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Alles klar.

Was Maga und den Kreml verbindet/Slimani “Trag das Feuer weiter”/ Doktor und das liebe Vieh S6/ Doku Grönland/Gratin Dauphinois

Der Tod von Renée Good, die Schüsse iranischer Uniformierter – der Ausdruck Sicherheitskräfte verbietet sich - auf demonstrierende Frauen und die Angriffe Russlands auf zivile Wohngebiete mit Frauen und Kindern folgen, bei allen Differenzen, einer tiefen kulturellen Logik. Diese Allianz ist getragen vom Wunsch, Frauen aus der Öffentlichkeit zu verdrängen und eine angeblich alte und natürliche, patriarchalische Ordnung wieder herzustellen. Maskiert wird das als Versuch, nach angeblichen Exzessen emanzipatorischer Bewegungen wieder zu einer konservativen Mittelposition zurückzukehren, darauf sollte man aber nicht herein fallen. Gewalt gegen Frauen, insbesondere gegen engagierte linke, linksliberale, grüne sowie christdemokratische Frauen, die sich öffentlich äußern, ist das geheime Lebenselixier, die gesellschaftliche Energiequelle im System der alten Männer und ihrer rechtsradikalen Bewegungen.

Gewalt gegen Frauen und ihre symbolische Abwertung begleitet das Leben Donald Trumps. Er betrieb lange ein Unternehmen, das sogenannte Miss-Wahlen veranstaltet – unter anderem m, wie er sagte, oft und ungehindert durch die Umkleideräume spazieren zu können. Er machte aus der öffentlichen Bewertung des Aussehens, der Hotness von Frauen – inklusive seiner eigenen Tochter - sein Markenzeichen. Er war ein enger Freund von Jeffrey Epstein und stand selbst wegen entsprechender Vorwürfe vor Gericht. In einem Zivilverfahren gegen E. Jean Caroll wurde er wegen seiner Übergriffe zu einer Millionenstrafe verurteilt. Über zwei Dutzend anderer Frauen erhoben Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe gegen Donald Trump. Zweimal wurde er in der Konkurrenz gegen weitaus qualifiziertere, bessere Frauen zum Präsidenten gewählt – seine Leute wissen eben, dass er dann auch abliefern wird.

Die Schüsse auf Frau Good sind kein Unfall. Sie lag im Sterben, als der Schütze sie als “fucking bitch” beschimpfte. Der Vizepräsident gab der Tat seinen politischen, öffentlichen Segen. Spender aus dem Maga-Lager machten den Täter, der weiter seinem Job nachgeht, zum Millionär. Der Hass gegen das Opfer reicht auch über ihren Tod hinaus. Die Maga-Bewegung, sowohl ihr staatlicher wie ihr digitaler Arm verfolgen ihre Witwe sowie die Schule ihres Sohnes. Wie es die Kolumnistin Michelle Goldberg in der New York Times schreibt: Ein Muster, keine Panne.

https://www.nytimes.com/2026/01/16/opinion/republicans-ice-white-women.html (Opens in a new window)

Wladimir Putin, der Freund und Förderer Trumps, kam öfter lobend auf sexualisierte Gewalt zu sprechen. Putin bezeichnete 2006 den israelischen Präsidenten Mosche Katzav – der wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung angeklagt war – als „starken Kerl“ und soll gesagt haben: „Zehn Frauen hat er vergewaltigt … Wir beneiden ihn alle.“ So wurde er damals von der Moskauer Tageszeitung Kommersant zitiert.

Katzav kam dann ins Gefängnis, Putin leider noch nicht. Kurz vor seinem Großangriff auf die Ukraine zitierte er im Februar 2024 mit seinem typischen Lächeln eine Zeile purer rape-culture: „Ob dir das gefällt oder nicht — halte es aus, meine Schöne.“ Damit meinte er die ukrainische Demokratie und Souveränität, der er seinen Willen aufzwingen wollte. Die Einheit, die seine Vorstellungen später in dem Städtchen Butscha in die Tat umsetzte, hat er folgerichtig ausgezeichnet und belobigt.

Die Innenpolitik der iranischen Führung, die von Putin unterstützt wird, steht ganz im Zeichen des erbitterten Kampfes gegen die Freiheit der Frauen. Es ist ihr wichtigster Programmpunkt. Demonstrierenden Iranerinnen wird gezielt ins Gesicht geschossen, sexualisierte Gewalt und Folter in den Haftanstalten sind weit verbreitet und passen zur Ideologie des Regimes.

Russland und Iran sind auch Freunde und Sponsoren der Hamas, Berichte israelischer Ermittlungen, Zeugenaussagen und Untersuchungen dokumentieren, dass während des lange geplanten und üppig finanzierten Angriffs am 7. Oktober 2023 sexualisierte Gewalt gegen Frauen ausgeübt und systematisch aufgezeichnet wurde. Es muss ihnen sehr wichtig gewesen sein.

Die von der rechtsradikalen Ecke ausgehende Eskalation der Gewalt gegen Frauen beginnt schon im Netz – hierzulande muss man sich nur kurz ansehen, wie rechtsradikale Stimmungsmacher gegen Angela Merkel gehetzt haben. Prominente Frauen, die sich gegen die extreme Rechte engagieren und für Menschenrechte und Demokratie einstehen, sind Drohungen und Übergriffen besonders ausgesetzt. Auch hier folgt es rechter politischer Logik, dass Institutionen wie HateAid, die in solchen Fällen helfen, von Trump und Maga bekämpft werden.

Donald Trump hat eigentlich ein überragendes politisches Interesse an einer effektiven Bekämpfung des iranischen Regimes und der russischen Führung: Er gälte dann als starker Chef der freien Welt, würde den Ruhm und die strategischen Interessen der USA auf vielfältige Weise fördern. Aber er lässt es bleiben. Im letzten Moment siegt die Ideologie, zu der die klare Vorstellung vom Platz und von der Rolle der Frauen gehört und die ihn mit Putin verbindet, über das rationale politische Interesse. Man kann sich die Mutmaßungen über Erpressungsmaterial in Händen der Russen gegen Trump sparen – was soll dem noch peinlich sein ? Kreml und Maga verstehen sich ganz einfach in einem entscheidenden Punkt: Männer wie sie sollen die Welt regieren.

Die europäische Union, von einer stabilen Frau repräsentiert, steht in Opposition dazu. Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist hier ein verankertes, zentrales Rechtsgut – auch wenn die Praxis hinterher hinkt. Auch darum ist ein geeintes Europa der gemeinsame Angstgegner und Hauptziel der russischen wie der amerikanischen Regierung.

Feminismus ist eine Präzisierung des Humanismus und der Angriff auf die Frauen ist immer auch das Versprechen auf weiteren Hass, noch mehr Gewalt auch gegen andere Gruppen. Nun ist restlos klar, wohin die Reise mit Trump und Putin geht. Die Schüsse auf Frau Goode und die Demonstrantinnen im Iran bilden, wie Salman Rushdie über die iranische Fatwa gegen ihn schrieb, “einen Moment gleißender moralischer Klarheit und da soll man keinen Schatten suchen.” Angenehm ist der politische Moment nicht, aber immerhin glasklar.

Der dritte Band von Leïla Slimanis großer Familiengeschichte beginnt damit, dass seine Autorin am Ende ist: Nach einer Covid Infektion sitzt sie zuhause vor dem Laptop, aber nichts geht mehr. Kommt nicht mehr aus dem Haus, duscht nicht, hat keinen Appetit. Das Buch changiert immer wieder zwiwschen einem historischen Panorama, einer humorvollen Familienporträt und solchen Passagen des Journalismsu in eigener Sache. Man erfährt natürlich jede Menge über Marokko einst und heute sowie das Frankreich der achtziger Jahre. Aber auch, wer Mallorca und Marokko verwechselt oder Paris nur aus den Nachrichten kennt, liest das Buch mit Vergnügen und Gewinn. Es genügt zu wissen, was eine Familie ist.

Die Mutter arbeitet als Frauenärztin in Rabat, der Vater wird Banker im staatlichen Auftrag, die Familie navigiert zwischen einer privaten Offenheit und politischen Toleranz und einer Umwelt, in der vieles unausgesprochen bleiben wird. Mia, das alter ego der Autorin, versucht sich einen Reim zu machen. Ihre Entwicklung als lesbische Frau in einer heuchlerischen und ioft genug brutalen Gesellschaft liest sich noch einmal wie ein ganz eigener Bildungsroman. Ein anderes Element ist die Recherche nach den Gründen für den Sturz des Vaters - auch hier wieder eine eher tagebuchartige Passage. So erfreut das lange Buch mit einem stilistischen Mix, der immer wieder für erfreuliche Überraschungen und berührende Momente sorgt. In Frankreich ist Leila Slimani längst eine der ganz großen Figuren des literarischen und geistigen Lebens, eine allgemein beliebte und repektierte Autorität und wenn man diesen gelungenen Roman liest, kann man das nur mit Einverständnis zur Kenntnis nehmen.

Alle mögen Meisterwerke, feiern, loben und preisen Produktionen wie The White Lotus, Succession und The Pitt und zwar mit Recht. Aber Meisterwerke sind eben auch eine Challenge, man muss schon alle Sinne beisammen haben, um mit zu kommen. Es gibt in einem trubulenten, erfüllten Leben also immer wieder Zeiten, in denen B- und C-Produktionen ihren berechtigten Auftritt haben. Wenn man mal kurz krank ist, greift man zu Werken, die man dann auch wieder schnell vergessen kann. Nach einer fiesen OP zur Entfernung der Weisheitszähne bekam ich Schmerzmittel und in diesem Zustand habe ich mich sogar über die Lektüre eines Tom-Wolfe-Romans gefreut – bestes Buch der ganzen Welt, fand ich! Ohne die Tabletten konnte ich damit nichts mehr anfangen. Nun ist die Nachrichtenlage wie eine permanente Zahn-Op und dann schlägt die Stunde solcher Serien, die zwar keine Geschichte schreiben werden, aber einfach nice sind. Der Doktor und das liebe Vieh beispielsweise.

https://www.ardmediathek.de/serie/der-doktor-und-das-liebe-vieh/staffel-6/Y3JpZDovL3dkci5kZS9vbmUvZGVyZG9rdG9ydW5kZGFzbGllYmV2aWVoc2Vhc29uc2VyaWVz/6 (Opens in a new window)

Mittlerweile ist die neue Version schon in Staffel 6 angekommen. Viel passiert nicht. Es ist Zweiter Weltkrieg, aber die Schildkröte hat Läuse. Oder ein Fuchs hat Hunger. Da es eine britische Produktion ist, sind viele bunte Strickwaren zu bewundern. Und selbst die Tiere sind die geborenen Schauspieler: Ein Border Collie gibt den schmachtenden Veteranen der Hütehunde, dem wegen Verletzung die Euthanasie droht – unbeschreiblich wehmütiger Hundeblick. Aber es geht gut aus. Alles kommt hier vor – außer Tod und Sex.

Man muss sich ab und zu kneifen, um die Nachrichten auch wirklich zu glauben. Nun stehen europäische Soldaten in Grönland, um symbolisch gegen die USA aufzutreten. Die in meiner Nachbarschaft, zwanzig Minuten zu Fuß, einen historisch bewährten, riesigen Stützpunkt unterhalten. Man muss sich bilden, um noch mit zu kommen.

Viel wusste ich aber nicht von Grönland, diese Doku hat das geändert.

https://www.arte.tv/de/videos/126180-000-A/groenland-der-neue-rohstoffrausch/ (Opens in a new window)

Bevor unweigerlich der Frühling wieder kommt und es wochenlang nur Spargel gibt, schnell nochmal die guten winterlichen Rezepte kochen. Das Gratin gab es zuhause jedes Mal, wenn Besuch kam. Es ist ein kleines bisschen aufwendig für den wöchentlichen Alltag, aber mit etwas Zeit eine feine Sache.

https://www.youtube.com/watch?v=S4IFc40-llo (Opens in a new window)

Kopf hoch,

ihr

Nils Minkmar

PS: In der letzten Woche sind noch einmal viele Mitglieder dazu gekommen. So kann ich mich am Freitagnachmittag und Samstagvormittag ganz diesem Newsletter widmen. Danke.

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