FILM-KRITIK (Opens in a new window)
Nachdem es bei uns gestern zum Internationalen Frauentag um das Recht der Frau am eigenen Körper via dem Thema Schwangerschaftsabbruch (Opens in a new window) und § 218 StGB (Opens in a new window) ging, befassen wir uns heute neben Körperlichkeit mit einer anderen Art von Geburt: Der Wiedergeburt. Oder Wiederbelebung? Oder...?? Die Rede ist jedenfalls von Maggie Gyllenhaals THE BRIDE! - Es lebe die Braut mit einer fantastischen Jessie Buckley und einem exzentrischen Christian Bale in den Hauptrollen.

Bale ist Frank aka Frankenstein, der als erstaunlich sensibler Filmfan nach rund einhundert Jahren körperlicher und emotionaler Einsamkeit nun gezielt nach Zweisamkeit sucht. Kurzum: Einer, ja, DER Braut! Das bringt ihn im Chicago der 1930er-Jahre zur „verrückten Wissenschaftlerin“ Dr. Cornelia Euphronious (yeah: Annette Bening), die nach einigem Zögern einwilligt eine kürzlich Verstorbene auszubuddeln und zurück ins Leben zu schocken…

Bei der gefundenen und nach Franks Ansicht für ihn viel zu schönen jungen Dame handelt es sich um Ida (Buckley). Diese wurde kurz zuvor in einem Speakeasy von Schergen (Matthew Maher, John Magaro) des lokalen Mobsters Lupino (Zlatko Burić (Opens in a new window)) eine Treppe hinuntergestoßen. Lebensende und, wie wir schnell merken, auch im „neuen Leben“ unter Gedächtnisverlust leidend. Kennen wir ja vom guten, alten Frankie. Wobei der ja auch ein Ersatzteillager ist, während „Ida“ - nun The Bride! - alles in allem intakt ist.
Sehen wir einmal von einem kaputten Bein und Blut-Teer im Gesicht ab. Achso, außerdem ist sie halb-besessen vom Geiste Mary Shelleys, die uns zu Beginn des Films in einem Beichtstuhl-Zwischenwelt ähnlichen Setting davon berichtet, dass sie zu Lebzeiten nicht schaffte, woran ihr wahrlich gelegen war: Die Geschichte von Frankensteins Braut formgerecht zu erzählen. Mit Teilzeit-Inbesitznahme der zunächst noch lebendigen Ida könne dies geschehen. (Was im Grunde bedeutet, dass Idas Tod durch den Willen von Shelleys Geist unausweichlich war, richtig?!)

Was nun folgt, sind viele Momente, die teils wie die so unverblümten wie wortgewandten epileptischen Episoden der Titelfigur daherkommen: Verrückt, dreist, kühn, arg hart, bisweilen witzig, dann wieder schwer verdaulich und verletzend, zunächst nicht immer schlüssig und dabei Teil eines bizarr-brillanten Organismus.
Allerdings dürfte Maggie Gyllenhaal als Autorin wie Regisseurin bei ihrem durch und durch feministischen, Gewalt gegen Frauen in vielen, mitunter sehr grafischen Facetten darstellenden, eindrucksvoll von Lawrence Sher in Szene gesetzten und musikalisch dank Hildur Guðnadóttirs Score sowie manch einschneidender Ton-Idee (Stichwort: Fever Ray) donnernden Film nicht allzu Vieles dem Zufall überlassen haben. Ein kolportiertes Budget von um die 80 Millionen US-Dollar unterstreicht den Gedanken. Zu verschenken hat Warner Bros. ja nichts, wie wir nicht erst seit ein paar Tagen wissen… 😉💸

„I’d rather not“ (dt. „Ich möchte lieber nicht/möchte das eher nicht“) sagt Ida aka die Braut im Film des Öfteren. So auch manch Journalist, Zuschauer, Blogger, etc. pp., der Gyllenhaals künstlerisches Werk hier und da wenig passend als „weiblicher Joker (Folie à Deux)“ bezeichnet. Zudem wird der Film von Teilen der Männer-Zunft - und wenigen Frauen - als hysterische, chaotische, comichafte Stümperei, entstanden aus gesellschaftspolitischer Gier, gemacht mit dem Vorschlaghammer als erzieherische Propaganda verurteilt.

Zunächst einmal: Im Gegensatz zu vielen Werken eines Ryan Murphy, der hier hart geschätzt wird, ist The Bride! kein „Hot Mess“ - außer es ist, wie in ihrer Optik, gewollt. Sondern eine melodische, bunte, knallende Orgie aus Humor (Opens in a new window) und Gewalt voller Relevanz (Opens in a new window) bei maximalem Unterhaltungswert und einiger Dramatik. Zudem funkt es nicht nur im Labor, sondern auch zwischen Jessie Buckleys und Christian Bales Figuren ordentlich. Was nicht heißt, dass sie ihn nicht auch mal outcalled. (Tränen am Ende und gar Zwischendurch beim Autor dieser Zeilen (Opens in a new window)!)

Hätte es den Handlungsstrang um einen korrupten Detective (Peter Sarsgaard, Gyllenhaals Ehemann; Bruder Jake spielt übrigens auch eine kleine, aber nicht unwesentliche Rolle) und seine „Assistentin“ Myrna Malloy (Penélope Cruz) in dieser Ausführlichkeit gebraucht? Nicht unbedingt. Bricht er den Film entzwei? Mitnichten. Könnte die Frauen-Bewegung, die aus dem Handeln und der Presse um die Braut entsteht, präsenter sein? Ja. (Allerdings: Credits abwarten.)
https://www.youtube.com/watch?v=IhgcUArO3Uo&t (Opens in a new window)Da kommt ein wenig Black-Dahlia-Meets-Batman-The-Dark-Knight-Rises-Feeling auf, was dem Clyde & Bonnie-esken Film mit einem Hauch Beetlejuice sowie Jamie-Lee-Neve-Campbell-Final-Girl-Power durchaus steht. Zudem geht der Braut jedes Klischee nahezu ab, es fehlt ihr jeder monströse Kitsch (Opens in a new window). Das alles ist zu feiern - so wie wir’s in The Bride! auch sehen. Und dass die Beteiligten, die scheinbar Spaß am Dreh hatten, hiermit auch ein Statement setzen, sowieso.

Ein wunderbares Werk voller Liebe und Grausamkeit, Realität und Eskapismus. Und wo wir gerade vor den 98. Oscars stehen (bei denen Buckley für ihre Rolle als Agnes Shakespeare in Hamnet nominiert ist): Es würde schon einer patriarchalen Verschwörung gleichen, würde Maggie Gyllenhaals mächtige The Bride! nicht manch eine Nominierung sowie Auszeichnung aus dem Saal tragen.
AS
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THE BRIDE! - ES LEBE DIE BRAUT ist seit dem 5. März 2026 im Kino zu sehen.
The Bride!, USA 2026; Regie & Drehbuch: Maggie Gyllenhaal, basierend auf Frankenstein oder der moderne Prometheus von Mary Shelley; Musik: Hildur Guðnadóttir; Bildgestaltung: Lawrence Sher; Schnitt: Dylan Tichenor; Darsteller*innen: Jessie Buckley, Christian Bale, Annette Bening, Peter Sarsgaard, Penélope Cruz, Jake Gyllenhaal, Jeannie Berlin, John Magaro, Zlatko Burić, Matthew Maher, Julianne Hough; Laufzeit ca. 126 Minuten; FSK: 16
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