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Erna Schippel Spezial: „Ehrenamt à la Nusseltrud“

Ausgabe vom Mittwoch 03. September 2025

In Altentreptow wird das Ehrenamt großgeschrieben. Feuerwehr, Sportvereine, Chöre, Heimatmuseum – überall gibt es Menschen, die ihre Freizeit opfern, Kuchen backen, Feste organisieren, Fahrten stemmen. Ehrenamt heißt hier: Herzblut, Engagement, ein bisschen Selbstaufopferung.

Und dann gibt es Frau Nusseltrud

Sie ist eine unserer Beauftragten mit eigener Mission. Ehrenamtlich, versteht sich – wobei man bei ihr manchmal denkt, dass „Ehre“ und „Amt“ zwei Wörter sind, die sich schon lange voneinander scheiden lassen wollten.

Während andere Ehrenamtliche am Wochenende Bratwurst wenden oder Förderanträge schreiben, stemmt Frau Nusseltrud nur eins: ihre Tastatur. Kommentar hier, Kommentar dort, manchmal gleich doppelt. Unter jedem Bild, jedem Beitrag, jedem noch so harmlosen Witz. Sie ist das Spam-Orchester vom Gesichter-buch. Und wie jedes Orchester braucht sie eine Probe – ihre dauert allerdings so lange, bis die Gruppenleiter sie hochkant rauswerfen. Es gibt Moderatoren, die haben wahrscheinlich schon eine eigene Schaltfläche programmiert: „Nusseltrud entfernen“.

Wenn sie nicht tippt, sammelt sie Kastanien. Im Friedpark, irgendwo zwischen Trauerweide und Parkbank. Für andere ein Ort der Stille, für sie ein saisonaler Supermarkt ohne Kasse. Mit der gleichen Gelassenheit, mit der andere Pilze sammeln, stopft sie ihre Taschen voll – und findet daran nichts Ungewöhnliches. Wahrscheinlich sieht sie sich selbst als Pionierin einer neuen Nachhaltigkeit: ‚Bestattung trifft Bioprodukt.

Natürlich hatte Frau Nusseltrud auch Projekte

Eine Gruppe, die zu einem Ort des Austauschs werden sollte. Leider war der einzige Austausch der zwischen „Beigetreten“ und „Wieder ausgetreten“. Ein Tarilu-Projekt, das klang wie digitale Zukunft, aber nach drei Posts schon verstaubte wie ein Gemeindeblatt von 1994. Und das Ehrenamt selbst? Ja, offiziell ehrenamtlich, aber im Hintergrund gibt’s doch immer eine kleine Anerkennungspauschale. Für manche Menschen eine Aufwandsentschädigung – bei Nusseltrud eher ein Schweigegeld fürs Nichtstun, was Ihre Lieblingsbeschäftigung ist.

Und trotzdem: Wenn das Ordensverleihungsfest ruft, ist sie da. Frau Nusseltrud liebt das Rampenlicht, wie andere den Kartoffelsalat. In Kleidern, die so unspektakulär sind wie ihre Amtsführung. Stolz wie eine Provinzdiva schreitet sie durch den Saal, lacht laut, nickt wichtig, posiert für Fotos, als ginge es um die Krönung zur Miss Altentreptow. Und niemand fragt sich mehr, was sie eigentlich geleistet hat – weil jeder längst weiß: nichts.

Der eigentliche Witz

Es ist diese Mischung aus Dreistigkeit und Gleichgültigkeit, die sie so unerschütterlich macht. Wo andere erröten würden, wenn ihr Projekt nach zwei Wochen stirbt, wo andere Demut zeigen würden, wenn sie aus der zehnten Gruppe fliegen – da geht Frau Nusseltrud erhobenen Hauptes weiter. Immer bereit für den nächsten Kommentar, das nächste Fest, die nächste Kastanie.

Vielleicht, und das ist der eigentliche Witz, ist sie damit sogar die ehrlichste Ehrenamtliche, die man je hatte. Denn während alle anderen den Anspruch haben, etwas Sinnvolles beizutragen, verkörpert sie die pure Wahrheit: Gleichgültigkeit.

Und vielleicht ist das am Ende der wahre Kern ihres Amtes. Nicht nicht Unterstützung, nicht Einsatz. Sondern die Botschaft: Es ist egal. Alles ist egal. Hauptsache, man hat ein Amt, einen Titel und ein Kleid für das Dorffest.

Die Feuerwehr löscht, der Sportverein trainiert, die Chöre singen. Und Frau Nusseltrud? Sie kommentiert, sie kassiert, sie kastanient.

Willkommen im Ehrenamt à la Nusseltrud.

Mit Amtswitz und Aufpassblick
Ihre Erna Schippel
Norddeutsch, nüchtern – aber nie ganz ohne Hoffnung.

Altentreptow, Mittwoch, 3. September 2025 - Satire, frei erfunden.
Alle dargestellten Personen, Orte und Ereignisse sind humoristisch verfremdet.
Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, Institutionen oder Ereignissen sind rein zufällig. © Erna Schippel 2025.

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Topic Satire aus Altentreptow

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