. Aus diesem Grund trage ich hier noch ein paar ergänzende Informationen zusammen, die ich im vollständigen Interview angesprochen habe aber nicht im Beitrag von Deutschlandfunk vorkommen. Ich veröffentliche hier mit freundlicher Genehmigung von Benni Bauerdick und dem Deutschlandfunk den Audio-Mitschnitt (10min). Den Deutschlandfunk Beitrag findet ihr hier (Opens in a new window).
Pride ohne Sponsoren – wer trägt die Kosten des Rückzugs?
In den letzten Jahren ist es spürbar: Immer mehr Unternehmen ziehen sich aus der Sichtbarkeit zurück – weniger Regenbogenlogos, keine Trucks beim CSD, keine Sponsorings. Was früher als selbstverständliches Signal für Haltung galt, ist in einer zunehmend polarisierten politischen Landschaft zum kalkulierten Risiko geworden.
Ein zentraler Einflussfaktor kommt aus den USA. Der Spiegel berichtete bereits im April 2025 (Opens in a new window), dass die US-Botschaft deutsche Unternehmen zu ihren Diversity-Programmen befragt hat – und Druck ausübt, unter anderem Maßnahmen zugunsten von trans* Personen zurückzunehmen. Die Pressesprecherin Kerstin Thost vom LSVD⁺ bestätigte damals: Mehrere US-Botschaften haben Briefe an europäische Unternehmen geschickt und aufgefordert, alle Diversity-Programme zu beenden. Viele deutsche Unternehmen, die auch in den USA tätig sind, ziehen daraufhin ihre DEI-Aktivitäten weltweit zurück – nicht nur auf dem amerikanischen Markt.

Die Folgen sind konkret und finanziell messbar. Bereits 2025 meldeten sowohl der Cologne Pride (Opens in a new window) als auch der Berliner CSD (Opens in a new window) erhebliche finanzielle Einbußen. Der Berliner CSD verlor Sponsorings im Umfang von rund 200.000 Euro und musste einen öffentlichen Spendenaufruf starten. Was dann folgte, war eine bemerkenswerte Solidaritätswelle aus der Community – aber das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass strukturelle Unterfinanzierung keine Ausnahme ist, sondern zu einem wachsenden strukturellen Problem werden könnte.
Aktuelle Forschungsdaten von Gravity Research zeigen eine deutliche Verschiebung: Fast 40 % der großen Unternehmen geben an, ihr Engagement beim Pride Month zu reduzieren – und kein einziges plant, sein Engagement zu erhöhen. Die Mehrheit nennt als Grund den Druck durch politische Rahmenbedingungen. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 9 %. (Opens in a new window)
Weniger Sponsorengelder betreffen nicht nur die Demos – CSDs sind auch Anlaufstellen, Jobbörsen und Fundraising-Veranstaltungen für die Community. Der Rückzug hat also Konsequenzen, die weit über das Demonstrieren hinausgehen.
Was in Deutschland noch hinzukommt, ist eine beunruhigende Erosion politischer Sichtbarkeit. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hält auch 2026 daran fest, zum Berliner CSD keine Regenbogenflagge auf dem Parlamentsgebäude zu hissen. Parallel dazu wurde dem queeren Mitarbeitenden-Netzwerk der Bundestagsverwaltung untersagt, als solches am CSD teilzunehmen – auf Anweisung der Verwaltungsführung. Der Berliner CSD e.V. kommentierte dies als "aktive politische Ablehnung queerer Sichtbarkeit".
Das Muster ist nicht zu übersehen: Unternehmen, die jahrelang mit Regenbogenlogos Kaufkraft der queeren Community umwarben, ziehen sich zurück, sobald politischer Gegenwind aufkommt. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Das war nie echte Allyship – das war Marketing. Und Marketing kennt keine Loyalität. Die queere Community weiß das.
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