Das Jahr ist zwar noch nicht ganz vorbei, aber ich bin überzeugt: Einen größeren Erfolg werde ich nicht mehr erreichen. Hier kommt mein Alltags-Triumph des Jahres.

Wir hatten jetzt ein über ein halbes Jahr zwei Plastikkisten in der Küche stehen. Eine Zeitlang hatte ich ein Abo bei der Märkischen Kiste (Opens in a new window), das ist ein nachhaltiger Lieferservice von Bio-Lebensmitteln aus der Region für Berlin und Brandenburg. Jeden zweiten Freitag kam frisches Obst und Gemüse in einer Kiste zu uns.
Die Idee ist, dass man, wenn die neue Lieferung kommt, die alte, dann leere Kiste, abgibt und die neue im Empfang nimmt. Kling einfach, ist es aber nicht. Immer wieder klingelte es plötzlich an einem Freitag um kurz vor acht Uhr und mir fiel ein: „Die Märkische Kiste!“ Ich rannte in die Küche, um die leere Kiste zu holen und als ich wieder an der Tür war (wir haben einen sehr langen Flur), stand die neue Kiste schon davor und der Mensch, der sie gebracht hatte, war weg.
Hilfe von der Kita
Wie machte er das? Irgendwann, als wir uns doch mal von Angesicht zu Angesicht begegneten, fragte ich nach und er erzählte, dass er nicht an der Haustür warte bis ich öffnete. Wir haben eine Kita im Erdgeschoss und weil um diese Zeit viele Leute rein und raus gehen, war er fix im Haus und dann natürlich auch schnell bei uns im ersten OG. Und anstatt noch einmal an der Wohnungstür zu klingeln, stellte er die Kiste einfach ab und ging.
Mit der Zeit wurde ich klüger. Ich platzierte die leere Kiste schon am Abend vorher an der Wohnungstür und stellte mir einen Wecker, doch dieser gemeine Mensch kam einfach zu unterschiedlichen Zeiten. Eines Tages im Frühsommer, als ich schon zwei leere Kisten angesammelt hatte, war ich perfekt vorbereitet. Die Kisten standen im Flur, ich war schon seit sieben Uhr wach, der Termin stand dick im Kalender. Dann musste ich kurz zur Toilette. Wenige Minuten später kam ich wieder raus und David stand verschlafen im Flur. „Wo warst du?“, fragte er, „es hat geklingelt.“ Ich konnte es nicht fassen: „Was? Wie kann das sein, ich habe nichts gehört.“ Da hat dieser Bote doch echt die drei Minuten abgepasst, in denen ich auf der Toilette war und schnell die neue Kiste abgestellt.
Die zündende Idee
Ich war dermaßen sauer und frustriert, dass ich zum Computer marschierte und mein Abo kündigte. Zur Hölle mit der regionalen Nachhaltigkeit. Das löste aber mein Kistenproblem nicht. Ich schrieb eine Mail und fand heraus, dass ich die Kisten in Marienfelde abgeben könne. Hmm. Toll. Nachdem sich der Qualm aus meinen Nasenlöchern verflüchtigt hatte, schob ich das Thema zur Seite, beziehungsweise an den unteren Rand meiner To-Do-Liste und ließ die Kisten Kisten sein. So etwas guckt sich ja weg in der Wohnung. Irgendwann gewöhnt man sich dran.
Aber jetzt, vor wenigen Tagen, am historischen Freitag, dem 12. Dezember 2025, habe ich es geschafft, das Problem zu lösen. Ich habe noch einmal bestellt und bin endlich auf die zündende Idee gekommen, die leeren Kiste einfach am Donnerstagabend in den Hausflur vor unsere Wohnungstür zu stellen. In der Nacht war ich richtig aufgeregt und hatte einen gruseligen Traum von einer riesigen Holzkommode mit einem Schlauch, die der Bote in unseren Hausflur eingebaut hatte und die er dort einfach stehenließ, weil er der Meinung war, dass das Gemüse so am frischesten blieb.
Doch ich ließ mich nicht beirren, schob den Traum beiseite, stand um 6.30 Uhr auf, machte mich fertig, blieb auch nach 8.30 Uhr noch sprintbereit und dann klingelte es endlich. Ich fing den Boten an der Tür ab und bat ihn sogar noch kurz zu warten, damit ich die neue Kiste leeren konnte, so dass er sie mit den zwei anderen auch direkt wieder mitnehmen konnte. Haha! Meinen darauffolgenden Freudentanz könnt ihr euch kaum vorstellen. Jetzt kann ich diesen Punkt endlich von meiner To-Do-Liste streichen. Man, bin ich stolz.
Besonders stark übrigens: Innerhalb der mindestens sechs Monate, die die Kisten hier standen, haben sie es nie auf ein Foto geschafft, deshalb seht ihr nur mich wie ich faul auf dem Sofa herumliege.