Oder (frei) übersetzt: Ein Hoch auf die Pansexualität!
Vielen von euch ist Pansexualität sicher schon ein Begriff, ich möchte aber dennoch mit einer kurzen Erklärung dazu starten. Ansonsten könnt ihr diesen ersten Abschnitt einfach überspringen.
Was heißt »Pansexualität« eigentlich?
Das leitet sich vom griechischen Wort »pan«, übersetzt »alles«, ab. Gemeint ist damit, dass sich Menschen, die pan sind, zu allen Geschlechtern hingezogen fühlen. Andere Selbstbezeichnungen sind auch »geschlechtsblind« oder »omnisexuell«.
Oft wird Pansexualität mit Bisexualität gleichgesetzt. Ein feiner Unterschied zeigt sich aber in der eben genannten Geschlechtsblindheit: Pansexuelle Menschen verlieben sich eher in einen Charakter als in ein Geschlecht oder einen Körper.
Der Begriff Pansexualität ist seit dem späten 19. Jahrhundert in Verwendung, wird aber erst seit den 1990ern verstärkt genutzt. Die pansexuelle Flagge (magenta-gelb-cyan) wurde 2010 auf dem Tumblr-Account von Jasper Varney gepostet und ist seitdem in Verwendung. Die genaue Bedeutung der Farben ist nicht abschließend geklärt, lässt aber den Schluss zu, dass mit Magenta die Anziehung zu Frauen symbolisiert wird, mit Cyan die zu Männern und mit Gelb die zu inter oder nicht-binären Personen.

So, jetzt geht es aber ans eigentliche Thema: Warum ist mir gerade dieser Tag so wichtig?
Der Pansexual Visibility Day, der seit 2015 jedes Jahr am 24.05. gefeiert wird, ist für mich nicht nur ein Datum im Kalender – genauso wenig wie Tage wie der IDAHOBIT (International Day Against Homophobia, Bi-, Inter- and Transphobia) am 17.05. oder der Lesbian Visibility Day am 26.04.
Im aktuellen politischen Klima sind diese Tage wichtiger denn je, denn momentan müssen queere Menschen wieder um Sichtbarkeit kämpfen und es ist alles andere als selbstverständlich, dass wir gesehen und mitgedacht werden.
Für pan- oder bisexuelle Menschen gestaltet sich das mit der Sichtbarkeit noch ein wenig anders, als es beispielsweise bei lesbischen Frauen oder schwulen Männern der Fall ist. Denn allzu schnell kommt es hier zur sogenannten Bi- oder Pan-Erasure.
Damit ist – sehr vereinfacht ausgedrückt – die Unsichtbarmachung der Identität von bi- oder pansexuellen Menschen gemeint. Ein Beispiel: Bin ich als pansexuelle Frau mit einem Mann zusammen, werde ich von außen als hetero gelesen, bin ich hingegen mit einer Frau zusammen, gelte ich als lesbisch. Oft wird dann das eine oder das andere als Phase abgestempelt oder man wird (in seltenen Fällen habe ich leider schon von so etwas gehört) als Verräter*in an der eigenen Community dargestellt. Beides tut weh, beides drängt pan- und bisexuelle Menschen an den Rand und in die Unsichtbarkeit.
Auch ich identifiziere mich selbst als pan (kurz für: pansexuell), interessiere mich tendenziell eher für Frauen, lebe aber derzeit mit einem cis Mann in einer Beziehung, die nach außen nach einer klassischen hetero Beziehung aussieht. Für mich bedeutet das häufig, dass mir erstmal nicht geglaubt wird, wenn ich sage, dass ich auch auf Frauen stehe (oder dass mir das Geschlecht grundsätzlich egal ist, aber das zu erklären, ist noch mal ein ganz anderes Paar Schuhe).
Dass so wenig über Bi- und Pansexualität gesprochen wird, hat auch dazu geführt, dass ich erst sehr spät gemerkt habe, was eigentlich mit mir los ist. Wenn es kaum Repräsentation gibt und über queere Identitäten höchstens hinter vorgehaltener Hand oder in Witzen gesprochen wird, merkt man das eben nicht so schnell – vor allem, wenn man durch People Pleasing und Hochsensibilität die Gefühle der anderen so gut wahrnimmt und sie dann noch über die eigenen stellt.
Meine ersten Beziehungen hatte ich mit Männern, aber ich erinnere mich noch genau, wie mir eine Freundin auf einer Jugendfreizeit erzählte, dass sie bisexuell ist. Vergangenheits-Stevie fand das damals interessant und irgendwie kribbelig und aufregend, aber sie hat damals nicht weiter darüber nachgedacht – selbst dann nicht, als ihre Fantasien (und damit meine ich nicht meine Geschichten) sich immer wieder um Frauen* drehten.
Erst 2020 habe ich so richtig begriffen, dass das mit mir und den Frauen* etwas Ernsteres sein könnte. Nur zog dann erstmal die Covid-Pandemie durchs Land und ich konnte erstmal vergessen, mich auszuprobieren. Geschweige denn zu daten. Dennoch habe ich mich in dieser Zeit zum ersten Mal ernsthaft in eine Frau verliebt. Und mit ernsthaft meine ich hier: Ich habe es bewusst wahrgenommen und nicht als Spinnerei oder besonderes freundschaftliches Interesse abgetan.
Doch daraus ist leider nie etwas geworden und Ende 2020 habe ich meinen jetzigen Partner kennengelernt. Inzwischen habe ich außer an meinem Partner kaum ein romantisches Interesse mehr an Männern. Nicht weil ich so eine treue Seele wäre, sondern weil ich mich stattdessen immer mehr zu Frauen* hingezogen fühle. Weder bei Bi- noch bei Pansexualität ist die Aufteilung immer genau 50:50, das kann von Person zu Person und im Laufe eines Lebens schwanken.
Mir hat es geholfen, mehr und mehr Geschichten mit queeren Personen zu lesen, zu hören und anzuschauen und auch in meinem Umfeld hin und wieder von Leuten zu hören, dass sie queer sind. Mein persönliches Highlight dabei war, als ich erfahren habe, dass der Bruder eines guten Freundes schwul ist und schon seit Jahren mit seinem Partner zusammen. In der Familie meines Freundes war das (wohlgemerkt: wir reden in diesem Fall über das erzkonservative Niederbayern!) völlig normal und keine große Sache und die beiden gehörten ganz selbstverständlich dazu.
Und eigentlich sollte es immer so sein.
Zum Abschluss möchte ich noch ein großartiges Buch empfehlen, das mir bezüglich meiner eigenen Identifikation ziemlich die Augen geöffnet hat. Wenn euch das Thema interessiert, ist es sicherlich ein paar Lesestunden wert:
In diesem Sinne: Happy Pansex Visibility Day!
Cheers
Stevie x

Quellen:
https://www.lgbtgreat.com/pansexual-visibility-day (Opens in a new window)https://diva-magazine.com/2025/05/24/what-is-pansexual-and-panromantic-awareness-and-visibility-day/ (Opens in a new window)