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Always look on the bright side of life

Das Lebensgefühl in Venedig nach der Wahl? Ungefähr so: Ja, wir haben gehofft, fliegen zu können.

Die Landung war schmerzhaft. Aber: Aufgeben ist keine Option. Deshalb: “Always look on the bright side of life”, und genau das machen wir jetzt ⬇️

https://www.youtube.com/watch?v=uAzwji5Cfmk (Opens in a new window)

nachdem wir in Venedig - wieder mal - verloren haben. Was diese Grafik schön klarmacht:

(Gelb ist die Farbe der Rechtskoalition von Simone Venturini, dem ehemaligen Stadtrat für Tourismus und frisch gewählten Bürgermeister Venedigs, Rot ist die Farbe der Linkskoalition des Kandidaten Andrea Martella (Opens in a new window))

Danken möchte ich meinen Wählern (love you all!!!), meinen tollen Mitstreitern der Bürgerliste Terra e Acqua (Opens in a new window), ein grazie particolare geht auch an Marco Gasparinetti (Opens in a new window), der mir zum zweiten Mal die Gelegenheit gab, zu kandidieren, und überhaupt tausend Dank allen Venezianern, die nicht resigniert haben und auch weiterhin (!) für ihre Stadt kämpfen.

Wie wir hier wieder mal sehen: In Venedig stellen wir die Mehrheit, doch die Wahlen werden durch die Stimmen des Festlandes entschieden (Opens in a new window), mit dem wir uns in einer tödlichen Umarmung befinden. Aber: Venedig hat Napoleon und die Besatzung durch die Österreicher überlebt, da werden wir uns auch die nächsten fünf Jahre nicht unterkriegen lassen!

Sofort danach ging es natürlich los, mit den Schuldzuweisungen, den Interpretationen, der Suche nach dem Schwarzen Peter. Meloni und mit ihr Italiens Rechte jubelte - obwohl dazu überhaupt kein Grund vorhanden ist. Denn letztlich war es keine Wahl zwischen Rechts und Links, sondern eine Wahl zwischen Festland und Venedig. Und Venedig, auch das muss festgehalten werden, hat sich mit seinen 51 Prozent der Stimmen für den Kandidaten Andrea Martella entschieden, einem, bei allem Respekt, eher blassen Parteikader der PD. Wobei wichtig ist: Venedig hat sich nicht zwingend für Martella, sondern vor allem gegen Simone Venturini entschieden, den ehemaligen Stadtrat für Tourismus, der elf Jahre treu lang an der Seite Brugnaros gedient hat und für die Fortsetzung der Herrschaft Brugnaros steht.

Es ist das Festland - und mit ihm auch der Lido und Pellestrina - das sich dafür entschieden hat, dem Brugnaro-Ministranten Simone Venturini (Opens in a new window) seine Stimme zu geben, (das Wort Ministrant ist mit Bedacht gewählt, wurde Venturini doch massiv von der katholischen Kirche in Venedig unterstützt).

Unter seinen Wählern befinden sich natürlich alle - BnB-Betreiber, Gondolieri, Wassertaxifahrer, Hotelbesitzer (auch wenn es von letzteren nur noch wenige private gibt, weil die meisten Hotels inzwischen internationalen Hotelketten gehören) und sonstige Interessengruppen. Sie alle haben auf Venturini gesetzt, einen Politiker, der im journalistischen Jargon Italiens als usato garantito bezeichnet wird, also „gebraucht, aber mit Garantie“, womit einer bezeichnet wird, der auf eine lange politische Karriere zurückblicken kann und somit aus Sicht der Wähler, Erfahrung, Zuverlässigkeit und Gewissheit bietet: Venturini hat elf (!) Jahre lang die Profite Brugnaros und der großen Interessengruppen des Tourismusgeschäfts geschützt und sich damit qualifiziert.

Ein wichtiger Punkt dieser Wahl war Rassismus gegen bangladeschische Migranten: Auf dem Festland leben 20 000 bangladeschische Einwohner, 3000 davon mit italienischer Staatsangehörigkeit, die damit in Venedig Wahlrecht haben.

Der Rassismus kam zum Ausdruck, nachdem die PD zwei bangladeschische Kandidaten in ihre Reihen aufgenahm. By the way: Bei beiden handelt es sich um italienische Staatsangehörige, die Kandidatin ist überdies in Mestre geboren und ist Architektin. Die Rechte spuckte Gift und Galle, um darüber vergessen zu machen, dass auch sie (!) ganz gerne selbst die Stimmen der bangladeschischen Gemeinschaft für sich nutz (Opens in a new window)t (schon Brugnaro erklärte sich offen für den Bau einer Moschee). Und gelb verkleidete Bangladescher wurden dafür bezahlt, Venturinis Wahlpropaganda zu verteilen.

Warum so viele Bangladescher auf dem Festland leben? It’s the economy, stupid! (Opens in a new window)Der Markt regelt alles, heißt es ja immer, und ja, er regelt beispielsweise, dass Fincantieri (Opens in a new window), der größte Schiffbaukonzern Europas, so billig produzieren kann, weil er auf bangladeschische Leiharbeiter zurückgreift, die für 7 (sieben!) Euro pro Stunde arbeiten (oft auch noch für weniger). Nachzulesen auch in dieser Reportage über Marghera (Opens in a new window), der „vergifteten Wüste der Industriearchäologie“, wie sie ein venezianischer Partisan einst bezeichnete.

Fincantieri vergibt 90 Prozent der Produktion an Subunternehmer; ein Leiharbeiter kostet – im Vergleich zu einem festangestellten Mitarbeiter – nur die Hälfte: 7 Euro pro Stunde, inklusive Urlaub, Krankengeld und Scheinbeiträge. Gearbeitet wird oft mehr als 10 Stunden am Tag, sogar 6 Tage die Woche. Wochen-, monate- und jahrelang.

Im Jahr 2023 kam es zu einem Prozess wegen Ausbeutung von Arbeitnehmern, illegaler Arbeitsvermittlung und Korruption. Geändert hat sich bis heute - nichts. Die Subunternehmer - und damit der Schiffbaukonzern Fincantieri - profitiert bis heute von dem System der illegalen Arbeitsvermittlung: Weil Migranten in Italien einen Arbeitsvertrag und ein Einkommens nachweisen müssen - bei Nichtbeachtung droht die Ausweisung - sind sie bereit, für Hungerlöhne von fünf Euro pro Stunde zu arbeiten, zu zehnt in einem Zimmer zu schlafen und niemals mit der Gewerkschaft zu sprechen.

Wenn also die Bangladescher nach Marghera gekommen sind, dann, weil die italienischen Regierungen der letzten Jahrzehnte das so wollten. Ohne sich über die Ausbeutung der Bangladescher Gedanken zu machen. Ohne zu versuchen, die Bangladescher zu integrieren. Ohne darüber nachzudenken, was das für die soziale Gemeinschaft von Mestre und Marghera bedeutet.

It’s the economy, stupid!

Apropos economy: Bisher unterstützen tapfere 189 Ehrenvenezianer Reskis Republik und damit meine Recherchen und fast 1500 haben Reskis Republik abonniert. An dem Gratis-Abo soll sich auch nicht ändern. Aber schön wäre es, wenn einige von diesen gratis Mitlesenden vielleicht bereit wären, pro Monat fünf Euro in Reskis Republik zu investieren: Ist ungefähr so teuer wie ein caffè latte bei Starbucks, werden Sie lieber Ehrenvenezianer von Reskis Republik (Opens in a new window), ist viel gesünder, und dahinter steht kein Multi, sondern nur die Reski!)

Aus Venedig grüßt Sie herzlich, Ihre Petra Reski

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