bei Desiree Wickler in Linz am Rhein. Die Lesung hat allen Beteiligten einen Riesenspaß gemacht!

Die nächsten Lesung findet am 08. Mai in der Katholischen Bücherei in Bad Honnef - Rhöndorf statt. Diesmal nicht im Ping Pong Format sondern …
… René Klammer liest aus seinem Roman Sonja war hier vor und David Jacobs sowie das Publikum befragen ihn dazu.

Am 15.Mai gibt es um 19 Uhr im Museumsbahnhof Ahütte in der Eifel wieder ein Literarisches Ping Pong im klassischen Format. Unbedingt zeitnah reservieren!!!

Und hier eine der Geschichten, die wir in Linz gelesen haben:
Brahma
Einen Wasserbüffel kannst du nicht einfach so in deinem eigenen Garten vergraben. Wenn er tot ist, liegen mit einem Mal 1 ½ Tonnen Wasserbüffel auf der Weide oder da, wo es ihn dann letztlich erwischt hat. Und Brahma war tot. Daran bestand kein Zweifel. Brahma hat mich durch meine Kindheit getragen, seit ich mich erinnern kann. Jetzt ist Brahma tot. Brahma ist 18 Jahre alt geworden. Wasserbüffel können so alt werden. Wenn man sie lässt. Die Fliegen sammeln sich auf seinem dunklen Fell. Sein starker Schwanz kann sie nicht mehr vertreiben. Ich scheuche sie fort. Wir werden uns etwas überlegen müssen. Als ich drei Jahre alt wurde, nahm mich mein Vater an der Hand und mit mir in den Stall. „Das ist Brahma“, sagte mein Vater. In meiner kleinen Faust hielt ich eine Karotte. Aufgeregt und scheu stand ich am Gatter und streckte meine Hand nach dem Wasserbüffel aus. Ich erinnere mich an diesen sanften Blick. Seine Augen leuchteten warm. Er hatte Wimpern, schön, wie die meiner Mutter. Nur länger. Vorsichtig pflückte er mit seinen Lippen die Gabe aus meiner Faust. Ich ließ los, er trottete etwas zur Seite und begann knirschend die Rübe zwischen seinen kräftigen Zähnen zu zermahlen. Die Bauern hatten ihm einen Blütenkranz um den Hals gelegt. „Möchtest du auf seinem Rücken reiten?“, fragte mein Vater. Brahma war groß. Die Hörner schwangen im weiten Bogen und wie schwerelos, wenn er den mächtigen Kopf drehte, um sich den Nacken mit ihren Spitzen zu kratzen. Ich weiß nicht mehr, was ich meinem Vater geantwortet habe, aber das nächste, an das ich mich erinnere, ist die Wärme von Brahmas Rücken. Seine Wärme und diesen Geruch, den ich nie vergessen werde. Streng roch er, nach Schweiß und Mist. Ich wurde still, wenn ich mich an ihn lehnte und mein Ohr an seinen Bauch legte, um auf das Gluckern darin zu lauschen. Brahma hat mich durch meine ganze Kindheit getragen. Ich ritt auf ihm, wenn die Reisfelder bestellt wurden, und ich saß in dem zweirädrigen schweren Holzwagen, den er zum Markt zog. Immer nach der Schule ging ich zu ihm und immer dann, wenn ich Kummer hatte. Einen toten Wasserbüffel kannst du nicht einfach so in deinem eigenen Garten begraben. Die Bauern mussten Brahma mit einem Ochsengespann wegziehen. Ich lief fort, als sie kamen. Ich habe nie danach gefragt, was sie mit ihm gemacht haben.
Eine Kurzgeschichte von David Jacobs