«In der Diskussion um eine Reduzierung der hohen Gesundheitskosten stellt der Chef der Kliniken Gruppe Sana bestimmte Leistungen für betagte Menschen infrage. „Wir müssen als Gesellschaft uns fragen, ob wir in jeder Lebensphase, wo die Menschen sind, und da rede ich jetzt auch 80 aufwärts sozusagen, diesen Menschen am Ende des Tages die vollumfängliche Medizin zukommen lassen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Lemke im Podcast „Table. Today“»
Lemke, selbst nicht mehr die frischste Latte am Zaun, spricht forsch aus, was Kapitalisten denken: Alte Menschen leisten nichts mehr, sie erfüllen ihren Konsumentenauftrag bescheiden, verursachen ausser Kosten nur Ressourcenverbrauch und Rollatoren Stau. Es ist also nicht erregend, dass ein CEO, der vermutlich eine knusprige private Versicherung oder so viel Millionen auf dem Konto hat, das ihm die Hüft-OP egal sein kann, menschenverachtenden Müll denkt, aber dass er ihn ausspricht, ist der zunehmenden Dreistigkeit der Kapitaleigner geschuldet. Alles einfach mal sagen, so wie Larry Fink, zu dem wir später kommen. Nichts wird passieren, wenn Larry oder Thomas als Nächstes die Notschlachtung Kranken laut überdenken, denn die Medien Aufmerksamkeit wendet sich nach einem Tag kurzer Berichterstattung schon wieder an einem anderen Erregungsthema zu. Wann ist das eigentlich passiert- diese Verrohung, die Dreistigkeit, mit der alles, was man früher nur seiner Hand erzählte, öffentlich gemacht werden kann, ohne dass es irgendwelche Konsequenzen hat. Dass man als PolitikerIn betrügen und kriminell sein kann und es einfach nur Aussitzen muss. Irgendwann verschwinden selbst Anklagen in der Vergessenheit, dazu benötigt es nur einen Krieg, der nicht endet, oder –ein Hochwasser. So viele, die eigentlich ausser charakterlicher Schwäche keinen Grund für Boshaftigkeit, Menschenverachtung, Lügen und Raffgier haben, latschen durch die Welt, als seien sie Mad Max, und die Erde ihnen ein dauernder Kriegsschauplatz. Der Vulgärste, Lauteste, Menschenhassendste gewinnt. Aber was eigentlich. Wie viel Freude macht es alles, was einem so einfällt, auszusprechen, oder es extra auszusprechen, um ein paar andere Deppen zu begeistern? Wieviel Ruhe und Frieden schenkt es, wenn man Menschen verunsichert, ängstigt, ein Klima der Nervosität und des Unwohlseins verbreitet.
Das viele Konzern- und Regierungschefs zwar selten Merkmale der dunklen Triade - Machiavellismus, Narzissmus und Psychopathie aufweisen, also jedenfalls nicht alle zusammen, börsennotierte Unternehmen jedoch asoziales unmoralisches Verhalten belohnen, ist durch Studien, denen man misstrauen kann, aber nicht muss, aufgezeigt worden. Dass die Wirtschaft sich immer mehr von der Gesellschaft und den dortigen Moralparametern entfernt, ist ein Trend, der mit dem Turbo zu erklären, den der Kapitalismus gezündet hat, nun, da die Ressourcen abnehmen, und die Weltmacht sich neu verteilt. So wird agiert, mit noch weniger langfristigem Denken als je, gebellt, gepöbelt, ruiniert, aufgekauft, vernichtet was an Natur, Wohlgefühl und Lebensstandard den Nicht- Millionäre noch zur Verfügung steht. Das sich unsere Gesellschaften Milliardäre nicht mehr leisten können ist bekannt, dass man sie zum Schutz der Mehrheiten in nette Ressorts in den Bergen unterbringen, und dort belassen sollte ist eine neue Idee, die zwar etwas Ausgrenzendes und diskriminierendes beinhaltet aber wie heisst es- die Freiheit des einen endet da, wo die eines anderen beginnt. Unsere Freiheit sollte jetzt beginnen und das Recht auf Wohnen, Gesundheit, Nahrung und eine intakte Natur, deren Teil wir sind, beinhalten.
Und jetzt kommt ein neuer Tachles Text
https://www.tachles.ch/ (Opens in a new window)Die Märkte mögen keine Demokratien.»
Larry Fink
Die Märkte. Welch netter Begriff mit dem man den Geruch von Gewürzen und nassem Kopfsteinpflaster, netten Bäuerinnen und Katzen verbindet.Die Märkte, die Larry meint, haben leider nichts mit Fairness, Kaufspass des Normalbürgers und irgendetwas zu tun, was Sinnvoll für Viele wäre. Sie sind getrieben von High Speed Trading AI, unterdessen Ausgeburt von Irrsinn, Profitoptimierung, kurzfristigen Entscheidungen, feindlicher Übernahme, Monopolen und Raserei. Wo bleibt die immer wieder zitierte Freiheit des Konsumentenwillens, wenn alle Auswahlmöglichkeiten von einem Monopolisten stammen oder Waren sich durch den Handel so verteuern, dass der Konsument keiner mehr ist, sondern nur noch- Mensch. Wo bleibt der Mensch, wenn der Wohnungsmarkt entscheidet, nur noch Wohnraum für Menschen mit einem Einkommen ab 50 k monatlich bereitzustellen. Oder das ihm in der grossartigen freien Welt des WWW nichts mehr gehört. Der Mensch kann Abos lösen, zum Beheizen des Autositzes, für Podcasts, Schreibprogramme, die Nutzung von Domains, Musik, Filme, Wartung und Pflege, das Leben als Abofalle- gut für die Märkte. Und nun kommt die Demokratie ins Spiel- die Macht, die vom Volk ausgeht. Oder genauer von einem kleinen Teil des Volkes, also jenen die über Kapital verfügen, die Gesetze zum Schutz des Kapitals formulieren. Demokratisch kann der Rest der nicht Kapitalinhaber wählen, Referenden imitieren, an Abstimmungen teilnehmen. Das ist schon mal was. Im Zweifel nichts, was die Märkte stören würde, in ihrem unermüdlichen Einsatz für Kapitalakkumulation. Erstaunlicherweise stimmen die meisten Berechtigten im Sinne der Märkte ab. Sie entscheiden sich gegen Steuererhöhung für Firmen, Firmeninhaber, Kapitalisten, denn sie glauben, irgendwann dazugehören zu können, zum 1 % der Supervermögenden. Wenn sie sich nur recht anstrengen wollten. Larry Fink ist unterdessen provisorischer Leiter des WEF-dem Swinger Fest der Kapitalelite, das bei seinem Meet and Greet auch immer ein paar Menschen einlädt- SchauspielerInnen oder Klimaaktivisten für das Unterhaltungsprogramm.
Oder: die Märkte mögen Menschen nicht. Sie sind Ihnen egal.
Soweit die kleine Kapitalismuskritik des Tages. Was ich mit Europa nach der Revolution plane, könnt ihr in diesem netten, neuen Buch lesen. Spoiler: alles ist gut, und es gibt 1 Happy End
https://www.kiwi-verlag.de/buch/sibylle-berg-pnr-la-bella-vita-9783462003802 (Opens in a new window)