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TEXTE VOM VORHANDENSEIN

TEXTE VOM VORHANDENSEIN VON MARCO MICHALZIK. In der Mitte des Titelschriftzugs ist ein Porträt des Autors in schwarz-weiß zu sehen.

TEIL 41: VOM ZUSTIMMEN UND WIDERSPRECHEN

“Ich lobe den Herrn aus tiefstem Herzen. Alles in mir jubelt vor Freude über Gott, meinen Retter. Denn er wendet sich mir zu, obwohl ich nur seine unbedeutende Dienerin bin. Von jetzt an werden mich alle Generationen glückselig preisen. Denn Gott, der mächtig ist, hat Großes an mir getan.Sein Name ist heilig. Er ist barmherzig zu denen, die ihm Ehre erweisen –von Generation zu Generation. Er hebt seinen starken Arm und fegt die Überheblichen hinweg. Er stürzt die Machthaber vom Thron und hebt die Unbedeutenden empor. Er füllt den Hungernden die Hände mit guten Gaben und schickt die Reichen mit leeren Händen fort. Er kommt seinem Diener Israel zu Hilfe und erinnert sich an seine Barmherzigkeit. So hat er es unseren Vorfahren versprochen: Abraham und seinen Nachkommen für alle Zeit!”

Evangelium nach Lukas 1,46-55

Zwei Texte an die ich in diesem Advent immer wieder denken musste, obwohl sie auf den ersten Blick vielleicht gar nicht besonders weihnachtlich klingen: Das eine sind die Zeilen aus dem Magnficat, die Maria vor der Geburt von Jesus spricht (oder singt?) und das andere ist das Gedicht Affirmation der in diesem Jahr im kubanischen Exil verstorbenen afroamerikanischen Freiheitskämpferin und Dichterin Assata Shakur. Den Musikinteressierten ist sie vielleicht bekannt als Paten-Tante des Rappers Tupac Shakur.

Ich sehe in ihrem Gedicht viele Spiegelungen und Anklänge an Marias Worte im Magnificat, die ich oben zitiert habe: Unterdrückung und erlebte Gewalt deren Zeugin sie geworden ist. Der Schweiß der Liebe und das Wunder der Geburt. Und vor allem die Hoffnung auf einen Heimathafen und die Ahnung, dass alle Mauern der Unterdrückung und Ungerechtigkeit und Diskriminierung eingerissen werden können (und werden):

I believe in living.
I believe in the spectrum 
of Beta days and Gamma people.
I believe in sunshine, Aha!
In windmills, in waterfalls, 
Tricycles, and rocking chairs. 
And I believe that seeds grow into sprouts
And sprouts grow into trees. 
I believe in the magic of the hands.
And in the wisdom of the eyes. 

I believe in rain and tears. 
And in the blood of infinity.
I believe in life.
And I have seen the death parade 
March through the torso of the Earth, 
Sculpting mud bodies in its path. 

I have seen the destruction of daylight 
And seen bloodthirsty maggots 
Prayed to and saluted. 
I have seen the kind become the blind 
and the blind become the bind 
in one easy lesson.
 
I have walked on cut glass. 
I have eaten crow and blunder bread 
And breathed the stench of indifference. 
I have been locked by the lawless. 
Handcuffed by the haters.
Gagged by the greedy. 

And, if I know anything at all,
It’s that a wall is just a wall 
And nothing more at all. 
It can be broken down.

I believe in living.
I believe in birth. 
I believe in the sweat of love 
And in the fire of truth. 

And I believe that a lost ship,
Steered by tired, seasick sailors,
Can still be guided home to port.

Ich habe das Gedicht vor kurzem frei ins Deutsche übersetzt und für dich eingesprochen. Meine Übersetzung als Text findest du direkt unter dem Lesungs-Video.

https://www.youtube.com/watch?v=p5Ng9G3rqJg (Opens in a new window)
Zustimmung

Ich glaube an Leben.

Ich glaube an ein vorhandenes Spektrum

zwischen den Extremen.

Ich glaube an Sonnenlicht,

an Windmühlen und Wasserfälle,

an Dreiräder und Schaukelstühle.

Und ich glaube, dass Samenkörner zu Sprossen heranwachsen

und Sprösslinge zu Bäumen werden

mit der Zeit.

Ich glaube an die Magie der Hände

und an die Weisheit der Augen.

Ich glaube an Regen und Tränen

und an das Blut der Unendlichkeit.

Ich glaube an Leben.

Und ich habe gesehen, wie die Todesschar

durch den Torso der der Erde marschierte

und auf ihrem Weg Lehmkörper formte.

Ich habe die Zerstörung des Tageslichts gesehen

und blutdürstige Insekten, die angebetet

und freudig begrüßt wurden.

Ich habe gesehen, wie die Guten geblendet wurden

und wie die Geblendeten zu Verbündeten

des Verderbens wurden ohne dass es dafür viel gebraucht hätte.

Einfach so

Ich bin über Glassplitter gegangen,

habe Krähenkadaver und Brotreste gegessen

und den Gestank der Gleichgültigkeit eingeatmet.

Ich wurde von Gesetzlosigkeit eingesperrt und

von Hasserfülltheit in Handschellen abgeführt und

von Gier geknebelt.

Aber eines weiß ich:

Dass eine Mauer

immer nur eine Mauer ist und mehr nicht -

Sie kann eingerissen werden.

Ich glaube an Leben.

Ich glaube an Geburt.

Ich glaube an den Schweiß der Liebe

und an das Feuer der Wahrhaftigkeit.

Und ich glaube, dass ein verirrtes Schiff,

gesteuert von einer müden und seekranken

Besatzung am Ende nach Hause geführt werden kann.

In den Hafen.

Vielen Dank für Deine Unterstützung in diesem Jahr! Danke für Deinen Support, Dein Interesse, Dein Lesen, Dein Feedback! Es bedeutet mir viel, dass Du Teil meiner Community bist. Ich wünsche Dir und den Menschen, mit denen Du unterwegs bist, frohe Festtage, Zeit zum Pause machen und Innehalten, zum Feiern und Genießen, für Gemeinschaft und Gefühle.

Herzliche und hoffnungsvolle Grüße

Marco

PS.

Wenn du noch ein bisschen Licht für die Weihnachts-Tage brauchst, haben wir eins angezündet für dich:

https://youtube.com/shorts/eiMF0ap-akA?si=9UfctBLkLIM1O8b4 (Opens in a new window)
Topic Texte vom Vorhandensein

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