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Creative Empowerment Club

Kickstart Richtung Zukunft

Nein, ein Morgenmensch bin ich definitiv nicht. Aber wenn 22 Kinder drauf warten mit mir zu zeichnen, dann stelle ich mir den Wecker sehr gerne mal auf 5.00 Uhr, um dann drei Stunden später pünktlich zu Schulbeginn in einem Grundschulklassenzimmer in Reken zu sitzen.

So war´s am letzten Mittwoch. Ein für mich besonderer Tag, denn der allererste Kurs des Creative Empowerment Clubs stand an.

Die Herausforderung

Aber mal ganz von vorne. In den letzten Jahren beobachte ich, dass es immer weniger Geld und Förderung für kreative Kinder- und Jugendangebote gibt. Das, was vermeintlich als keine konkrete Notwendigkeit erscheint, wird als erstes abgeschafft oder gekürzt, während genau das in einer immer digitaler werdenden Zeit umso wichtiger wäre. Und so gucken wieder mal die in die Röhre, die unsere Hilfe und unsere Unterstützung am nötigsten haben: Die nächste Generation. Und mit dieser Erfahrung bin ich nicht alleine.

Felix Lobrecht, Comedian und selbst als Jugendlicher in Berlin-Neukölln aufgewachsen, erzählte in einem Podcast vor ein paar Monaten, dass seine eigene Jugend massiv von Menschen geprägt wurde, die Kultur- und kreative Angebote in sein Jugendzentrum gebracht haben. Doch diese Angebote wurden mit der Zeit gekürzt, teilweise ganz gestrichen und die Kinder und Jugendlichen sich selbst überlassen. Potenziale lagen brach, das Gefühl, selbstwirksam und ein Teil der Gesellschaft zu sein, gesehen zu werden, Bedeutung zu haben konnte nicht (mehr) erlebt werden und wich einer immer größeren Frustration und dem Gefühl, nicht teilzuhaben oder etwas bewirken zu können. Das war damals so und ist heute nicht nur nicht anders, sondern verstärkt sich oft noch. Und später gehen Schlagzeilen über “Krawall-Jugend” und “nicht ausbildungsfähige SchulabsolventInnen” durch die Presse. Lobrechts Ansicht (die ich teile): Ein hausgemachtes Problem. Das Gegenteil von dem, was gerade passiert müsste geschehen: Mehr Invest in Kinder und Jugendangebote, statt immer mehr Kürzungen.

Die Realität spricht eine vollkommen andere Sprache: Zum einen werden die Gelder weniger (obwohl sie da wären), zum anderen werden die bürokratischen Hürden in öffentlichen Förderungen für Einrichtungen und Referenten immer größer, sodass es für Kunst- und Kulturschaffende immer schwerer wird, gute Angebote durchzuführen, weil sie sich schlicht kaum realisieren lassen. Geld und Bürokratie bestimmen gerade darüber, ob Kinder die Chance bekommen ihre kreativen Fähigkeiten zu stärken, während Tech-Konzerne Milliarden daran verdienen, dass sie die kreativen Potenziale unserer Kinder wiederum vor Bildschirmen und Apps verkümmern lassen.

Aktiv werden

Diese Diskrepanz und mein eigenes Erleben dieser Bürokratiehürden und Budgetkürzungen haben mich geärgert und mich dazu bewogen, hier etwas zu tun und selbst aktiv zu werden.

Und so ist der Creative Empowerment Club entstanden. Ein Dreieck aus sozialem Engagement und Sichtbarkeit, Förderung und Zukunftsmut zwischen Wirtschaft, Kreativbranche und Kinder- und Jugendarbeit.

Unternehmen, die verstanden haben, dass Kreativität die Währung der Zukunft ist, die positive Werte vertreten und eine Balance zwischen technologischem Fortschritt und Erhalt der Zukunftsfähigkeit stärken wollen, werden Kurs-Paten und übernehmen mit mir gemeinsam einen “SketchNote-Kurs” (ein visuelles Kommunikationswerkzeug, das Zeichnen und Inhalte verbindet) in einer von ihnen ausgewählten Einrichtung.

Vor ein paar Wochen stellte ich das Projekt bei einer Unternehmertagung vor und auch mein persönliches Ziel: Unternehmen zu begeistern Zukunftsmacher zu werden und mindestens 100 Projekte zu realisieren.

Michael Mengering, Geschäftsführer der Velener Bauunternehmung für biologischen Hausbau wohnbehagen GmbH & Co. KG (Opens in a new window) kam nach der Veranstaltung auf mich zu und sagte: “Joana! Wir wollen eine der 100 Firmen sein!”. Sie waren nicht nur eine davon, sondern die allerersten und zeigen damit Pioniergeist in einer Welt, die Kreativität gerade mit Bildgeneratoren und KI-Apps abzulösen versucht. Wohnbehagen glaubt fest daran, dass Zukunftsfähigkeit eine direkte Verbindung mit dem kreativen Erleben in der Kindheit und im Jugendalter hat, um sich später auch für handwerkliche Berufsbilder begeistern zu können.

Die wunderbaren Ergebnisse der Klasse 4b der St. Antonius Grundschule Reken

Michael Mengering und seine Kollegin Sabrina Winkelmann suchten einige Tage später eine Schule aus, die ihnen besonders am Herz liegt. Und so saß ich also an einem nebeligen Mittwochmorgen Anfang Februar im warmen Klassenzimmer der Delfinklasse von Frau Martina Hummels an der St. Antonius-Grundschule in Reken auf einem für mich etwas zu kleinen Stühlchen und sah in 22 neugierige Kinderaugenpaare, die darauf warteten endlich zeichnen zu können.

Selbstwirksamkeit mit Stiften

Das Malen liegt uns besonders nah, denn es ist im Vergleich zu anderen kreativen Möglichkeiten einigermaßen niedrigschwellig. Bevor es die Sprache gab, haben die ersten Menschen in Höhlen ihre Geschichten an Wände gemalt. Kleinkinder kann man dabei beobachten, wie sie die Lücke zwischen dem, was sie ausdrücken wollen und was sie sprachlich ausdrücken können, oft mit Kritzeleien füllen.

Was dabei passiert ist, dass sich im Ausprobieren Kreativität entfaltet. Die Hand-Kopf-Konnektion führt zu Vernetzung in der Gehirnstruktur, die später zu ausgeprägter Problemlösekompetenz führen können, das Interesse am Gestalten wächst und das Erleben der eigenen Fähigkeiten wird ermöglicht. Das alles “nur” mit einem Stift und ein bisschen Papier.

Was ich in meinen Kursen mit Kindern und Jugendlichen immer wieder beobachte ist, dass sie häufig völlig im Tun versinken. Geben wir ihnen Räume und die Zeit, sich in einer Sache auszuprobieren, können wir feststellen, dass sich Ruhe einstellt, die unter der permantenten Dauerbeschallung durch Mediennutzung, TV und Social Media niemals entstehen könnte.

In der St.Antonius-Grundschule haben wir auf diese Art einen kompletten Vormittag mit freiem Zeichnen gefüllt, nachdem ich die Grundlagen vermittelt und mit Übungen die Fantasie der Kinder angeregt habe.

Michael und Sabrina kamen später noch dazu und konnten selbst erleben, was in relativ kurzer Zeit mit ihrer Unterstützung alles entstehen konnte. Bildideen, gezeichnete Steckbriefe, das Auseinandersetzen mit sich selbst. Und sogar Meta-Ebenen, wie zB das Erfahren, dass die eigene kreative Fähigkeit nicht bewertbar ist, sondern lediglich das Ergebnis häufig einer Bewertung unterliegt, oder der Fakt, dass wir oft die gleichen Dinge sehen, aber jeder etwas anderes interpretiert, fließen in den Kursen des Creative Empowerment Clubs mit ein. Ganz mühelos kommen die Kinder und Jugendlichen auf diese Art mit den sogenannten 21st Century Skills (Zukunftsfähigkeiten/ 4 K: Kritisches Denken, Kreativität, Kommunikation und Kollaboration) in Kontakt.

Das Warum als Creative Empowerment Partner

„Wir von Wohnbehagen konnten uns von der ersten Sekunde an mit der Mission von Joana Mertens identifizieren. Nach dem Motto “Durch die Hand in den Kopf“ entstehen bei uns im Planungsbüro die ersten Entwurfszeichnungen und in der Zimmerei durch echtes Handwerk individuelle und hochwertige Holzhäuser. Dadurch wissen wir, wie wichtig die eigene Kreativität sowohl für bestmögliche Ergebnisse als auch für das Selbstwertgefühl ist.

In der rasant zunehmenden Welt der Digitalisierung haben wir eine Verantwortung gegenüber unseren Kindern, sie von Beginn an bedacht und mit der richtigen Balance an das Thema KI heranzuführen. Dabei dürfen die individuellen Fähigkeiten ihrer Kreativität aber nicht verloren gehen. In unserer Partnerschaft mit Creative Empowerment sehen wir die Möglichkeit, professionell für nachhaltige Nachwuchsförderung zu sorgen, was uns sehr am Herzen liegt.“

Übergabe des Zertifikats als Creative Empowerment Partner an Michael Mengering und Sabrina Winkelmann von wohnbehagen GmbH & Co. KG

Ich sage Danke an Michael Mengering und sein Team für einen fulminanten Start des Creative Empowerment Club-Projekts, für die Unterstützung und den Pioniergeist, der dieses Projekt möglich macht und freue mich auf alles, was noch daraus entsteht. Bereits 4 Kurs-Projekte stehen für das erste Quartal in der Pipeline und der Creative Empowerment Club wächst weiter.

Weitere Informationen zum Hintergrund und Durchführung, aber auch, wie man Creative Empowerment Partner werden und selbst ein Kursprojekt durchführen kann, gibt es hier (Opens in a new window).

Wer das Projekt noch auf andere Art unterstützen möchte, kann dies auch in kleinerem Umfang tun. Auf diesem Blog kann man “Creative Empowerment Supporter”. Die Unterstützung fließt in die weitere Konzeption, sowie persönliche Materialsets, Workbooks und zusätzliche Kursutensilien, die den Kindern beim Workshop zur Verfügung gestellt werden und die sie zum Weitermachen zu Hause nutzen können.

Let´s grow Creative Empowerment :)

Topic Persönliche Einblicke

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