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GEGENREDE zu Jens Spahns Rede

vom 21.02.2026 beim CDU-Bundesparteitag in Stuttgart

Senfkuchen

Ihre Zuversicht ist unser Ruin

von Stefan Hünl

Sehr geehrte Interessierte

und Herr Spahn,

ich habe mir Ihre Rede in Stuttgart sehr genau angehört. Sie sprechen von ‚Zuversicht‘ und ‚Anpacken‘. Aber lassen Sie uns doch mal ehrlich sein: Die einzige Zuversicht, die Sie verbreiten, ist die Ihrer Großspender, dass die nächste Dividende trotz Krise sicher ist.

Sie haben sich hingestellt und eine Bilanz von neun Monaten Schwarz-Rot gezogen. Aber was Sie hier als ‚Politikwechsel‘ verkaufen, ist in Wahrheit eine soziale Abrissbirne.

​(Zum Thema ‚Leistungsträger‘ und das Bürgergeld:)

Sie schaffen das Bürgergeld ab und ersetzen es mit ihrer neuen ‚Grundsicherung‘, die vor allem eines bringt:

Misstrauen und Repression!

Sie reden von den ‚Fleißigen‘. Herr Spahn, wissen Sie, wer die Fleißigen sind? Das sind die Menschen im Einzelhandel, die Pfleger*innen, die Paketbot*innen. Die Menschen, die dieses Land am Laufen halten und am Ende des Monats trotzdem nicht wissen, wie sie die Miete zahlen sollen.
​Für diese Menschen haben Sie nur Sanktionen übrig.

Und Verachtung.

Aber wenn es um die wirklich Reichen geht, um die Erben von Milliardenvermögen, dann entdecken Sie plötzlich Ihr Herz für Steuerfreiheit. Wer die Ärmsten gegen die Geringverdiener ausspielt, der betreibt kein ‚Anpacken‘, der betreibt nur soziale Brandstiftung!

​(Zu Ihrer ‚Lupenreinen‘ Bilanz:)

Es ist schon eine besondere Form von politischer Amnesie, wenn ausgerechnet Sie von ‚Verrat am Steuerzahler‘ sprechen.

Wir haben die Masken-Deals nicht vergessen.

Wir haben nicht vergessen, wie unter Ihrer Führung als Minister Milliarden versenkt wurden, während kleine Selbstständige um ihre Existenz bangen mussten.
​Und wenn wir schon über Inkompetenz reden. Wer nicht einmal in der Lage ist, eine Richterwahl rechtssicher vorzubereiten, ich erinnere an das Debakel um Frau Brosius-Gersdorf, der sollte sich mit Belehrungen gegenüber der Opposition dezent zurückhalten.

(Zur inneren Sicherheit und Alexander Dobrindt:)

Sie feiern Alexander Dobrindt als ‚Schwarzen Sheriff‘.

Ich nenne es beim Namen.

Was dieser ‚Lucky Luke‘-Verschnitt und Ihre Regierung an den Grenzen und bei den Zurückweisungen veranstaltet, ist ein gezielter Bruch mit dem Völkerrecht. Sie kriminalisieren Menschen in Not, um verzweifelt einer gesichert rechtsextremen Partei hinterherzujagen.

Und die Rhetorik ihrer Partei zum ‚Stadtbild‘?

Wenn Sie suggerieren, dass Menschen mit Migrationshintergrund das Stadtbild ‚stören‘, dann ist das kein ‚besonnener Ton‘, Herr Spahn.

Das ist Hundepfeifen-Politik. Für Hundesöhne.

Das ist purer Rassismus im Nadelstreifen-Gewand. Damit bereiten Sie den Boden für genau jene Rechten, vor denen Sie in Stuttgart, ach so theatralisch, gewarnt haben.

(Zum Angriff auf Heidi Reichinnek und die Linkspartei:)

Ein richtig harter Hund sind sie, Herr Spahn. Sie greifen Frau Reichinnek persönlich an und stellen sie in eine Reihe mit Honecker. Und der ganzen Linkspartei unterstellen sie nebenbei auch noch Antisemitismus. Ach Herr Spahn, das ist ebenso billig wie durchschaubar.

Aber gut, mit wem könnten wir denn Sie dann in eine Reihe stellen? Sicher nicht Adenauer!

Wir sind zwar beide Jahrgang 1980, aber meine politische Heimat ist die Gegenwart und der Kampf gegen den Rechtsruck, den Sie auf den Rücken der Schwachen austragen findet im Hier und Jetzt statt.

Außerdem, dass Sie Antisemitismus-Vorwürfe als taktische Keule missbrauchen, um eine soziale Opposition mundtot zu machen, ist schäbig. Wer wie Sie die Augen vor dem strukturellen Rassismus in den eigenen Reihen verschließt, sollte keine Moralpredigten halten.

Sie haben Angst vor TikTok und Tattoos? Nein, Sie haben Angst davor, dass die Menschen erkennen, dass Ihr System der Umverteilung nach oben nicht gottgegeben ist!

(Das ‚Moll‘ und die wahre Zuversicht)

Sie sagen, das Land ist in ‚Moll‘. Das Land ist nicht in Moll, Herr Spahn, das Land ist erschöpft! Erschöpft von einer Politik, die die Profite der Rüstungsindustrie verdreifacht, während die Schulen verrotten. Erschöpft von einer Union, die Klimaschutz als ‚Ideologie‘ abtut, während die Welt brennt.

Echte Zuversicht entsteht nicht durch Panzer und IP-Sperren.

Echte Zuversicht entsteht durch soziale Sicherheit, durch bezahlbare Wohnungen und durch einen Staat, der die Menschen schützt, statt sie zu gängeln.

Sie nehmen die Welt, wie sie ist?

Ich nicht!

Sehen Sie nicht den Auftrag, sie endlich gerecht zu machen?

Nein?

Verständlich, denn dafür brauchen wir keinen ‚Schwarzen Sheriff‘ und erst recht keinen Jens Spahn, sondern eine Politik, die den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellt, nicht den Profit!

Vielen Dank.

Ende