Skip to main content

Du glaubst nicht, was diese Woche auf Rathuus passiert ist

Liebe Politik-Fans

Erwischt, bei diesem Titel war etwas Clickbait dabei. Aber bei den Massen an E-Mails, die tagtäglich in unsere virtuellen Postfächer flattern, muss man einfach irgendwie herausstechen. Herausstechen wollten auch die Absenderinnen und Absender der “Wohnziitig Züri” – aber nicht digital, sondern ganz altmodisch gedruckt. Die “Wohnziitig Züri” wurde kürzlich in die Echtwelt-Briefkästen der Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons Zürich verteilt.

Der “Allianz gegen die linken Wohninitiativen” ist damit ein veritabler Coup gelungen: An prominenter Stelle wurde auch ein Gastkommentar des Politanalysten Michael Hermann abgedruckt. Ganz in der Nähe der Statements von Domenik Ledergerber (SVP), Filippo Leutenegger (FDP), Tina Deplazes (Die Mitte) sowie Nora Ernst (GLP). Zumindest beim Überfliegen des Textes entsteht unweigerlich der Eindruck, dass sich da ein renommierter Politexperte inmitten der Bürgerlichen positioniert. “Es passt mir, wenn man mich nicht auf sicher politisch verorten kann”, sagt Hermann gegenüber Rathuus. (Opens in a new window) Die Kritik, dass er sich habe instrumentalisieren lassen, lässt der Politologe indes nicht gelten. “Man muss halt meinen Text lesen.”

Eindeutige Kritik gab es dafür 2024, als das Medienhaus Tamedia, die Herausgeberin des “Tages-Anzeigers”, ankündigte, dass die eigenständigen Websites der Tageszeitungen „Der Landbote“, “Zürichsee-Zeitung” sowie “Zürcher Unterländer” eingestellt werden. Zudem wurden deren Redaktionen in die Zürcher Redaktion integriert.

Das war ein harter Schlag für die Regionalberichterstattung des Kantons und insbesondere für die Bewohnerinnen und Bewohner der Eulachstadt. Winterthur ist immerhin die sechstgrösste Stadt der Schweiz. Einige wackere Journalistinnen und Journalisten stellten darum das Onlinemagazin Wnti auf die Beine. Im vergangenen März, also fast genau vor einem Jahr, startete das Start-up in Winterthur. Ein Onlineportal für die 120’000 Einwohner – warum eigentlich nicht?

Schnell wurden Unterstützerinnen und Unterstützer für das ambitionierte Projekt gefunden. Doch die Magie eines neuen Lokaljournalismus wirkt heute eher schwach, wie unsere Medienkritik zeigt. (Opens in a new window) Aber keine Angst: Der Text soll nicht höhnisch sein. Er beklagt eher den Ist-Zustand des Journalismus.

Und fast alles fängt mal klein an – wie die BVK.

Was als kleine Beamtenversicherung begann, ist heute die grösste Pensionskasse der Schweiz. Ein neues Buch erzählt die alles andere als gradlinige Geschichte der BVK, die 2026 ihr 100-Jahr-Jubiläum feiert. Es ist zum Glück keine trockene Unternehmenschronik mit dem Ziel der reinen Selbstbeweihräucherung geworden. Dem Autor und Historiker Werner Vogt gelingt über weite Teile der schwierige Spagat zwischen Imagepflege und Selbstkritik.

In einem Kapitel geht es zum Beispiel um einen ehemaligen Anlagechef der BVK, also jene Person, die über die Investition des Vorsorgevermögens entscheidet. Dieser hatte in den Jahren 2001 bis 2010 ein Bestechungsnetz aufgebaut. Doch der Korruptionsskandal war bei weitem nicht das einzige Problem der Pensionskasse in den ersten 25 Jahren dieses Jahrhunderts. Sie musste nämlich mit Geld aus der Staatskasse saniert werden. Als 2000 die sogenannte Dotcom-Blase platzte, brachte das auch die BVK in Schieflage. Wir haben das Buch “Renten, Renditen und Risiken – 100 Jahre BVK” gelesen. (Opens in a new window)

Damit wären wir am Ende dieses Newsletters angelangt. Wir wünschen eine anregende Lektüre. Jetzt wisst ihr, was auf Rathuus diese Woche alles passiert ist.

Liebe Grüsse

Lorenz Steinmann und Pascal Turin

Topic Newsletter

0 comments

Would you like to be the first to write a comment?
Become a member of Rathuus and start the conversation.
Become a member