Liebe Leserinnen und Leser,
an Tag 17 geht es um das Thema Freundlichkeit.
2021 wurde eine Online-Studie mit dem Titel „Kindness Test” (Opens in a new window)durchgeführt, an der global über 60.000 Menschen teilnahmen. Die Erhebung gilt als die weltweit größte Studie zum Thema Freundlichkeit. Die zentralen Ergebnisse waren:
Menschen zeigen freundliches Verhalten vor allem dadurch, dass sie anderen Menschen helfen, wenn sie darum gebeten werden
Menschen, die mit Fremden sprechen, erleben mehr Freundlichkeit+
Einkommen hat kaum Einfluss darauf, wie freundlich oder unfreundlich Menschen sind
Menschen sind oft in Sorge, dass ihre Freundlichkeit falsch interpretiert werden könnte
Sei freundlich zu anderen
Freundlichkeit bedeutet, anderen Menschen grundsätzlich mit Anerkennung, Respekt und Wohlwollen zu begegnen. Freundliches Verhalten wirkt sich auf unser Wohlbefinden aus. Dieses Verhalten bildet auch eine zentrale Grundlage für das demokratische Zusammenleben, da es den respektvollen Umgang miteinander fördert. Indem wir anderen Wertschätzung entgegenbringen, stärken wir den sozialen Zusammenhalt. Menschen, die sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen, sind eher bereit, sich politisch zu engagieren und die Zukunft aktiv mitzugestalten.
Menschen, die eine freundliche Handlung beobachten, können davon beeinflusst werden und handeln dann selbst eher freundlich. So entsteht eine positive Welle. Wenn wir Freundlichkeit bei anderen erleben, dann aktiviert das über die Spiegelneuronen dieselben Gehirnregionen und wir sind motivierter ähnlich zu handeln.
Darüber hinaus trägt Freundlichkeit dazu bei, Konflikte konstruktiv zu lösen und Vorurteile abzubauen. Wenn wir uns bemühen, die Perspektiven anderer zu verstehen und offen aufeinander zuzugehen, schaffen wir eher ein Klima des Vertrauens und der Akzeptanz. In einer vielfältigen Gesellschaft ist dies besonders wichtig.
Freundlichkeit ist also nicht nur eine individuelle Eigenschaft, sondern auch eine gesellschaftliche Ressource, die das Fundament für eine inklusive und stabile Demokratie bildet. Ein anderer, wichtiger Aspekt der Freundlichkeit ist die Empathie — die Fähigkeit, die Gefühle anderer wahrzunehmen und zu verstehen. Empathie hilft dabei, einen respektvollen und wertschätzenden Umgang zu ermöglichen.
"Ablehnung und Grenze sind notwendige Bestandteile des Toleranzbegriffs."
Freundlichkeit hat natürlich seine Grenzen. Wenn Rechtsextreme die Demokratie abschaffen wollen, reicht es nicht, einfach nur zugewandt und emphatisch zu sein. So lässt sich das Problem nicht lösen. Dann braucht es eine klare Haltung.
🦖 Deine Übung für Heute
Nimm Dir einen Moment Zeit, komme zur Ruhe. Mach Dir vielleicht eine Tasse Tee oder dein Lieblingssnack - und mache folgende Übung:
♥️ Achte heute bewusst auf Situationen, in denen du normalerweise vielleicht eher mit dir beschäftigt bist und andere gar nicht so sehr wahrnimmst – im Supermarkt, im Treppenhaus, beim Nachbarn.
Nimm dir einen Moment, um freundlich zu grüßen, danke zu sagen oder ein kleines Lächeln zu schenken. Beobachte, wie sich die Situation und dein eigenes Gefühl dadurch verändern.
Das Sussex Centre for Research on Kindness bietet sehr viel Forschung und Ressourcen (Opens in a new window) zum Thema Freundlichkeit. Hier lohnt es sich, mal zu stöbern.
Ich wünsche Dir viel Spaß mit dem Kalender,
Pia Lamberty
Hintergrund: Was ist ein Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten?
Die Welt ist im Wandel – und das in einer Geschwindigkeit, die viele Menschen überfordert. Gewohnte Sicherheiten brechen weg, die psychischen Belastungen nehmen zu. Verschiedene Studien zeigen, dass globale Krisen erhebliche psychische Auswirkungen haben und viele an ihre Belastungsgrenze bringen.
Viele Menschen fühlen sich aufgrund der Krisenpermanenz und zunehmenden Bedrohungslage machtlos – doch sie sind es nicht. Menschen können die Welt verändern und haben mehr Einflussmöglichkeiten als ihnen bewusst wird. Um sich zu engagieren, benötigt es aber mentale Kapazitäten und Skills, um mit Stress umzugehen. Denn: Wer keine Ressourcen übrig hat, wird sich wahrscheinlich weniger einbringen können.
Anleitung: Wie funktioniert der Adventskalender?
Dieser Adventskalender hat 24 kleine Übungen, damit Du deine Resilienz jeden Tag ein bisschen stärken kannst. Jeden Tag geht es um ein anderes Thema, um besser durch turbulente Zeiten zu navigieren.
Du kannst die Ergebnisse deiner Übungen gerne aufschreiben und immer wieder mal anschauen. Das funktioniert in der Notizen-App in deinem Handy. Oder du bastelst dir ein kleines Resilienz-Tagebuch. Jede Übung dauert nicht mehr als 15 Minuten.
Es ist auch nicht schlimm, wenn Du nicht alles schaffst oder Du Übungen nicht magst. Das Ganze soll dich stärken und kein weiterer Stresspunkt werden.
Wenn Du aktuell in Psychotherapie bist, besprich vorher mit deinem bzw. deiner Therapeut*in, ob Du aktuell solche Übungen machen solltest.
Ist Resilienz nicht nur so ein komischer Internet-Trend?
Jein. Der Begriff wird gerade auf Social Media oder bei manchen Feel-Good-Seiten ganz schön überstrapaziert und oft sehr individualistisch betrachtet. Trotzdem beschreibt er eine reale Fähigkeit: gut mit Belastungen umgehen zu können. Und diese Kompetenz brauchen wir leider gerade recht häufig. Resilienz hat natürlich auch seine Grenzen. Es ist keine Superkraft, die plötzlich alles gut macht. Dennoch ist es wichtig, um belastende Phasen besser zu überstehen.
Falls Du mich noch nicht kennst:
Ich bin Dr. Pia Lamberty und Psychologin. Mein Studium der Psychologie habe ich an der FernUniversität Hagen und der Universität Köln (Schwerpunkt Social Cognition und Medienpsychologie) absolviert. An verschiedenen Universitäten – in Köln, Mainz, Brüssel und Beer Sheva – habe ich mich intensiv mit Verschwörungsglauben beschäftigt. Darüber hinaus habe ich auch zu Erinnerungskultur, Antisemitismus und allgemeinen Vorurteilen geforscht. Wer sich für meine Forschung interessiert, kann gerne bei Google Scholar (Opens in a new window) vorbei schauen.
Im Jahr 2020 habe ich gemeinsam mit Katharina Nocun mein erstes Buch veröffentlich - “Fake Facts - Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen” -, das in der Coronapandemie zum Bestellter wurde. Ein Jahr später, 2021, erschien dann “True Facts - Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft” und 2023 der nächste Besteller: “Gefährlicher Glaube - Die radikale Welt der Esoterik”. Im Jahr 2021 habe ich mit anderen dann CeMAS (Opens in a new window)- Center für Monitoring, Analayse und Strategie gegründet und war dort bis Oktober 2025 aktiv.
Promoviert habe ich an der Sozial- und Rechtspsychologie der Universität Mainz - zur Rolle von Verschwörungserzählungen im Kontext von Gesundheitsthemen. Daneben habe ich mich durch die Deutsche Psychologenakademie zur Notfallpsychologin (Opens in a new window)weiterbilden lassen.
Mehr über mich findest Du auf meiner neuen Homepage.