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Samson – die männliche Stärke in der Kunst

Wenn ich geschoren werde, dann werde ich schwach wie jeder andere Mensch sein” (Richter 16, 17)

Männliche Stärke ist eine der großen Obsessionen der Kunstgeschichte. Doch kaum eine Geschichte verdeutlicht ihre Zerbrechlichkeit so gut wie die von Samson.

Diese Woche begibst du dich auf eine Reise durch drei verschiedene Momente im Leben dieser biblischen Figur. Seine Geschichte handelt nämlich nicht nur von körperlicher Stärke. Es geht auch um Macht, Verletzlichkeit und Rache.

Greife auf den vollständigen Inhalt zu und entdecke, wie die Kunst große Erzählungen in Bilder voller Spannung, Sehnsucht und Gewalt verwandelt. Woche für Woche wirst du deine Sichtweise auf die Kunstwerke verändern.

Die Geschichte von Samson lässt sich auf einen einfachen Gedanken reduzieren: Er war ein Mann mit außergewöhnlicher Kraft. Doch die Kunst hat sich selten ausschließlich für seine körperliche Stärke interessiert.

Im Laufe der Jahrhunderte haben Künstler Samson genutzt, um auch von der Zerbrechlichkeit dieser Kraft zu erzählen, von der Verletzlichkeit des männlichen Körpers und von der Gewalt, die entsteht, wenn diese Kraft außer Kontrolle gerät.

Das Leben dieses Helden ist voller Episoden, in denen seine Kraftdemonstrationen scheinbar keine Grenzen kennen. Er beherrscht die Natur und besiegt alles, was ihn an Größe und Gestalt übertrifft.

Samson ist jedoch mehr als ein biblischer Held. Er ist auch ein Mittel, um eine ständige Sorge der westlichen Kultur darzustellen: Was passiert, wenn das, was unbesiegbar schien, plötzlich seine eigene Schwäche entdeckt?

Die absolute Macht

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Peter Paul Rubens. Samson tötet den Löwen. 1628. 226 × 265 cm.

Peter Paul Rubens (1577–1640) hat hier nicht nur eine biblische Episode gemalt. Er schafft ein extremes Bild männlicher Macht.

Samson wird von einem Löwen überrascht, der sich auf ihn stürzt. Laut dem Bibeltext kam „der Geist Gottes über ihn“ und der Held konnte das Tier allein mit seinen Händen zerreißen. Ohne Waffen. Sein Körper reichte ihm aus.

Rubens verwandelt die Szene in eine Explosion körperlicher Spannung. Die Figur nimmt fast die gesamte Komposition ein und setzt sich gegen das Tier mit seiner ganzen Gewalt durch. Der Löwe wehrt sich noch, doch Samson verdreht ihm den Kiefer, bis er ihn schließlich bezwingt. Der Maler fängt den gewalttätigsten Moment der gesamten Handlung ein.

Wir befinden uns mitten im Barock, einer Epoche, in der die Gelassenheit und Beherrschung der Renaissance keine Rolle mehr spielen. Alles ist Energie, Bewegung und Übermaß. Der Maler zeigt die bis zum Äußersten getriebene Kraft, ohne etwas zu idealisieren.

Doch das Gemälde offenbart noch etwas anderes. Der Held definiert sich nicht durch seine Intelligenz, seine Worte oder seine Strategien. Seine gesamte Identität hängt von seiner körperlichen Leistungsfähigkeit ab. Sein Körper ist seine Kraft, aber auch seine Schwäche.

Darin liegt die Spannung der Geschichte. Denn das, was ihn unbesiegbar macht, macht ihn gleichzeitig verwundbar. Seine Kraft hängt einzig und allein von seinen Haaren ab, sodass seine gesamte Identität verschwinden könnte, während er schläft.

Samson besiegt das Tier vor deinen Augen. Doch jede extreme Kraft birgt die Möglichkeit ihrer eigenen Zerstörung in sich.

Kraft versus Verletzlichkeit

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Anthony van Dyck. Samson und Delila. 1630. 146 × 254 cm. Kunsthistorisches Museum. Wien.
Topic Ikonografie - Mythologie

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